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Songs, die etwas bewegt haben

Die Musiker John Lennon, Bob Marley und Bob Dylan

Just Music

Songs, die etwas bewegt haben

Bob Dylan, Stevie Wonder, John Lennon: Fast alle großen Stars der 60er und 70er Jahre haben mit ihren Songs Stellung bezogen: gegen Krieg, gegen Umweltzerstörung, Rassismus, Ausbeutung und gegen Richard Nixon. Das war schon fast ein Automatismus: Musik - ob Rock, ob Folk, ob Reggae - war politisch. Die Stars waren die Verbündeten einer großen, gemeinsamen Rebellion - manchmal sogar die Anführer. Und die Protestsongs gelten heute als Klassiker, als Zeitdokument einer Ära, in der man glaubte, mit Musik die Welt verändern zu können.

Just Music: Songs, die politisch was bewegt haben

03:39 Min.

Immer wieder gab's da große Songs, die eine bessere, gerechtere, friedlichere Welt einforderten. Sie kamen von Herzen - diese großen Protestsongs und sie wurden millionenfach mitgesungen. Aber war es nicht irgendwie seltsam, dass viele dieser Songs von Millionären gesungen wurden, die ihr Geld am liebsten dahin brachten, wo die Steuern niedrig und das Leben bequem war? Und: Was haben diese Songs eigentlich bewegt? Dieser Frage geht unser Kolumnist Joachim Deicke nach in "Just Music".

Rolling Stones - Street Fighting Man

"Ein verschlafenes Kaff wie London hat keinen Platz für einen Straßenkämpfer!" - das sangen die Rolling Stones vor 50 Jahren. Damals waren sie gerade am Knast vorbeigeschrammt und zu einer Gefahr für Jugend, Moral und guten Geschmack erklärt worden. Sie waren Anti-Establishment. Und sie waren Millionäre und äußerst einträgliche Steuerzahler.

Beatles - Revolution

Die Beatles meinten: Ein bisschen Revolution geht in Ordnung - solange dabei nichts zu Bruch geht und keiner Bilder von Mao-Tse-Tung trägt. Sicherlich: "All You Need is Love" war auch ein schönes Motto, aber außer John Lennon dachte doch keiner der Fab Four in politischen Dimensionen.

John Lennon - Working Class Hero

Gar keine Frage: Lennon hat ein paar großartige Polit-Songs geschrieben - so wie der grenzenlose Traum von "Imagine" oder die Demo-taugliche Mitsinghymne "Give Peace a Chance". Aber auch dieser Song konnte keinen einzigen Krieg beenden.

Bob Dylan - It's Alright Ma, I'm Only Bleeding

"Sogar der Präsident der USA muss manchmal nackt dastehen!" Man hört die Wut in Bob Dylans Stimme in den letzten Tagen der Regierung von Richard Nixon. Aber es waren nicht Dylan und Millionen aufgebrachter Amerikaner, die Nixon zum Rücktritt zwangen, sondern couragierte Journalisten.

Neil Young - Let's Impeach The President

Neil Young wollte George W. Bush aus dem Amt jagen. Britische Bands pöbelten in den 80ern gegen Maggie Thatcher. Als die Politiker unfähig waren, hungernden Afrikanern zu helfen, sprangen Musiker ein und trommelten Spendengelder zusammen. Und niemand war lauter, als es darum ging, die Apartheid in Südafrika zu beenden.

Special AKA - Nelson Mandela

Musik hat durchaus was bewegt in den letzten Jahrzehnten. Aber nicht, weil sie von Hause aus etwas Rebellisches, Kritisches oder Idealistisches hätte. Das bekommt sie höchstens dadurch, dass sie verteufelt, zensiert oder verboten wird.

Gilberto Gil - Procissão

Die brasilianische Militärjunta wollte Ende der 60er eine ganze Musikergeneration wegsperren. Die Sowjetunion verbot den Rock'n'Roll. Südafrika verweigerte Miriam Makeba die Rückkehr in ihre Heimat. Solche Aktionen machen Musik "politisch". Aber selbst, wenn die Musiker in die Opposition gedrängt werden, wenn sie wirklich engagiert und rebellisch sind: Die Miete können sie nicht mit ihrer Wut bezahlen.

Ton Steine Scherben - Macht kaputt, was Euch kaputt macht

Mehr als zehn Jahre hatten Rio Reiser und Ton Steine Scherben auf jeder Solidaritäts-Veranstaltung gespielt, oft auf eine Gage verzichtet. Irgendwann standen sie vor der Frage: Privatinsolvenz oder Geld verdienen? Rock-Musik ist eben nicht Revolution, sondern Entertainment, Kapitalismus, Kommerz. Manchmal allerdings durchaus intelligenter Kommerz.

Rio Reiser - Geld

Stand: 10.09.2017, 16:35