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F wie Flüchtlingswelle

Albanisches Flüchtlingsschiff in Saranda

"Wir schaffen das"-Lexikon

F wie Flüchtlingswelle

Eine große Anzahl von Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen, und die 2015 vor allem ein Ziel hatten: Deutschland. Die Flüchtlingswelle ist zwar teilweise tatsächlich aus dem Meer gekommen, hat sich dann aber auch oft in Zügen Richtung Bundesrepublik bewegt - wo daraufhin eine Flüchtlingskrise ausgerufen wurde.

Beide Begriffe werden von sogenannten Gutmenschen auch gerne von einem "sogenannte" eingeführt. Sie befürchten, dass man die Metapher der Flüchtlingswelle für bare Münze nimmt - weil sie Menschen auf der Flucht als Dinge, also Wasser darstellt.

Linguistin Elisabeth Wehling: Flüchtlingswelle

"Wir verstecken in unserem Denken, dass sie vor etwas flüchten, weil: Wasser flüchtet vor nichts im Ozean. Wir verstecken in unserem Denken, dass es Individuen sind mit individuellen Schicksalen und Menschen, weil: Wasser ist kein Mensch. Und wir machen eine Geschichte auf für uns - rein gedanklich - in der wir bedroht sind, zum Beispiel als Deutsche. Als Europäer sind wir bedroht von dieser Flüchtlingswelle. Das heißt das einzige Opfer der Situation sind wir."

Die Forscherin Elisabeth Wehling hat herausgefunden, dass Sprache unsere Sicht von der Realität stark beeinflussen kann. Die Metapher der Flüchtlingswelle, die Geflüchteten ihre Menschlichkeit nimmt, bietet also den Nährboden für Vorurteile, Ängste und sogar Hass gegenüber Flüchtlingen. Auch werden Bezeichnungen wie "Flüchtling", "Asylbewerber" oder sogar "Asylant" so benutzt, also ob sie dasselbe bedeuten - obwohl es feine Unterschiede in der Bedeutung und in der Symbolik der Wörter gibt.

Das Problem mit der Flüchtlingswelle und der Flüchtlingskrise: Eine andere Bezeichnung für das, was da im Sommer 2015 passiert ist, gibt es noch nicht - zumindest hat sie sich noch nicht durchgesetzt.