Orangene Wolke, rote Zahlen?

Soundcloud wird 10 und schließt zwei Büros.

1LIVE Plan B

Orangene Wolke, rote Zahlen?

Von Philipp Kressmann

SoundCloud ist diesen Monat zehn Jahre alt geworden und schon länger ein extrem wichtiger Teil der DIY-Kultur. Künstler wie Flume, Chance The Rapper oder Robin Schulz sind durch Soundcloud bekannt geworden. Doch die Zukunft der prominentesten Audio-Plattform scheint unklar.

Im Juli entließ SoundCloud 173 Mitarbeiter, zwei von vier Büros wurden geschlossen. SoundCloud-Gründer Alexander Ljung schrieb in einem Blogeintrag, dass man sich keine Sorgen machen muss. Die Entlassungen seien leider notwendig gewesen, damit die Plattform in Zukunft weiter unabhängig sein kann. Mehr Infos gab es seitens SoundCloud bisher noch nicht.

2015 hatte SoundCloud Verluste in Höhe von 50 Millionen Euro gemacht. Seit 2016 gibt es mit SoundCloud Go zudem einen Bezahldienst. Der gilt als Reaktion auf die Verluste. Doch das Geld scheint trotz SoundCloud Go knapp zu sein. "Ich glaube, dass die Userzahlen, was das angeht, deutlich geringer sind als bei der Konkurrenz", sagt Timo Brücke von der Gründerszene. "Wenn man sie nach der Gesamtuserzahl fragt, dann kriegt man immer noch die gleiche genannt wie von 2014". Das sollen 175 Millionen User sein – ohne Angabe, wer von denen bezahlt. Zum Vergleich: Spotify kann laut eigener Aussage mittlerweile 60 Millionen zahlende User vorweisen.

Timo meint auch: "Sie haben ein Abo-Angebot gestartet, was ihre ureigene Stärke gar nicht ausspielt, dass sie so sehr User-generiert sind und auf Indie-Musik setzen. Sondern sie haben direkt versucht, mit den Mainstream-Playern wie Spotify oder Apple Music zu konkurrieren und das konnte auf jeden Fall nur schiefgehen." Aktuell soll es zwei interessierte Investoren für SoundCloud geben. Bestätigt ist aber noch nichts.

Dabei kann SoundCloud viele musikalische Erfolgsgeschichten vorweisen. Vor allem für elektronische Künstler war SoundCloud immer wichtig. Flume hat einmal verraten, dass viele Blogs durch seinen SoundCloud-Account auf ihn aufmerksam wurden. Ähnliches gilt für Alan Walker, Kygo und in Deutschland für Robin Schulz und Wankelmut. Aber auch Acts wie The Weeknd haben hier exklusive Tracks veröffentlicht. Snoop Dogg ist hier sogar auf ein Feature aufmerksam geworden.

Auch Chance The Rapper verdankt dem Musikdienst viel von seinem Erfolg. In einer Rede bei den Grammys diesen Jahres dankte er sogar SoundCloud und noch im Juli twitterte er, dass er mit Alexander Ljung telefoniert hätte. Auch seinen neuesten Track gibt es nur auf SoundCloud zu hören.

Jüngere Bands haben gute Erfahrungen mit SoundCloud. "Für die Geschichte von Vimes war SoundCloud eigentlich immer eine wichtige Plattform, weil wir es immer geschafft haben, unsere Musik recht weit darüber zu streuen. Das hat eine Art Eigenleben entwickelt", sagt Julian Stetter von Vimes. Die Kölner Band ist gerade für den Pop-NRW-Preis nominiert. "Dieser DIY-Charakter bringt schon echt mit sich, dass man immer wieder Sachen findet, die vielleicht wirklich total unbekannt sind!"

Stand: 09.08.2017, 16:47