"Musik hilft mir!" - Dave Grohl im Interview

Dave Grohl von den Foo Fighters, Interview "Concrete And Gold"

1LIVE Plan B

"Musik hilft mir!" - Dave Grohl im Interview

Von Raffaela Jungbauer

Eine Sinnkrise, Paul McCartney am Schlagzeug und Zweifel an Amerika. 1LIVE hat mit Dave Grohl über das neue Foo-Fighters-Album "Concrete And Gold" gesprochen.

Dave, du wolltest eigentlich, nachdem du dir 2015 auf der Bühne das Bein gebrochen hattest, eine viel längere Auszeit nehmen. Warum hast du dich umentschieden?

Dave Grohl: Nach dem Unfall haben wir noch weitere 50 oder 60 Konzerte gespielt. Das waren tolle Shows, aber wir waren da bereits jahrelang pausenlos am Arbeiten. Von Projekt zu Projekt. Von der "Wasting Light"-Platte zum "Sound City"-Film zu unserem letzten Album "Sonic Highways" und dann noch die "Saint Cecilia"-EP. Das waren vier Jahre ununterbrochene harte Arbeit. Und ich denke, wir waren einfach alle erschöpft. Ich zumindest war es, körperlich und emotional. Ich wollte eine Pause. Ich habe damals der Band und der Musik die Schuld dafür gegeben, dass ich so kaputt war. Das hat mich wirklich unglücklich und depressiv gemacht. Als ich mich dann aber sechs Monate lang zurückgezogen hatte, habe ich begriffen, dass ich ohne die Band erstrecht unglücklich bin! Und ich habe begriffen, dass es die Musik ist, die mich glücklich macht und die mir hilft. Also haben wir wieder angefangen zu schreiben. Aber wir haben es niemandem erzählt.

Auf eurem neuen Album, "Concrete And Gold", wimmelt es vor teils überraschenden Gästen. Alison Mosshart von The Kills und The Dead Weather, Boyz-II-Men-Sänger Shawn Stockman, The-Bird-And-The-Bee-Sängerin Inara George und: Justin Timberlake. Das macht den Sound streckenweise ungewohnt leichtfüßig und verträumt, gleichzeitig versteckt ihr diese Stimmen teils fast im Hintergrund. Das muss man sich erlauben können!

Dave Grohl: Ja, wir haben viele Freunde auf dieses Album eingeladen und sie im Hintergrund singen lassen. Ich liebe einfach diesen süßen Beach Boys-Beatles-70er-Jahre-Sound mit Jazzharmonien und Melodien, bei den die Chöre fast schon wie Instrumente klingen. Ich dachte mir: Wenn wir das mit unserem Sound mischen, wird das das beste Album, das wir je gemacht haben!

Ein Album, auf dem auch noch Paul McCartney Drums spielt. Wie gut ist er als Schlagzeuger?

Dave Grohl: Dieser Mann liebt und lebt einfach Musik. Alles, was er macht, ist großartig. Es gibt Gründe, warum er ein Beatle ist.

Produziert wurde "Concrete And Gold“ von Greg Kurstin von The Bird And The Bee, der bereits Popstars wie Pink produziert hat und sogar Adeles "Hello". Wieso habt ihr euch für jemanden aus einem anderen Genre entschieden?

Dave Grohl: Ich habe ihn in einem Restaurant auf Hawaii kennengelernt. Ich war besessen von der ersten The-Bird-And-The-Bee-Platte. Die Komposition und das Arrangement waren so perfekt durchdacht und so schön jazzig. Ich sehe ihn also in diesem Restaurant und sag mir, 'Oh mein Gott, da hinten ist doch der Typ von The Bird And The Bee!'. Ich wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass er auch Produzent ist. Als er mir erzählt hat, dass er gerade Sia und Beyoncé produziert, dachte ich schon wieder: 'Oh mein Gott!'. Wir haben uns angefreundet, und ich wusste einfach, dass er der Richtige sein würde. Er hatte noch nie eine Rockplatte produziert.

Das Album ist in den aktuell politisch schwierigen Zeiten entstanden. Das hat die Texte sehr beeinflusst. Entstehen in politisch düsteren Zeiten die besten Alben?

Dave Grohl: Kann sein. Es ist zurzeit schwierig, nicht frustriert oder verwirrt zu sein. Wir driften in den USA gerade alle auseinander. Keiner weiß, was er tun soll, weil niemand da ist, der uns wirklich führt. Und ja, diese Frustration schimmert in den Texten durch.

Stand: 14.09.2017, 11:32