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Plastiktütenverbot in Kenia

Viele Plastiktüten auf einer Wiese.

Nachhaltigkeit

Plastiktütenverbot in Kenia

Tansania hat sie schon 2013 abgeschafft, Kenia hat es jetzt gemacht: Die afrikanischen Länder haben Plastiktüten verbannt. Das Herstellen und das Benutzen von Plastiktüten ist jetzt aus Umweltgründen verboten. Europa ist da im Vergleich nachlässiger – zum Ärger von COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Plastiktütenverbot in Kenia

COSMO | 03.09.2017 | 05:26 Min.

Cosmo: Shia, wie scharf geht Kenia gegen Plastiktüten-Sünder vor?

Shia Su: In Kenia Plastiktüten herzustellen, oder sie sogar nur zu besitzen, kann bis zu 37.000 Euro Strafe, oder vier Jahre Knast bedeuten. Kenias Umweltminister Judi Wakhungu versichert aber, dass das nicht den normalen Bürger betreffen solle und man mit Augenmaß vorgehe. Schon jetzt werden dort kaum Plastiktüten verwendet. Pro Kopf liegt der Verbrauch in Kenia zum Beispiel nur bei zwei Tüten pro Jahr, während wir in Deutschland je auf 71 Plastiktüten pro Kopf kommen. Zum Vergleich: Die EU setzt nur das bescheidene Ziel, bis 2025 den Pro-Kopf-Verbrauch auf "nur" 40 Plastiktüten zu senken.

Cosmo: Wenn wir so viel mehr Plastiktüten verbrauchen, müsste wir in Europa noch härter durchgreifen, oder?

Shia Su: Ja, das stimmt. Aber bei uns in Europa ist der Handlungsdruck ziemlich schwach, weil wir uns auf einer ganz gut funktionierenden Müllabfuhr ausruhen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Natürlich ist der Müll dann nicht einfach "weg". Aber: Man sieht es dann eben nicht mehr als ein so offensichtliches Problem wie in Kenia. Da hat man zum Beispiel laut der Washington Post beim Schlachten von Nutztieren 20 Tüten aus Mägen von Kühen geholt. Außerdem behindern Plastiktüten bei uns nicht die Infrastruktur, wie zum Beispiel durch Verstopfungen von Abflüssen. Das passiert in Kenia oft. Solange es unseren Alltag nicht so massiv behindert, können wir gut damit leben und erkennen es vielleicht auch darum nicht als Umweltproblem.

Cosmo: Shia, es liegt ja nicht nur an der gut funktionierenden Müllabfuhr — warum haben wir immer noch so viele Plastiktüten?

Shia Su: Bisher kosten Plastiktüten im Handel zwischen 10 und 15 Cent. Das ist nicht besonders viel und damit wenig abschreckend für den Käufer. Klar, es gibt auch Positivbeispiele, wie einige Supermarktketten, die Plastiktüten komplett verbannen. Aber, vielleicht könnte man das ändern, indem man die Preise für Plastiktüten spürbar erhöht, wenn man sie schon nicht ganz aus dem Handel nimmt. In Kenia ist es zum Beispiel so, dass es dort jetzt sehr hohe Strafen für den Verkauf von Plastiktüten gibt und das schreckt die Leute ab. Vielleicht könnte man hier einfach mit einem Bußgeld anfangen.

Cosmo: Was bedeutet es, wenn ich im Alltag so viele Plastiktüten brauche? Faulheit oder nur Luxus zu Ungunsten der Natur?

Shia Su: Das bedeutet einfach nur, dass du es dir nie zur Gewohnheit gemacht hast, einen eigenen Beutel dabei zu haben. Klar, am Anfang vergisst man das auch mal. Aber, schon allein dieser Stoffbeutel macht viel im Alltag aus: keine Plastiktüten, die man schnell wieder wegschmeißt und damit Müll produziert. Aber du kannst im Alltag zum Beispiel auch auf Frühstückstüten verzichten und dein Brot stattdessen in eine Tupperdose tun, oder mit einem Brotbeutel beim Bäcker einkaufen. Bei Einkäufen kann man auch drauf achten Obst und Gemüse zum Beispiel lose in den Einkaufswagen zu legen, statt alles in diese kleinen Plastiktüten zu stecken. Das sind zwar erstmal kleine Schritte, aber immerhin ein Anfang!

Stand: 03.09.2017, 15:00