Geständnisse im Neonazi-Prozess

Haltestelle am Busbahnhof Wassenberg

Geständnisse im Neonazi-Prozess

Von Thomas Wenkert

Ende Januar 2015 überfällt eine Gruppe mutmaßlicher Neonazis äußerst brutal drei Asylbewerber am Bushof in Wassenberg. Am Freitag (19.02.2016) begann vor dem Amtsgericht Heinsberg der Prozess direkt mit den ersten Geständnissen.

Angeklagt sind fünf Jugendliche zwischen 17 und 19 Jahren sowie der Vater eines Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft stuft den Überfall auf die drei Asylbewerber als eine rechtsmotivierte Tat ein. Nach Informationen des Staatsschutzes sind die Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat Sympathisanten der rechten Szene in der Region gewesen. Schon im Vorfeld der brutalen Attacke war die Gruppe immer wieder wegen ausländerfeindlichen Übergriffen aufgefallen.

Angeklagte legen Geständnis ab

Drei der fünf Jugendlichen gaben direkt am ersten Prozesstag zu, dass sie zur rechten Szene gehörten. Gestanden haben sie auch, an mehreren Übergriffen gegen Asylbewerber in Wassenberg beteiligt gewesen zu sein. Dabei wurde ein Opfer durch Schläge und Tritte schwer am Kopf verletzt. Alle fünf Angeklagten kommen aus einkommensschwachen Familien, haben weder einen Schulabschluss noch eine Ausbildung. Mittlerweile nehmen Sie an einem Aussteigerprogramm für Neonazis teil.

Anklage geht von fremdenfeindlicher Tat aus

Springerstiefel

Mit Springerstiefeln ins Gesicht getreten

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten mehrere Taten vor: So soll die Gruppe bereits im Dezember 2014 einen Asylbewerber in der Wassenberger Innenstadt mit Fäusten geschlagen haben und ihm gedroht haben, ihn umzubringen. Im Januar 2015 sollen die Angeklagten dann mehrere Asylbewerber am Wassenberger Bushof aufgefordert haben, Deutschland zu verlassen. Mehrere Zeugen wollen dabei beobachtet haben, dass die Jugendlichen "Sieg Heil" gerufen und den Hitlergruß gezeigt haben. Einem der mutmaßlichen Täter wird vorgeworfen, eine Fahne mit dem Bildnis Hitlers ausgerollt zu haben.

Asylbewerber erleidet schwere Kopfverletzungen

Am 27. Januar eskalierte dann offenbar die Situation: der Vater einer der Angeklagten fährt die fünf jungen Männer im Alter zwischen 17 und 19 Jahren in seinem Wagen zum Wassenberger Bushof. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft wusste der Mann, was die Jugendlichen vorhaben. Mit Teleskopschlagstöcken und Quarzhandschuhen bewaffnet schlagen die Angeklagten auf drei Asylbewerber ein. Die Flüchtlinge lebten zu dieser Zeit in einer Unterkunft in Wassenberg. Als eines der Opfer auf dem Boden liegt, sollen mehrere Jugendliche mit Springerstiefeln in das Gesicht des damals 36 Jahre alten Mannes getreten haben. Der Flüchtling verlor zeitweise sein Bewusstsein. Er musste mit einer Schädelprellung ins Krankenhaus.

Wassenberg nach der Tat geschockt

Dieser Mann tritt auch als Nebenkläger in dem Prozess auf. In Wassenberg löste die Tat damals Entsetzen aus. Schon wenige Tage nach dem Überfall fand eine Mahnwache am Bushof statt. Daran nahmen mehrere hundert Menschen teil. Die Menschen wollten ein Zeichen gegen Ausländerhass setzen. Die Veranstaltung wurde von einigen wenigen Neo-Nazis gestört. Für den Prozess vor dem Amtsgericht Heinsberg sind acht Verhandlungstage angesetzt. Dutzende Zeugen sollen vernommen werden. Ein Urteil soll es dann im April geben.

Stand: 19.02.2016, 09:37