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Zwischen Tradition und Moderne

Der alte Hafen-West wurde in ein Wohngebiet samt Skatepark umgewandelt. Im Hintergrund der "Turning Torso".

Cities - Malmö und Lund

Zwischen Tradition und Moderne

Von Dominik Jozić

Noch vor rund 30 Jahren galt Malmö als gefährliches Pflaster. Der Niedergang der Werften setzte den Bewohnern stark zu. Mittlerweile hat sich die Stadt aber zu einem Hotspot für Jungunternehmer und Kreative entwickelt und gilt als Vorreiter in Sachen Umweltschutz.

Allein schon die Anreise ist den Trip nach Malmö wert. Wer mit dem Zug oder Auto aus Dänemark nach Schweden fährt, muss die knapp acht Kilometer lange Öresundbrücke überqueren, die beide Länder verbindet. Mit dem Zug fliegt man förmlich übers Wasser - ein Vergnügen, das leider nur wenige Minuten andauert.

Aber warum überhaupt Malmö und nicht die großen Brüder Stockholm oder Göteborg? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, muss man mindestens drei oder vier Tage in der Stadt verbracht und viel Neugier mitgebracht haben. Dann entdeckt man, wie an vielen kleinen Orten eine moderne Großstadt entsteht, die es mit den Herausforderungen der Zukunft aufnehmen will.

Schwedische Fahrradhauptstadt

Als Fortbewegungsmittel bietet sich dazu das Fahrrad an, denn auch hier ist Malmö Schwedens Nummer 1. Über 500 Kilometer Radwege hat die Stadt eingerichtet. Dazu gibt es gesonderte Ampeln für Radfahrer, viele Abstellmöglichkeiten und unterwegs kann man bequem an Druckluftautomaten seinen Reifendruck überprüfen.

Die historische Altstadt lässt sich entspannt an einem halben Tag erkunden. Danach empfiehlt sich ein Ausflug in den neu entwickelten Stadtteil Hafen-West, in dem teilweise immer noch alte Werfthallen stehen. Als weithin sichtbare Landmarke bietet sich der "Turning Torso" an - ein in sich verdrehter Wolkenkratzer, der vom spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfen wurde. Um ihn herum sind die verschiedensten Wohnformen entstanden, vom mehrstöckigen Mehrfamilienhaus bis hin zum Hausboot, schließlich ist die Ostsee nur wenige hundert Meter entfernt.

Wie überall in Malmö wurde auch im Hafen-West auf die richtige Mischung aus Grün und Grau geachtet. Und damit der Bezug zur Natur auch in der dichter bebauten Innenstadt nicht verloren geht, hat die Stadt den Gemeinschaftsgarten Slottsträdgården angelegt. Für wenige Euro pro Jahr können die Anwohner hier ein eigenes Beet bewirtschaften, das praktischerweise regelmäßig von einem Gärtner gegossen wird.

Streetart von Ola Kalnins (Schweden) und Natalia Rak (Polen)

Streetart in der Vorstadt

Unsere Fahrradtour führt uns weiter zu den Hochhaussiedlungen von Hyllie. Hier sind 2014 beim internationalen Streetart-Festival "Artscape" zahlreiche Fassaden verschönert worden, teilweise unter Mitwirkung der Anwohner. Auf der Homepage des Events finden Malmö-Besucher einen Stadtplan mit den eingezeichneten Werken. Eine Tour, die sich auf jeden Fall lohnt, denn in gleich mehreren Stadtteilen haben sich namhafte Künstler aus allen Erdteilen verewigt.

Um abschließend auch noch einen Eindruck von der schwedischen Geschichte der letzten Jahrhunderte zu bekommen, empfiehlt sich ein Abstecher nach Lund. Nur 15 Zugminuten entfernt erwartet einen in der kleinen Universitätsstadt nicht nur die älteste Kathedrale Skandinaviens, sondern auch das Freilichtmuseum "Kulturen" mit mehr als 30 historischen Gebäuden, die alle im Originalzustand erhalten sind. Hier kann man bei einem Spaziergang über das Gelände erfahren, wie das Leben der Bauern im Mittelalter oder der Arbeiterklasse in den 1930er-Jahren ausgesehen hat.

Cities: Malmö und Lund

COSMO | 01.08.2017 | 09:29 Min.

Stand: 01.08.2017, 11:16