Haft- und Geldstrafen gegen Krankenhaus-Pfleger

Das Gebäude des Uniklinikums Aachen in der Totalen

Prozess um illegale Patientenfotos

Haft- und Geldstrafen gegen Krankenhaus-Pfleger

Von Helga Lennartz

Der Fall sorgte bundesweit für Empörung: In der Notaufnahme der Aachener Uniklinik wurden entwürdigende Fotos von Patienten gemacht. Heute sind fünf ehemalige Krankenpfleger vom Amtsgericht Aachen zu Haft- und Geldstrafen verurteilt worden. Drei Täter erhielten Bewährungsstrafen von sechs, sieben und acht Monaten und müssen jeweils zwischen 750 und 2.000 Euro zahlen. Zwei weitere Täter müssen 3.500 und 4.200 Euro an Geldstrafe zahlen.

In der Uniklinik Aachen wurden die vier Männer und die eine Frau als gute und zuverlässige Pflegekräfte geschätzt. Selbst in Stressituationen habe man sich auf sie verlassen können, nie habe es eine Klage gegeben, so der ärztliche Leiter der Notaufnahme im Prozess. So war seine Enttäuschung groß, als er im September 2014 ein anonymes Schreiben mit geschmacklosen Fotos erhielt. Darauf zu sehen waren offenbar verwirrte Patienten der Notaufnahme.

Betroffen waren acht, meist ältere Patienten - Männer und Frauen, die zwischen Herbst 2013 und Sommer 2014 in der Notaufnahme der Uniklinik Aachen lagen. Dement, narkotisiert oder angetrunken waren sie damals den geschmacklosen Scherzen der fünf Krankenpfleger ausgeliefert gewesen. Die Richterin fand strenge Worte: Die Täter hätten gegen ihre Fürsorgepflicht verstoßen und damit den Ruf der Uniklinik Aachen und der Kollegen beschädigt.

Bauch und Gesicht bemalt

Einige Patienten wurden unbekleidet fotografiert. Einem älteren Mann wurde auf den Bauch geschrieben, das Gesicht mit "Dracula-Zähnen" bemalt, dann legte sich eine Pflegerin zu ihm und machte ein Victory-Zeichen. Davon schoss dann ein Kollege ein Handyfoto.

In anderen Fällen entstanden Selfies mit wehrlosen Patienten, wobei die Pfleger lächerliche Grimassen in die Kamera schnitten. Eine verwirrte Patientin wurde sogar gefilmt.

WhatsApp macht jetzt anders Kohle

Patientenfotos über WhatsApp verbreitet

Der Film und einige der entwürdigenden Fotos landeten später in einem Gruppen-Chat auf WhatsApp, den einer der Angeklagten unter dem Namen "Quatsch-Gruppe" eingerichtet hatte. Das sei versehentlich passiert, so der Pfleger im Prozess. Eigentlich habe er nur Fotos von einer Fortbildung posten wollen. Das Gericht wertete das aber als reine Schutzbehauptung.

Drei Angeklage halten sich in einem Gerichtssaal Aktenordner vor die Gesichter. Daneben stehen der Strafverteidiger und weitere Personen in schwarzen Anzügen.

Haftstrafen auf Bewährung für drei der fünf Täter

Ein anderer Angeklagter verteidigte sich vor Gericht, er habe zwei der Aufnahmen mit Einverständnis der Patienten geschossen. Das glaubte die Richterin aber nicht. Alle Täter legten Geständnisse ab, zwei entschuldigten sich dafür. Die Fotos seien spontan entstanden. Eine konkrete Erinnerung an die Vorfälle und die betroffenen Patienten habe man aber nicht mehr.

Den Tätern droht Berufsverbot

Der Skandal war nach einem anonymen Hinweis an die Klinikleitung im Sommer 2014 aufgedeckt worden. Die Krankenpfleger wurden entlassen. Sie arbeiten mittlerweile für andere Kliniken oder Pflegeeinrichtungen. Nach dem Urteil müssen sie jetzt auch ein Berufsverbot fürchten.

Stand: 21.01.2016, 15:21

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