Jennifer Lawrence im 1LIVE-Interview

Jennifer Lawrence

"Nach den ersten Szenen habe ich total hyperventiliert"

Jennifer Lawrence im 1LIVE-Interview

Jennifer Lawrene spielt im Horrorfilm "mother" ihre bisher wohl schwierigste Rolle. Von hyperventelieren bis Angstzustände waren bei den Dreharbeiten alles dabei. Wie sie sich beruhigen konnte und was für sie das besonders Schlimmste an ihrer Rolle war, erzählt sie uns im 1LIVE Interview.

1LIVE: „mother!“ ist wahrscheinlich dein erster Film, bei dem sich die Leute richtig zoffen werden. Die einen werden ihn lieben die anderen hassen. Wie fühlt sich das an?

Jennifer Lawrence: Ich liebe das! Wir wussten das ja schon, als wir den Film gemacht haben. Das war ziemlich offensichtlich. Es kommt echt drauf an, ob man die Message versteht. Sonst wird man ihn definitiv hassen.

1LIVE: Wenn wir ein Genre finden müssten, wäre es irgendwas zwischen Mystery und Horror. Wie ging's dir damit beim Dreh?

Jennifer Lawrence: Normalerweise kann ich, sobald die Kamera aus ist, abschalten. Jetzt war es anders. Die letzten Tage vor dem Dreh waren wirklich hart. Nach den ersten Szenen habe ich total hyperventiliert. So eine krasse Rolle hatte ich noch nie und kann ich wahrscheinlich auch nie wieder spielen.

1LIVE: Wie hast du dann versucht wieder runterzukommen?

Jennifer Lawrence: Wir haben mir am Set einen "Happy Place" gebaut. Da liefen 24 Stunden am Tag dann die Kardashians im Fernsehen. Einfach das komplette Gegenteil. Was Lustiges, Fröhliches und trotzdem habe ich die halbe Zeit mit Maske im Sauerstoffzelt gelegen.

1LIVE: Im Film geht es viel um Verfolgung durch Fremde, Eingriff ins Privatleben. Sollte dir jetzt nicht komplett unbekannt sein in deinem Leben. Ist ein Leben als Star vielleicht auch manchmal wie ein Horror-Film?

Jennifer Lawrence: Ich liebe meinen Job. Ich liebe meine Fans, aber ich brauche auch einfach Grenzen. Niemand will, dass seine Privatsphäre verletzt wird. Ich mache meinen Job wirklich immer noch gerne, aber will nicht, dass so in Privatleben eingegriffen wird.

1LIVE: Dafür bist du jetzt im Film den Kameras so nah wie noch nie. Von den 2 Stunden Film, bist du 66 Minuten in Nahaufnahme zu sehen. War das nicht superanstrengend beim Dreh?

Jennifer Lawrence: Da musste ich mich echt dran gewöhnen. Wir haben das auch 3 Monate lang geprobt. Um zu wissen, wie wir uns bewegen. Wir hatten eine Art Choreographie und dann hatte ich wirklich die ganze Zeit dieses dicke, schwarze Kameraobjektiv vor mir. Da musste ich erstmal mit klarkommen.

1LIVE: Wenn du so einen Horror-Mystery-Film zu Hause oder im Kino guckst, bist du dann die Ruhige, die Coole oder drehst du auch durch?

Jennifer Lawrence: Ich bin selbst bei meinem eigenen Film durchgedreht. Ich wusste was passiert. Ich spiele da selbst mit, ich kenne jede Szene. Trotzdem habe ich mir immer wieder bei meinem Sitznachbarn festgekrallt und die Augen zugekniffen. Ich habe mich später im Hotel wirklich gefragt, was wir mit diesem Film angerichtet haben. Es ist echt hart anzugucken.

1LIVE: Eine deiner Aufgaben im Film ist es zu handwerken, ein Haus zu renovieren. Wie sieht's aus, hast du da echt was drauf?

Jennifer Lawrence: Ich habe tatsächlich einen Kurs bekommen, wie man Wände verputzt. Danach habe ich mir gedacht, das mache ich auf jeden Fall auch zu Hause. Ich mag das wirklich, hatte jetzt auch ein paar Tage frei und wollte so meinen eigenen Stil finden, weil die meiste Zeit lebe ich ja nur in Hotelzimmern.

1LIVE: Es gab große Aufmerksamkeit, als du vor einiger Zeit diesen offenen Brief geschrieben hast. Es ging um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, was die Bezahlung im Job angeht. Hast du das Gefühl, da hat sich mittlerweile in Hollywood was getan?

Jennifer Lawrence: Es geht nicht nur um Hollywood. Ich habe den Brief ja nicht geschrieben, weil ich finde zu wenig Millionen zu bekommen. Mir geht es um diese Ungerechtigkeit, es liegen in den USA weiter 21% Unterschied zwischen Männer- und Frauen-Lohn. Ich habe nur über Hollywood gesprochen, weil das mein Job ist. Es geht aber um das große Thema Gleichheit für Frauen.

1LIVE: Du bist in den letzten Jahren zu sowas wie einer Garantie für große Erfolge im Kino geworden. Die Filmfirmen verdienen Millionen mit dir. Wächst da nicht auch irgendwann ein großer Druck an?

Jennifer Lawrence: Der Druck ist sogar riesig. Wenn ich für irgendwas Leidenschaft habe, kann daraus dann wirklich was werden. Aber dann gibt es einen Punkt, wenn man sieht, wer alles noch in diesem Film mitspielt und ich mir denke, unterschreiben die jetzt alle wegen mir oder wegen der Story - was ist, wenn ich vielleicht auch falsch liege?

1LIVE: Du hast schon erzählt, dass der Dreh für dich extrem war. Dass dich das auch ziemlich umgehauen hat. Am Set gab es aber auch neue, extrem positive Emotionen. Du bist mit dem Regisseur Darren Aronofsky zusammen gekommen. Das ist doch ein totales emotionales Auf und Ab!?

Jennifer Lawrence: Weißt du, wir bringen gerade unseren Film raus und es gibt einfach keine Möglichkeit Schlagzeilen unter Kontrolle zu halten. Wir versuchen wirklich alles, um über den Film zu reden. Alles andere wäre einfach zu schade für alle anderen, die an diesem Film mitgearbeitet haben. Wenn das dann überlagert wird, von komischen Schlagzeilen, die warum auch immer interessieren, wäre das falsch. Deshalb muss ich einfach sagen: kein Kommentar. Sonst wäre das wieder das einzige Thema.

1LIVE: Und das ist natürlich total verständlich. Danke, Jennifer Lawrence.

Stand: 12.09.2017, 13:47