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Machen Serien süchtig?

Kann man süchtig nach Serien werden?

Binge-Watching

Machen Serien süchtig?

Wenn es um die neue Staffel "House of Cards" geht, oder "Orange Is The New Black", dann fallen oft Wörter wie: Binge-Watching oder Seriensuchten. Studien sagen, dass es diese Seriensucht wirklich gibt. Cosmo-Reporterin und Serienjunkie Lina Kokaly wollte mal genau wissen, wie das mit der Seriensucht ist.

Binge-Watching: Machen Serien süchtig?

COSMO | 17.06.2017 | 04:16 Min.

Cosmo: Lina, was sagen die Forscher über Seriensucht?

Lina Kokaly: Wer viel Serien guckt, der könnte psychische Probleme haben. Forscherinnen in Texas haben durch Umfragen bei Jugendlichen herausgefunden, dass Menschen, die einsam und deprimiert sind, meistens mehr Fernsehen gucken als andere. Es lenkt ja auch gut ab, gerade Serien scheinen da besonders in Frage zu kommen. Früher, als wir noch ganz klassisch Fernsehen geguckt haben, musste man meistens eine Woche auf die nächste Folge warten. Das ist jetzt anders. Bei Netflix und Amazon gibt es oft die ganze Staffel am Stück. Besonders verlockend für Süchtige ist, dass wenn eine Folge vorbei ist, automatisch die nächste Episode startet. Ich kann also ewig dranbleiben und mir vorlügen: "Nur noch eine Folge".

Cosmo: Ein klares Zeichen für Sucht sind ja auch Entzugserscheinungen. Wurde das auch erforscht?

Lina Kokaly: Ja, eine andere Studie, die ein TV-Sender in den USA beauftragt hat, hat gezeigt, dass wenn man Menschen ihre Lieblingsserie zeigt, und die nach wenigen Minuten abbricht, diese Menschen suchtartige Körpersymptome zeigen – genau wie Heroinsüchtige. Das sind dann Symptome wie Herzklopfen, schwitzen und stockender Atem. Ich fand, ehrlich gesagt, dass klingt ein bisschen nach Pseudo-Wissenschaft. Deswegen habe ich noch mal selber nachgefragt bei Michèle Sanner. Sie arbeitet bei der Ambulanten Suchthilfe in Bremen. Sie hat bestätigt – man kann von allem süchtig werden, auch von TV-Serien.

Cosmo: Woran kann ich denn erkennen, ob ich selber ein Serienjunkie bin?

Lina Kokaly: Michèle Sanner sagt, man soll ausprobieren, ob man zwei Wochen lang ohne Serie auskommt. Wie fühlt sich das dann an? Nicht gut ist, wenn man auch körperlich das Gefühl habt, dass etwas fehlt. Sie hat gesagt, wenn man so einen Jieper fühlt, dann ist das nicht gut. Die Forscherinnen aus Texas sagen, Müdigkeit, Übergewicht und andere Gesundheitsprobleme können auch zusammenhängen mit zu viel Serien-Konsum. Und sie waren erstaunt: 75 Prozent der Jugendlichen gucken bis zu drei Stunde täglich Serien, die meisten davon allein. Die Forscherinnen haben dabei auch selber gemerkt, dass sie seriensüchtig sind. Das heißt, wenn man oft alleine guckt, wenn man mehr guckt, als man wollte, und vor allem, wenn man andere Sachen nicht erledigt, weil man lieber noch eine Folge guckt, dann könnte man betroffen sein.

Cosmo: Was können Betroffene tun?

Lina Kokaly: Naja, immer mal wieder überlegen, will man diese Serie jetzt wirklich gucken oder guckt man sie nur noch, um mitreden zu können. Also für mich persönlich heißt das zum Beispiel: Ich werde "Game of Thrones" nicht mehr weitergucken. Es ist einfach nicht meine Serie. Und: Guckt man gerade nur, weil man nicht einschlafen kann? Dann lieber mal wieder rausgehen und spazieren, ein Comic lesen, Freunde anrufen, also mal zwei Wochen auf Entzug gehen. Wer merkt, dass das nicht funktioniert, der kann sich Hilfe holen. Das geht in jeder großen Stadt bei der Drogenhilfe. Aber natürlich ist es völlig ok, auch mal ein paar Folgen hintereinanderweg zu gucken, nur eben nicht jeden Abend.

Stand: 16.06.2017, 12:15