Politprominenz wirbt für "Johannes-Rau-Flughafen"

Gezerre um Düsseldorfer Flughafennamen

Politprominenz wirbt für "Johannes-Rau-Flughafen"

Von Christoph Ullrich

  • Streit um den Namenszusatz bedroht Absprachen zwischen Landesregierung, Düsseldorfs OB und Rau-Witwe
  • Prominente Politiker aus dem Lager der Gegner rufen zur Einigung auf
  • Ex-Innenminister Burkhard Hirsch wünscht sich Zustimmung der FDP
 Ein Flugzeug vor dem Terminal des Flughafens Düsseldorf International

Der Flughafen Düsseldorf soll "Johannes Rau" heißen

Es soll eine besondere Würdigung für den langjährigen Ministerpräsidenten werden: Geht es nach dem Willen der Landesregierung und dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel, hat der Flughafen in Düsseldorf bald den Zusatz Johannes Rau. Ganz im Stile anderer Großflughäfen, wie John F. Kennedy in New York, Franz-Josef Strauss in München oder Helmut Schmidt in Hamburg, soll nun auch in Düsseldorf eine ehemalige politische Größe zum Namensgeber werden. Bereits Mitte Dezember hatten Stadt und Land - nach Rücksprache mit Christina Rau, der Witwe - ihren Plan vorgestellt.

Johannes Rau

Ex-Ministerpräsident Rau

Zum zehnjährigen Todestag des SPD-Politikers (27.01.2006) melden sich jetzt ehemalige Politgrößen zu Wort, und sprechen sich für den Namenszusatz "Johannes Rau" aus: Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), Michal Vesper (Grüne), Raus Stellvertreter aus Zeiten der ersten Rot-Grünen Koalition in NRW und der ehemalige FDP-Landesinnenminister Burkhard Hirsch halten es für eine gute Idee den Flughafen nach dem Ministerpräsidenten zu benennen, der in NRW am längsten im Amt war.

Politischer Streit um den Namen

Von 1978 bis 1998 regierte Rau das Land NRW - für Michael Vesper steht Rau wie kaum jemand sonst für Nordrhein-Westfalen. Rau habe, so Vesper, das Land jahrzehntelang in einer entscheidenden Phase geprägt. Burkhard Hirsch spricht von einer großen Ehrung, da Rau für das Land NRW und die Bundesrepublik viel geleistet habe.

Burkhard Hirsch

Ex-NRW-Innenminister Burkhard Hirsch

Gerade die Unterstützung durch Hirsch könnte für den Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel noch wichtig werden. Um den Namenszusatz ist in Düsseldorf ein politischer Streit entstanden. Die Fraktionen der Ratsmehrheit von SPD, Grünen und FDP erfuhren von den Plänen des Namenszusatzes erst aus den Medien. Zwar hatte sich die Stadtspitze mit der Witwe und den Eignern darauf verständigt, dem Flughafen den Zusatz "Johannes Rau" zu geben, aber nicht mit den Parteien im Rat. So gab es selbst in Geisels SPD ein Murren, auch die Grünen waren nicht begeistert. Und die FDP entzog dem Plan gleich ganz - vor allem wegen der fehlenden persönlichen Information durch Geisel - die Zustimmung.

Ebenfalls winkte die CDU-Opposition ab - trotz des zwischenzeitlichen Angebotes, das ehemalige Mannesmann-Hochhaus am Rheinufer nach dem CDU-Politiker und Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zu benennen. Und somit steckt OB Geisel in der Klemme: Er hat für den Namen Johannes Rau keine Mehrheit.

Geisel steckt in der Klemme

Thomas Geisel

Düsseldorfs OB Thomas Geisel

Zwar muss Geisel den Rat nicht zwingend befragen, die Stadt kann als 50-prozentiger Anteilseigner mit den anderen Eigentümern die Umbenennung durchsetzen. Aus dem Düsseldorfer Rathaus heißt es allerdings, dass genau dieser Weg politisch nicht infrage kommt. Hatte Geisel doch in einer gemeinsamen Erklärung mit Ministerpräsidentin Kraft angekündigt, den Stadtrat einzubinden. Daran wolle man sich auch halten.

Und so bleibt Oberbürgermeister Geisel kaum etwas anderes übrig, als eine politische Mehrheit zu organisieren. Die prominenten Unterstützer Hirsch und Süssmuth könnten dabei hilfreich sein, vor allem CDU und FDP noch zu überzeugen. So nennt Unions-Frau Süssmuth den Streit um den Namen "beschämend" und erinnert daran, dass Rau "stets für den Zusammenhalt der Menschen und der Gesellschaft gearbeitet habe". Ganz so deutlich wird Burkhard Hirsch nicht. Er hofft einfach darauf, dass sich die Parteien mit der Zeit dann doch auf den neuen Namen verständigen werden. Das, so Hirsch, wäre eine "richtige Entscheidung im Sinne Raus". Und auch des SPD-Oberbürgermeisters - scheitert Thomas Geisel nämlich mit dem Namenszusatz wäre es eine schwere politische Niederlage für ihn.

Stand: 27.01.2016, 06:00

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