Live hören
Jetzt läuft: Color Of My Lips von OMI feat. Busy Signal

"Deutschland ist noch nicht wirklich inklusiv"

Lilian Masuhr

Menschen mit Behinderungen in TV-Serien

"Deutschland ist noch nicht wirklich inklusiv"

Obwohl TV-Serien das wahre Leben abbilden sollen, spielen Menschen mit Behinderungen hierzulande eher selten mit. Warum das so ist und was sich ändern muss, haben wir mit Lilian Masuhr besprochen, Projektleiterin von Leidmedien.de für eine inklusive Kommunikation mit und über behinderte Menschen.

Warum ist die Selbstverständlichkeit von Diversity in punkto Behinderungen vor allem im Fernsehen noch nicht so richtig angekommen?

Lilian Masuhr: Es wird auf Vielfalt geachtet, aber Behinderungen als Vielfalt zu sehen ist noch nicht so verbreitet. Es wird halt immer noch weiter auf die Quote geachtet und dann fragt man sich: Wollen die Zuschauer das denn wirklich sehen, wie jemand vielleicht von seinen Problemen erzählt, die er mit seiner Behinderung hat? Da fehlt dieses Selbstverständnis zu sagen: Ja, wir zeigen einen Freundeskreis, wo wirklich einer eine Behinderung hat und das ist vollkommen normal. Und ich könnte mir vorstellen, dass das damit zu zusammenhängt, dass unsere Gesellschaft in Deutschland noch nicht wirklich inklusiv ist. Also, wir gehen nicht zusammen zur Schule, wir gehen nicht zusammen arbeiten. Viele Menschen mit Behinderungen arbeiten in Werkstätten, wohnen in Heimen und das ist nicht im Selbstverständnis der Drehbuchautoren und Castinagenturen, dass man doch eigentlich auch mal an Figuren denken könnte, die eine Behinderung haben.

Aber in de USA, in "Game of Thrones" zum Beispiel, da gibt es doch auch diesen Kleinwüchsigen, der ist alles andere als gehandicapt, zumindest wird er so dargestellt.

Peter DInklage

Peter Dinklage freut sich über den Emmy

Genau. Also, im Ausland sind die da schon viel viel weiter. Peter Dinklage hat dafür ja sogar auch einen Emmy gewonnen. Und da gibt es ja auch noch zahlreiche andere Serien: "Breaking Bad" oder "Dare Devil". Bei "Breaking Bad" hat der Sohn der Hauptfigur eine Zerebralparese und bei "Dare Devil" ist der Superheld selbst blind. Bei "South Park" gibt es behinderte Figuren, bei "Familiy Guy" sitzt jemand im Rollstuhl. Es zieht sich so durch, dass es immer vorkommt und selbstverständlich ist.

Es ist ja wahrscheinlich trotzdem nicht so einfach für Autoren und Regisseure, so eine Behinderung darzustellen, ohne sie zur Schau zu stellen. Wie macht man das mit dem richtigen Fingerspitzengefühl?

Es macht natürlich Sinn, wenn es dann nicht nur darum geht, dass die Person eine Behinderung hat, sondern dass sie halt auch behindert wird. Und deswegen könnte man dann in einer Serie auch darstellen, dass die Behinderung dazu führt, dass man zum Beispiel irgendwo nicht reinkommt, weil eine Stufe am Eingang ist und man im Rollstuhl sitzt. Oder, dass irgendwelche Medien nicht barrierefrei sind und dass jemand nicht mit seinen Freunden zusammen ins Kino gehen kann, weil es keine Untertitel gibt. Das könnte ja ein Thema sein.

In "Ziemlich beste Freunde" aus Frankreich oder auch "Wo ist Fred" aus Deutschland ist die Behinderung eben das zentrale Thema, so wie du es gerade erklärt hast und wie du es dir wünschst. Geht es also vielleicht doch jetzt schon aufwärts mit dieser Akzeptanz?

Die Akzeptanz hat sich gesteigert in dem Sinn, dass jetzt auch mal langsam Menschen mit Behinderungen Hauptrollen bekommen. Zum Beispiel in der ZDF-Serie "Dr. Klein". Das ist ja die Christine Urspruch, die ist ja selber auch kleinwüchsig, die spielt eine Hauptrolle und dadurch ist sie auch die Ärztin, die das Sagen hat. Und es ist auch sehr witzig gemacht. In Deutschland muss es dann aber immer noch "Dr. Klein" heißen und wir kennen ja "Dr. House", das ist ja auch eine Krankenhausserie aus den USA und da wird halt nicht so krass thematisiert, dass Dr. House humpelt.

Menschen mit Behinderungen in TV-Serien: Gespräch mit Lilian Masuhr

COSMO | 30.05.2017 | 03:59 Min.

Stand: 30.05.2017, 16:01