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Neue Krimis aus Australien

Cover von Candice Fox "Eden"

Noller liest - Oktober 2016

Neue Krimis aus Australien

Von Ulrich Noller

Neue Spannungsromane aus Australien: "Eden" von Candice Fox: Zweiter Band einer ungewöhnlichen Trilogie, der besser ist als der erste Band. Und: Alan Carters "Des einen Freud" - ebenfalls ein zweiter Band, der seinen Vorgänger übertrifft.

Um "Eden", den zweiten Teil einer Trilogie, zu verstehen, muss man die Grund-Konstellation kennen, die Candice Fox in "Hades", dem ersten Teil, gezeichnet hat: Eden ist Polizistin in Sydney, eine Art Super-Frau. Und sie ist die Tochter von Hades, dem Chef einer riesigen, privaten Müllkippe vor den Toren der Stadt – auf der gegen Geld auch Leichen entsorgt werden. Auf eben diesem Weg kam Hades zu Eden und ihrem Bruder Eric: Er sollte sie "entsorgen", stattdessen tötete er aber ihre Entführer und zog die beiden wie eigene Kinder auf. Offenbar dachte er, er könne ihren trauma- und erziehungsbedingten Mordtrieb kanalisieren, indem er beide eine Ausbildung bei der Polizei machen ließ. Im ersten Band nahm es mit Eric kein gutes Ende. Edens Partner Frank spielte dabei eine gewisse Rolle. Jetzt, in "Eden", ermittelt Eden ohne Bruder, dafür mit Frank im ziemlich abgefahrenen Fall eines Serienkillers, der offensichtlich junge Mädchen verschwinden lässt. Zugleich geht’s aber auch um Hades, der von Schatten aus der Vergangenheit bedroht wird. Da wiederum kann ihm nur Frank helfen.Dder aber ist ziemlich angewidert von dem alten Mann, was die Sache nicht eben leichter macht.

Cover von Candice Fox "Eden"

"Abgefahren" ist das Ganze vor allem wegen der Art und Weise, wie Candice Fox erzählt, wie sie Bilder generiert, wie sie ein altbekanntes Arsenal aus der Spannungsliteratur neu abmischt. Das alles ist ziemlich genial angelegt und auch erzählt. Eigentlich ist es schon so angelegt, dass es nur gut erzählt werden kann: Die dunkle Vergangenheit von Eden und Hades. Die Dynamik zwischen den Figuren. Frank, der von außen reinkommt und Teil des Ganzen wird, ohne daran etwas ändern zu können. Die Ambivalenz der Figur Eden. Und so weiter ... und so fprt ... So viel Potential steckt allein schon in der Struktur ... dann aber kommt noch der aktuelle Fall hinzu, der, wie gesagt, auch 'nicht ohne' ist. Candice Fox ist Anfang 30. Sie ist noch 'frisch' dabei, und oft will sie noch zu viel, so scheint es, ist zu ungestüm. Da schießt die Story dann auch mal deutliche übers Ziel hinaus - macht aber nichts, denn sie erzählt so wild und kreativ, dass es eine Freude ist! Candice Fox ist eines der interessantesten Talente der Spannungsliteratur weltweit. Von ihr wird man garantiert noch viel hören. Und "Eden" ist wie "Hades", also, wie sagt man so? Einfach fett!

Cover von Alan Carters "Des einen Freud"

Etwas ruhiger und "erwachsener", aber nicht minder virtuos erzählt Alan Carter vom Verbrechen in Australien. Im Grunde genommen sind es mindestens zwei Geschichten, um die es in sich seinem Roman "Des einen Freud" (Edition Nautilus, Euro 19,90) dreht, angesiedelt in Freemantle/Australien. Zum einen geht’s um eine 15jährige namens Briony Susan Petcovic, die seit fünf Jahren vermisst wird; die Mutter Shellie will endlich Gewissheit; der wegen eines anderen Mordes im Knast sitzende Ex-Lebensgefährte Gordon Francis Wellard, der Bree möglicherweise getötet hat, hält sie immer wieder hin, mit allen möglichen Methoden des Psychoterrors. Geschichte Nr. 2 berichtet von Santo Rossetti, einem Undercover-Ermittler, der beim Sex in der Toilette einer Bar getötet wurde. Es ermitteln Cato Kwong und Lara Sumich, die beiden geben dabei eine ziemlich originelle Variante des ungleichen Ermittlerteams. Hinzu kommt noch ihr Chef Hutchens, ein Zyniker vor dem Herrn – heimliche Hauptfigur, fast der Interessanteste eines klasse gezeichneten Figurenensembles.

Alan Carter, geboren 1959, stammt aus England, ist mit Anfang 20 nach Australien ausgewandert, lebt in Freemantle als Dokumentarfilmer. Nach "Prime Cut" ist "Des einen Freud" sein zweiter Kriminalroman. Genauer gesagt: Sein zweiter Polizeiroman. Und der hat es in sich: Grandiose Charaktere, toller, klasse inszenierter Plot – und insbesondere auch sehr, sehr gute Dialoge. Ein ganz genau gearbeiteter, im besten Sinne 'reifer', 'harter', immer wieder aber auch bissig-lustiger Roman. "Des einen Freud" liefert fein ausbalanciert Genre on top und auf der Höhe der Zeit. Macht richtig dicke Spaß, das zu lesen!

Neue Krimis aus Australien

FHE Cosmo | 05.10.2016 | 07:26 Min.

Stand: 05.10.2016, 10:00