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Der Trump in uns

Screenshot aus der Doku "The Price of Certainty"

Sehenswertes aus Netz und TV

Der Trump in uns

Von Emily Thomey

"The Protectors" zeigt, was passiert, wenn Hollywood die Virtual-Reality-Brille aufsetzt | "The Price of Certainty" ist eine zeitlose Erklärung dafür, warum Rechthaber eigentlich nie Recht haben | Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV.

Bist du dir sicher?

Die Filmemacherin Daniele Anastasion nimmt in ihrer Kurzdokumentation "The Price of Certainty" für uns auseinander, was es bedeutet, die komplexe Welt auszuhalten, in der wir leben. Das fällt uns so schwer, da wir im Prinzip alle einen Trump in uns tragen. Das denkt sich Anastasion natürlich nicht selbst aus, sondern interviewt in beruhigenden schwarz-weiß Bildern den jüdischen Psychologen Arie Kuglanski. Unsere Weltsicht hat leider sehr wenig mit den tatsächlichen Fakten und Informationen zu tun, sondern viel mehr mit unseren psychischen Bedürfnissen. Damit meint Arie Kuglanski, dass wir uns nach einfachen Antworten sehnen, danach, zu wissen, wer recht hat und wer nicht.

Menschlich: Ich hab immer Recht

Die Medien vermitteln uns, dass wir mittendrin sind im Geschehen, wie jetzt beispielsweise bei den G-20-Protesten. Wir haben den Eindruck, uns so auch eine Meinung darüber bilden zu können, wer beispielsweise schuld ist an den Ausschreitungen - der Schwarze Block oder die Polizei. Dieses ständig überall live dabei sein, wo es knallt, verstärkt aber auch unsere Unsicherheit und das Bedürfnis nach schnellen Entscheidungen für eine Seite, um sich sicher fühlen zu können. Die Fähigkeit, sich zu entscheiden, ist aber auch ganz wichtig, um überhaupt handeln zu können und klarzukommen im Leben - wir treffen ja ständig Entscheidungen.

Was ist dann die Lösung des Dilemmas?

Die Lösung ist nie einfach, sagt Arie Kuglanski, der selbst während des NS-Regimes in einem polnischen Ghetto aufgewachsen ist. Wir müssen immer andere Meinungen zu lassen und aufpassen, relevante Informationen nicht zu ignorieren. Deswegen, so Kuglanski, sollten wir immer misstrauisch werden, wenn wir denken: Ich habe recht. Die Gefahr, extreme Ansichten zu vertreten, steckt in jedem von uns. Das galt in der Nazizeit und das gilt auch heute noch. Die Kurzdoku "The Price of Certainty" fasst das kurz, prägnant und zeitlos zusammen, denn die Nachrichtenbilder, die wir neben dem Interview mit Kuglanski sehen, sind im Prinzip auswechselbar.

Elefantenretter

Die Dokumentation "The Protectors" steckt uns in die Schuhe von Elefantenranger, die im Garamba Nationalpark im Kongo gegen Elfenbeinwilderer kämpfen. Als Virtual-Reality-Film ist das sehr beeindruckend, weil wir mit den vollbewaffneten Rangern im offenen Hubschrauber über den Park fliegen, rausspringen und dann durch das hohe Gras schleichen. Die Jagd auf Wilderer ist extrem gefährlich, erzählt der Ranger Dodo. Er kann jeden Tag im Kampf gegen die Wilderer getötet werden, sagt er, aber seine Vision, die Tiere zu schützen und für seine Familie zu sorgen, ist stärker. Außerdem weiß er, dass seine Frau stolz auf ihn wäre, auch wenn er bei seinem Job ums Leben kommt.

360° Film aus Hollywood

Regie geführt bei "The Protectors" hat niemand Geringeres als die mehrfache Oscargewinnerin Kathryn Bigelow. Ihre Erfahrungen als Actionfilmmacherin kommen ihr dabei zu Gute. Das Thema ist natürlich wenig kontrovers - wer kann geschlachtete Elefanten schon gut heißen. Und so drücken die Bilder auch ordentlich auf die Tränendrüse, letztlich werden wir sogar um Spenden gebeten, weil es nur sehr wenige Ranger in dem riesigen Park gibt. Rein formal ist der Film keine Erleuchtung, da gibt es unendlich viele 2-D-Dokumentationen, die visuell besser und intensiver erzählen. Aber wir tasten uns alle an VR als neue Technik heran und es lohnt sich trotzdem, die VR-Brille aus Pappe zu bauen und sich den Film anzuschauen, weil es nur eine Frage der Zeit ist, bis VR-Filme auch visuell Hollywoodniveau erreichen werden.

Stand: 11.07.2017, 13:00