Tonnenweise giftiges Quecksilber durch Kohle

Braunkohlekraftwerk mit qualmenden Schloten

Neue Studie weist auf Gefahr hin

Tonnenweise giftiges Quecksilber durch Kohle

  • Neue Studie: Deutsche Kohlekraftwerke mit hohem Quecksilberausstoß
  • 2013 hätte nur Kraftwerk Datteln die US-Grenzwerte erfüllt
  • Grüne fordern strengere Richtlinien auch in Deutschland

Eine neue Studie des Hamburger Instituts Ökopol enthüllt Besorgniserregendes: Nur eines der 53 Kohlekraftwerke in Deutschland hält den US-Grenzwert zum Quecksilberausstoß ein. Die wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion lag dem WDR am Sonntag (03.01.2015) vor. Nur das - mittlerweile stillgelegte - alte Steinkohle-Kraftwerk Datteln im Kreis Recklinghausen erfüllte 2013 die US-Standards. Alle anderen Kohlekraftwerke - darunter sämtliche Braunkohle-Meiler - müssten sofort stillgelegt werden. Da in Deutschland höhere Grenzwerte für das schädliche Quecksilber gelten, laufen aber alle Meiler weiter.

Viel Gift aus dem Kraftwerk

Die Vereinigten Staaten besitzen bereits jetzt strengere Quecksilbergrenzwerte für Kohlekraftwerke als die Bundesrepublik. In Deutschland kommen erst ab 2019 Grenzwertsenkungen, die dann aber immer noch 2,5- bis 6,7-fach höher als in den USA sind. Der Ökopol-Studie zufolge ist Deutschland mit 10 Tonnen pro Jahr zusammen mit Griechenland und Polen der traurige Spitzenreiter bei der Quecksilberfreisetzung in Europa. Der größte Teil der bundesweiten Emissionen stammte 2013 mit 3,4 Tonnen aus 16 Braunkohlekraftwerken. 37 Steinkohlekraftwerke emittierten 1,6 Tonnen.

Grünen-Politiker: "Armutszeugnis"

Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte die wissenschaftliche Untersuchung bei dem Hamburger Umweltinstitut in Auftrag gegeben. Jetzt fordert die Ökopartei die Große Koalition im Bund zum Handeln auf. "Der Ausstoß von Quecksilber aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken ist für Mensch und Tier äußerst gesundheitsgefährdend", sagte der Vize-Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, dem WDR. Es sei "ein Armutszeugnis der Energiepolitik dieser Bundesregierung", dass 70 Prozent der Quecksilberemissionen in Deutschland aus Kohlekraftwerken stammten.

Appell an Bundesregierung

"Wendet man die US-Grenzwerte in Deutschland an, würde kein Braunkohlekraftwerk weiter am Netz bleiben dürfen", sagte der Grünen-Abgeordnete aus NRW. Die Bundesregierung dürfe die gesundheitlichen Folgen der massiven Quecksilberemissionen nicht länger zugunsten der Kohleverstromung ignorieren. Es sei "technisch möglich, den Quecksilberausstoß von Kohlekraftwerken zu reduzieren, das muss endlich passieren. Alles andere ist gesundheits- und umweltpolitisch grob fahrlässig".

Stand: 03.01.2016, 06:00