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Zero Waste in Vancouver

Buchaltestelle mit "zero waste"-Schriftzug in Vancouver.

Nachhaltigkeit mit Shia Su

Zero Waste in Vancouver

Zero Waste, das heißt "null Müll". Inzwischen gibt es immer mehr Menschen, die müllfrei leben. Die Metropole Vancouver hat sich zum Ziel gesetzt, die weltweit grünste Stadt zu werden. Unsere Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su ist gerade nach Vancouver gezogen und erzählt, wie die Stadt müllfrei werden will.

Zero Waste in Vancouver

COSMO | 19.03.2017 | 05:43 Min.

Shia, wie sieht das aus in Vancouver? Gibt es dort nur noch Unverpackt-Läden statt Supermärkte?

Noch nicht, aber wer weiß. Das Angebot an losen Lebensmitteln hat mich beeindruckt! Fast jeder normale Supermarkt hat standardmäßig auch Spender, wo man sich zum Beispiel Haferflocken, Reis, Linsen oder Kaffeebohnen abzapfen kann. Lose Ware, "bulk" nennt sich das auf Englisch, hat in Kanada eine lange Tradition. 

Fing die Unverpackt-Bewegung in Kanada schon früher an als in Deutschland?

Ja, aber das hat leider nicht unbedingt etwas mit Müllvermeidung zu tun. Die Idee ist eher, dass man nur so viel kaufen kann, wie man möchte. Es ist ja auch klasse, denn dann kauft man nur das, was man wirklich braucht. Meistens gibt es zum Abfüllen blöderweise nur Plastiktüten und nicht jeder Laden hat ein System für mitgebrachte Gefäße. Also, eine gute Idee, aber nicht ganz zu Ende gedacht. Den meisten Kunden geht es hauptsächlich um das Geldsparen. Die Lebensmittel sind unverpackt nämlich günstiger, weil man als Verbraucher nicht gezwungen wird, die Verpackung mit zu kaufen. In Deutschland ist die unverpackte Ware leider meistens nicht deutlich günstiger, weil unverpacktes Einkaufen eben noch kein Massenphänomen ist. Das heißt es gibt dafür noch keine feste Infrastruktur und alles, was nicht Massenware ist, ist leider teurer.

Vancouver möchte die weltweit grünste Stadt werden. Was macht die Stadt dafür?

In Nordamerika wird den Einwohner das Recycling nicht leicht gemacht. Seit 2008 krempelt Vancouver aber zum Beispiel alles um: Es wurde viel Infrastruktur fürs Recycling geschaffen und vieles wurde gesetzlich verpflichtend gemacht. Das kanadische System ist dem deutschen System recht ähnlich, Deutschland gilt in Kanada nämlich als Vorbild in Sachen Recycling. Das hat leider auch dazu geführt, dass es nun die gleichen Absurditäten gibt: Der berühmte Plastik-Blumentopf aus recycelbarem Plastik darf in den meisten deutschen Kommunen nicht in den Gelben Sack, weil da nur Verpackung rein darf. Stattdessen gehört er in den Restmüll und das ist in Vancouver leider auch so.

Vancouver will zwar "Zero Waste" werden, ist aber bisher "nur" auf einem Stand vergleichbar mit Deutschland?

Ja, ungefähr. Einige Sachen sind schon etwas konsequnter umgesetzt als in Deutschland, zum Beispiel ist es hier verboten, organische Abfälle über den Restmüll zu entsorgen. Das Abfallaufkommen pro Kopf ist momentan sogar schon auf dem Niveau wie in Deutschland. Das Zwischenziel für 2020 ist, dass 50 Prozent weniger Müll auf Müllhalden landet, beziehungsweise verbrannt wird. Das ist ziemlich realistisch. Das Endziel ist aber, dass 2040 in Vancouver gar kein Müll mehr anfällt.

Wie kann das funktionieren, wenn die Menschen dort zur Zeit sogar noch etwas mehr Müll produzieren als wir?

Es funktioniert natürlich nur, wenn die Einwohner auch mitziehen. Es gibt ganz viel Aufklärung. Die Stadt fährt wirklich viele Kampagnen, die man beim besten Willen nicht übersehen kann. Jeder kennt den Begriff und weiß, dass Vancouver sich "Zero Waste" zum Ziel gesetzt hat.

Die Stadt hat zum Beispiel den "Waste-free Wednesday" initiierten. An diesem Tag fordert sie jeden Einzelnen, Firmen und Geschäfte dazu auf, ihren Müll drastisch zu reduzieren und wenn es geht gar keinen Müll zu machen. So möchte die Stadt Leute dazu bringen ökologischere Gewohnheiten zu entwickelt. Die Einwohner von Vancouver sind wirklich stolz darauf, dass ihre Stadt die grünste Stadt der Welt werden möchte. Die Initiatoren betonen oft und gern, dass das nur mit der Hilfe aller zu schaffen sei. Sie möchten möglichst viele Menschen mit ihren Ideen ins Boot holen, um ihre "Zero Waste" Strategien ständig weiterzuentwickeln.

Ich bin allein schon richtig beeindruckt davon, was sie in den letzten neun Jahren geschafft haben – von der Benutzung vieler Plastiktüten etc. sind viele Menschen zu einer relativ ökologischen Alltagshaltung gekommen. Ich finde es nicht ganz abwegig, dass sie es wirklich schaffen in ein paar Jahren die grünste Stadt, mit dem wenigsten Müll, zu sein. Ich freue mich, dass ich als neue Einwohnerin von Vancouver, jetzt auch mitmachen darf!

Stand: 19.03.2017, 15:25