"Wenn das heute jemand sagt, muss ich sofort an Ufo denken."

Falk Schacht

1LIVE Plan B Interview | Falk Schacht

"Wenn das heute jemand sagt, muss ich sofort an Ufo denken."

Von Niklas Potthoff

Falk Schacht ist Musikjournalist, Moderator und ein wahres HipHop-Lexikon. Seit mittlerweile über zwanzig Jahren schreibt und spricht Falk Schacht über HipHop. Inzwischen sogar mit einem eigenen Podcast. Anlässlich des 1LIVE Plan B Specials zu "Signature Sounds" hat er mit uns gesprochen. Darüber, welches Geräusch ihm als erstes in den Kopf kommt, woher Snoop Dogg seine Liebe zum "izzle" hat und wann Falk immer an Ufo361 denken muss.

Falk, an welchen Künstler denkst du, wenn man von "Signature Sounds" spricht?

So einer der ersten Sounds, der mir in den Kopf kommt ist das "Skurrr", was Money Boy hier populär gemacht hat. Das natürlich ursprünglich aus den Staaten stammt, aber das ist so gerade das Aktuellste, was mir in den Kopf kommt.

"Signature Sounds" haben in den Staaten eine echte Tradition, man denke mal an das "Yeah Boi" von Flavor Flav. Woher kommt denn die Motivation, sich so einen "Signature Sound" zuzulegen als Künstler?

Bei den amerikanischen Künstlern, und vor allem bei den afroamerikanischen Künstlern, ist natürlich ganz klar, dass diese geprägt sind durch mindestens ein Jahrhundert schwarzen Entertainments. Das fand natürlich nicht nur in der Öffentlichkeit statt, sondern oft einfach in der Hood, in der Nachbarschaft. Ursprung ist das sogenannte "Jive Talking", eine alte afroamerikanische Tradition, die circa vor hundert Jahren in Harlem ihre ersten größeren Auswüchse hatte. Man kann das im Grunde als die Slang-Variante von Jazz bezeichnen. Da findet man bereits viele Ausdrücke die bis heute benutzt werden und diese lautmalerische Aussprache oder bestimmte Sounds zu machen, das hat da seinen Ursprung.

Warum benutzen die Künstler das denn? Wird damit die eigene "Marke" vorangetrieben?

Ja klar, auch das, man will sich abheben von den anderen. Und gerade im HipHop geht es ja auch darum nicht zu kopieren, jeder möchte einmalig sein, möchte etwas Besonderes haben. Man ist aber natürlich trotzdem durch andere inspiriert.

Ist das die einzige Funktion dieser Signaturen?

Na ja, das hat ja oft noch eine andere Funktion, nämlich die Stellen zu füllen, in denen man eigentlich noch nicht rappt  Das kann man natürlich durch irgendwelche Ansagen oder Sätze oder eben durch ein "Uh", wie zum Beispiel bei Jay-Z machen. Und wenn ich das auf eine bestimmte Art und Weise und in vielen Songs mache, dann schleift sich das natürlich als eine Art "Audiomarke" in den Kopf ein.

Wie ist das mit den "Signature Sounds" im Deutschrap? Die haben ja keine ähnliche Tradition.

Eher nicht. Es gab Ausnahmen. Ju von den Massiven Tönen war jemand, der eigene Begrifflichkeiten wie "Junge" in einer eigenen Art und Weise eingebracht hat. Aber das haben nicht so viele Rapper gemacht. Vielleicht noch Kool Savas mit Aussprüchen wie "Step ans Mic", die ganz klar auf ihn gemünzt sind.

Einige Rapper haben ja nicht nur ihre eigenen „Signature Sounds“, sondern schon eine eigene Sprache, wie Das EFX mit "diggedi" oder Snoop Dogg mit dem "izzle".

Das kann man auch auf das "Jive Talking" zurückführen. Es ist ja auch nicht so, dass Snoop Dogg irgendwo alleine sitzt und sich so etwas ausdenkt, sondern das wird benutzt. Auf der Straße gibt es Leute die sich wirklich so unterhalten. Es geht um Kodierung, also dass man untereinander sprechen kann, ohne dass es jemand, der damit nicht vertraut ist, versteht.

Im Grunde ist das eine Geheimsprache und das kann man auch ein bisschen zurückführen darauf wie Kinder das machen. Da gibt es ja die Bi-Sprache in Deutschland oder die "Löffelsprache". Kinder benutzen das mit Absicht, damit ihre Eltern nicht verstehen worüber sie sprechen.

Die Bi-Sprache findet man ja derzeit bei SSIO.

Genau. Wobei SSIO tatsächlich gefühlt einer der wenigen ist, der sich getraut hat das mal im deutschen Rap zu übernehmen. Ich habe so ein bisschen den Eindruck, als würden deutschsprachige Rapper sich das nicht so richtig trauen, solche "Kindersprachen" oder "Kinderreime" in Rap zu übernehmen – weil sie vielleicht Angst haben, uncool zu sein.

Im Deutschrap gibt’s ja grade noch einen, der das macht: Ufo361. Der hat ja auch so seine Phrasen. Man denke an "jajaja" und "Ihr wisst Bescheid".

Ja, und als Nebeneffekt, der ihm vielleicht gar nicht bewusst ist, schafft er sich eben diese eigene Marke, sodass man automatisch an Ufo denkt wenn jemand zum Beispiel sagt “ihr wisst Bescheid“. Vor einem Jahr musste ich das nämlich nicht. Aber wenn das heute jemand in meiner Gegenwart sagt, dann muss ich sofort an Ufo denken. Der hat es geschafft den Satz auf sich zu prägen.

Stand: 19.06.2017, 14:28