Prozess um Pille auf nächstes Jahr vertagt

Felicitas Rohrer zeigt eine Packung der Anti-Baby-Pille "Yasminelle" am 17.12. 2015 Landgericht in Waldshut-Tiengen

Streit um Antibabypille von Bayer

Prozess um Pille auf nächstes Jahr vertagt

  • Pharmakonzern Bayer am Donnerstag (17.12.2015) vor Gericht
  • Antibabypille soll Gesundheitsprobleme ausgelöst haben
  • Gericht geht von langer Verfahrensdauer aus

Im Prozess um eine mögliche Gesundheitsgefahr durch die Anti-Baby-Pille "Yasminelle" ist eine schnelle Entscheidung nicht in Sicht. Die Verhandlung werde im nächsten Jahr fortgesetzt, sagte der Vorsitzende Richter Johannes Daun im baden-württembergischen Waldshut-Tiengen am Donnerstag. Der Versuch, eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen, sei gescheitert. Nun will das Gericht mindestens zwei Sachverständige bestellen, aber auch erst nach dem Jahreswechsel. Sein Gericht betrete mit dem Verfahren Neuland, sagte Richter Daun.

Lungenembolie durch Bayer-Produkt?

Die Klägerin Felicitas Rohrer hatte die Verhütungspille "Yasminelle" des Herstellers Bayer mehrere Monate lang eingenommen - ein Hormonpräparat der neueren Generation. Doch 2009 landete die junge Frau dann plötzlich als Notfall mit einer schweren Lungenembolie in der Klinik - und überlebte nur knapp. Ihre Ärzte vermuten, dass die Antibabypille Ursache der Erkrankung war. Studien belegen, dass die Pillen der vierten Generation mit dem Wirkstoff Drospirenon im Vergleich zu den Pillen der ersten und zweiten Generation ein bis zu doppelt so hohes Thromboserisiko besitzen. Die Blutgerinnsel können zu Lungenembolien führen.

Konzern: Bei korrekter Einnahme gefahrlos

Der Pharmakonzern Bayer mit Sitz in Leverkusen hält die Ansprüche hingegen für unbegründet und werde sich gegen die Klage zur Wehr setzen, sagte ein Sprecher. Durch wissenschaftliche Daten sei bestätigt, dass von der Anti-Baby-Pille und dem Wirkstoff bei korrekter Einnahme keine Gefahr ausgehe. In den USA hatten mehrere tausend Frauen gegen Bayer geklagt. Der Konzern hatte daraufhin bereits 1,9 Milliarden Dollar Entschädigung gezahlt - außergerichtlich und ohne eine Schuld einzugestehen.

200.000 Euro Schadenersatz gefordert

Nun muss sich das Unternehmen vor dem Landgericht im baden-württembergischen Waldshut-Tiengen verantworten. Die 31-jährige Klägerin aus Willstätt in Baden-Württemberg fordere rund 200.000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld von Bayer, so Gerichtssprecher Johannes Daun. Der Vorwurf der Klägerin: Das Medikament sei unvertretbar gefährlich und auch die Gebrauchsinformationen hätten nicht ausreichend über das Risiko aufgeklärt.

Stand: 17.12.2015, 13:15