10 Jahre Burial – "Untrue"

Burial – "Untrue"

Global Pop Classics feiern Geburtstag

10 Jahre Burial – "Untrue"

Von Maike de Buhr

Mysterium und Meisterwerk zugleich: "Untrue" von Burial.  Der britische Dubstep-Produzent hat damit ein Album rausgebracht, das auch eine Dekade später nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt hat. Im Gegenteil: der Einfluss von Burial ist heute noch an vielen Stellen hörbar.

Als 2007 das zweite Album von Burial rauskommt, weiß niemand, wer hinter dem Namen steckt. Gerade seine Anonymität macht den mysteriösen britischen Produzenten unverwechselbar. Seine Sound-Signatur erkennt man sofort: Knisternde Beats, verfremdete Vocals, vernebelte Echos. Auf Hyperdub, dem Londoner Vorzeige-Label für UK-Clubsounds findet "Untrue" das passende Umfeld. Der Sound des Albums ist wie eine nächtliche Busfahrt durch die britische Metropole. Auf dem Kopfhörer laufen die Erinnerungen an Raves und Warehouse-Partys. Die Euphorie von 2Step, Garage, Jungle und Drum & Bass - bei Burial bekommen sie einen melancholisch gespenstischen Zug. Fesselnd und hypnotisierend.

Global Pop Classics - Burial "Untrue"

COSMO Global Pop Classics | 10.11.2017 | 02:27 Min.

Sound-Manie

Burial ist ein manischer Sound-Jäger, immer auf der Suche nach neuen Samples. Schnipsel, die er auf YouTube, in Computerspielen wie "Metal Gear Solid" oder in Filmen gefunden hat, tauchen in den Tracks auf. Sie sind gepitcht, in der Tonhöhe verändert. Das Tempo ist modifiziert, Hallfahnen durchziehen die Songs. Auch R’n‘B-Hits bekommen das Burial-Rework. Beim Titelstück "Untrue" legt er den Gesang von Beyoncé tiefer und in "Near Dark" loopt Burial eine Textzeile von Usher.

Schillernde Düsterheit

"Untrue" – nicht treu. Mit dem Titel beschreibt Burial das Gefühl, sich zu verstellen, und deswegen isoliert zu sein. Ein unheimlicher Zustand. Das Albumcover dazu zeigt eine Graffiti-Skizze in Grautönen: Ein Mann in Kapuze mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen. Doch trotz aller Düsterheit ist "Untrue" schillernder als sein Vorgänger. Sein zweites Album sollte Burial selbst aufbauen. Mit dem Erflog seiner Musik, wächst auch das Interesse an der Person hinter dem enigmatischen Produzenten. „Untrue“ wird für einen Mercury Prize nominiert und so wird auch die Identität von Burial schließlich öffentlich. William Bevan aus Südlondon steckt hinter dem neuen UK-Sound, der so viele prägt: Von Produzenten wie Jamie XX oder Mount Kimbie bis zu den hochgepitchten Stimmen im HipHop oder EDM. Sie alle sind von Burials Sound infiziert worden.

 

Stand: 13.11.2017, 10:00