Kölns Polizeipräsident muss gehen

Reaktion auf Silvester-Übergriffe

Kölns Polizeipräsident muss gehen

  • Polizeipräsident Albers ist in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden
  • Innenminister Jäger will Aufklärung vorantreiben
  • Albers äußert Verständnis, wehrt sich aber gegen Kritik

Am späten Freitagnachmittag (08.01.2016) trat Innenminister Ralf Jäger vor die Presse. Er dankte Albers "für seine langjährige, engagierte Tätigkeit für die NRW-Polizei. Meine Entscheidung ist jetzt notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen - auch mit Blick auf die anstehenden Großveranstaltungen." Albers habe für die Entscheidung des Ministers großes Verständnis aufgebracht. "Das verdient Respekt. Die Kölner Polizei hat die wichtige Aufgabe, die Vorfälle in der Silvesternacht vollständig aufzuarbeiten und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Die Menschen wollen zu Recht wissen, was in dieser Silvesternacht passiert ist, wer die Täter sind und wie solche Vorfälle zukünftig verhindert werden können."

Die Kölner Polizei werde, so der Minister, ihre Ermittlungsarbeit ungeachtet der heutigen Entscheidung mit voller Intensität fortführen. Detailfragen wollte der Innenminister nicht zulassen, diese sollten am kommenden Montag im Innenausschuss des Landtages in öffentlicher Sitzung erörtert werden. Nach WDR-Informationen hat für die Entscheidung des Innenministers auch eine Rolle gespielt, dass der Polizeibericht des Ex-Polizeipräsidenten an das Innenministerium lückenhaft gewesen ist.

Seit Tagen in der Kritik

Albers bekundete in einer persönlichen Erklärung Verständnis für die Entscheidung Jägers: "Es geht darum, verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen." Er stand seit Tagen in der Kritik, weil die Polizei die Situation am Kölner Bahnhof an Silvester nicht im Griff gehabt haben soll. Dort soll es Dutzende von Diebstählen und mehrere sexuelle Übergriffe gegeben haben, die aus einer großen Menge heraus begangen wurden. Unter Tatverdacht stehen vor allem junge Männer mit Mitgrationshintergrund, möglicherweise auch Flüchtlinge. Welcher Herkunft sie waren, wurde lange nicht bekannt gegeben - auch deswegen wurde Albers scharf kritisiert.

Persönliche Erklärung von Wolfgang Albers

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers wurde nach den Vorfällen am Kölner Bahnhof in der Silvesternacht von NRW-Innenminister Ralf Jäger am Freitag (08.01.2016) in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Albers veröffentlichte dazu eine persönliche Erklärung: "Als Kölner Polizeipräsident habe ich meine Arbeit immer als Dienst für die Polizei Köln und für die Menschen in Köln gesehen. Und dazu gehört es auch, in schwierigen Zeiten Verantwortung zu übernehmen. Vor allem, wenn es der Polizei Köln nicht gelungen ist, die von den Bürgern in sie gesteckten Erwartungen zu erfüllen. Wenn bei Einsätzen Menschen verletzt oder nicht ausreichend geschützt werden konnten. Wie Sie alle wissen, ist dies in der vergangenen Silvesternacht der Fall gewesen. Dieser Sachverhalt muss jetzt detailliert aufgearbeitet werden. Die öffentliche Debatte rund um meine Person ist dazu angetan, diese wichtige Arbeit zu erschweren und zu verzögern. Deshalb verstehe ich die heutige Entscheidung von NRW Innenminister Ralf Jäger. Es geht darum, verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen. Ich akzeptiere es, dass in der aktuellen Diskussion die Polizeiführung und damit auch zuallererst meine Person ins Zentrum der Kritik geraten sind. Aber die Polizistinnen und Polizisten, die in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof im Dienst waren, haben diese Kritik nicht verdient. Sie haben bewiesen, dass die Kölner Polizei getragen wird vom umfassenden Engagement eines jeden Einzelnen. Den Polizistinnen und Polizisten in Köln möchte ich deswegen meinen tiefempfundenen Respekt für ihre geleistete Arbeit aussprechen."

Wolfgang Albers, Kölner Polizeipräsident

In den einstweiligen Ruhestand versetzt: Wolfgang Albers

Scharfe Kritik von Kölns OB

Zu den Kritikern Albers' zählte auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. In einem Statement, das von der Stadt Köln veröffentlicht wurde, übte die Oberbürgermeisterin scharfe Kritik an der Informationspolitik der Kölner Polizei: "Internen Berichte und Schilderungen aus Polizeikreisen, die gestern Abend und heute in der Medienberichterstattung wiedergegeben werden, lassen für mich den Schluss zu, dass die Polizei intern bereits seit Tagen über ein wesentlich differenzierteres Bild zur Lage am Silvesterabend und zur Herkunft von möglichen Tatverdächtigen verfügt, als mir dieses auf meine Nachfragen durch die Kölner Polizeiführung bislang vermittelt worden ist."

Polizeipräsident: Habe nichts vertuscht

Der Kölner Polizeipräsident Albers hatte sich schon vor Bekanntwerden des Statements am Freitag (08.01.2016) gegen Vorwürfe gewehrt, er habe nach den Übergriffe die Herkunft von Verdächtigen verschwiegen. Er habe mehrfach betont, dass es Personenkontrollen gegeben habe und sich viele der Betroffenen mit Dokumenten ausgewiesen hätten, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ausgestellt waren. Gleichzeitig habe er immer darauf hingewiesen, dass die kontrollierten Männer nicht zwangsläufig auch Täter seien. Albers: "Mir vorzuwerfen, das ich die Herkunft von Tatverdächtigen verschleiert hätte, ist daher vollkommen abstrus."

Stand: 09.01.2016, 15:02