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B wie Besorgte Bürger

Die Rede des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders vor Anhängern des islamkritischen Pegida-Bündnisses wird am 13.04.2015 in Dresden auf einer Leinwand übertragen

"Wir schaffen das"-Lexikon

B wie Besorgte Bürger

Ein Euphemismus für Menschen, die sich eben nicht nur Sorgen machen. Sondern heute ein Synonym für Rassisten im Allgemeinen und Islamfeinde im Besonderen. "Besorgte Bürger" war Ende 2014 zunächst eine Verlegenheitsbezeichnung für die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, kurz: PEGIDA. Damals wollte noch niemand den Demonstranten mit voreiligen Urteilen auf die marschierenden Füße treten, weshalb man sie wohlwollend "Besorgte Bürger" nannte. Neben einigen anderen Politikern sorgte sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière damals wiederum, "dass sich ein Teil von denen wie Fremde im eigenen Land fühlen. Und diese Sorgen müssen wir ernst nehmen. Damit müssen wir uns auseinandersetzen."

Allerdings drohte PEGIDA dann in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, konnte aber im Zuge der Flüchtlingswelle im Sommer 2015 wieder deutlich an Zustimmung gewinnen. Auch die natürliche Verbündete PEGIDAS, die Alternative für Deutschland, sitzt seit 2014 im Europaparlament, in fast allen Landtagen und wird wohl auch in den Bundestag einziehen. Allerdings werden Pegida und AfD gleichzeitig heute von vielen eben nicht mehr als Bürger mit Sorgen bezeichnet, sondern als das, was sie sind: Fremdenfeinde. Denn ob ihre Horrorvisionen vom Ende des Abendlandes irgendeine Grundlage haben, ist diesen Besorgten herzlich egal.

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Während der Begriff "Besorgte Bürger" damit weitestgehend negativ besetzt ist, bleibt dennoch die Frage danach unbeantwortet, wie langfristig mit der Integration der nach Deutschland geflüchteten Menschen umgegangen werden soll. Die Komplexität dieser Aufgabe kann ein Grund sein, sich Sorgen zu machen. Eine Entschuldigung dafür, seinem Rassismus als Besorgter Bürger freien Lauf zu lassen, ist es nicht.