Prozess vor dem Landgericht Essen

Rollen eines Glücksspielautomats.

Geldspielgeräte manipuliert

Prozess vor dem Landgericht Essen

Von Ludger Vortmann

Sieben Männer aus Gelsenkirchen sollen Automaten einer bundesweiten Spielhallenkette geplündert haben. Dazu sollen sie die Software der Geräte manipuliert haben. Der entstandene Schaden wird von den Ermittlern mit 1,5 Millionen Euro angegeben.

Vor dem Landgericht Essen hat am Montag (17.08.2015) ein Prozess um manipulierte Geldspielgeräte begonnen. Der Fall hatte dieses Jahr im Januar für Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei hatte bei einer bundesweiten Razzia sieben Männer festgenommen. Sie stehen im Verdacht, Geldspielgeräte eines Herstellers so umprogrammiert zu haben, dass man mit einer bestimmten Tastenkombination die Geräte "leerspielen" konnte.

Computerbetrug und Missbrauch von Betriebsgeheimnissen

Programmierer mit Anwalt

Angeklagter berät sich mit seinem Anwalt

Die Staatsanwaltschaft Essen wirft den sieben Angeklagten vor, unter anderem das Wissen eines Geräteherstellers unbefugt verwertet zu haben, um die Geräte manipulieren zu können. Dabei soll ein Programmierer die Software so verändert haben, dass man durch das Drücken bestimmter Tasten die Auszahlung des Jackpots auslösen konnte. Die Tätergruppe setzte dabei so genannte "Läufer" ein. Sie besuchten die Spielsalons der Kette und spielten dann die Geräte leer. Dabei sollen sie laut Anklage einen Gesamtschaden von rund 1,5 Millionen Euro verursacht haben. Die Angeklagten sind zum Teil Familienmitglieder. Im Rahmen des Verfahrens soll auch geklärt werden, welche Rolle ein Geschäftsführer der geschädigten Firma spielte, die bundesweit tätig ist.

Tipp löst Ermittlungen aus

Den Festnahmen waren monatelange Ermittlungen vorausgegangen, bei denen die Polizei in Gelsenkirchen die Federführung hatte. Dabei sollen auch Telefonate abgehört worden sein. Schließlich durchsuchten die Fahnder im Januar 2015 zahlreiche Spielsalons der geschädigten Kette und stellten dort mehr als 100 der mannshohen Spielgeräte sicher. Auch 700 manipulierte Platinen, so genannte "Coolfire-Einheiten" wurden beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft konfiszierte zusätzlich weitere Beweismittel und einen Tresor mit 180.000 Euro in bar. Es hatte sich gezeigt, dass so genannte "Coolfire-Einheiten" manipuliert wurden. Das sind Platinen, auf denen die Spielsoftware gespeichert ist.

Insider: So arbeiten schwarze Schafe

Der in diesem Fall unbeteiligte 43-jährige Thomas (Alter und Name von der Redaktion geändert) hat über mehrere Jahre Erfahrungen in der Branche gesammelt. Er möchte daher nicht, dass sein Name veröffentlicht wird. Im exklusiven Interview mit dem WDR-Studio Essen schildert er seine Erfahrungen und Beobachtungen rund um die Manipulation von Geldspielgeräten.

 „Jeder Otto-Normal-Verbraucher kann so ein Geldspielgerät erwerben. Ganz legal. Diese kriminellen Gruppierungen tun das auch. Sie stellen sich so ein Gerät in den Keller. Dann besorgen sie sich einen Techniker, einen Studierten und stecken ihn tagelang in den Keller. Und er sieht dann zu, wie er eine Manipulation hinkriegt. Ist dieses geschehen, wird errechnet, wie viel sie draußen erwirtschaftet. Dann wird der Trick verkauft, sagen wir mal für 250.000 Euro an Person X.“

Aber auch der Verkauf des Tricks an mehrere Personen ist möglich, so Thomas: Diese Einzelpersonen zahlten dafür hohe Beträge und spielten dann die Automaten leer. Dann gäbe es aber auch noch welche, die im Auftrag betroffener Gerätehersteller solche Tricks ankaufen, um die Sicherheitslücken schnell wieder schließen zu können. Wie es bei dem konkreten Fall war, muss die 1. Strafkammer des Landgerichts Essen nun klären. Dazu werden Zeugen und Sachverständige gehört. Das Verfahren ist auf zwölf Verhandlungstage angelegt. Mit einem Urteil wird Ende September 2015 gerechnet.

Stand: 17.08.2015, 17:35