Für Pilger extra spartanisch

Nahaufnahme eines Schildes mit verschiedenen Icons

Neue Herberge in Remscheid

Für Pilger extra spartanisch

Von Maximilian Doeckel

Normalerweise meckert man, wenn das Hotel zu schlecht ist. Doch nicht, wenn man ein Pilger ist. Dann kann es gar nicht spartanisch genug sein. In Lennep hat deswegen jetzt eine Pilgerherberge eröffnet, die Komfort komplett vernachlässigt.

Sie war nicht die Erste, aber letztendlich brachte sie den Stein ins Rollen: Irgendwann im Januar kommt eine Pilgerin auf dem Jakobsweg nach Lennep und sucht eine Schlafmöglichkeit. Von den Hotels im Ort will sie nichts wissen - obwohl die sogar Sonderrabatte für Pilger geben. Zu komfortabel. Als Pilgerin braucht und will sie das nicht - nur einen einfachen Platz zum Schlafen. Im Lennep-Laden, in dem die Pilgerpässe gestempelt werden, überlegt man. Die Lösung: Die Frau übernachtet auf der Kirchenbank, zieht danach weiter.

Einfach zu komfortabel

"Kein Einzelfall", sagt der Verein Lennep Offensiv, der die Pilgerstation betreibt. Immer wieder seien in der Vergangenheit Pilger durch die Stadt gekommen, die die Hotels abgelehnt hätten - weil es beim Pilgern eben auch um Entbehrungen und ein möglichst einfaches Leben gehe. Und da die Nachfrage bekanntlich das Angebot regelt, bekommen die Pilger nun genau das, was sie wollen.

Eine spartanische Alternative

Dachgeschoss-Zimmer mit zwei Betten

Eng, aber sauber: Der Schlafraum in der neuen Herberge.

Zwei Häuser neben dem Lennep-Laden hat die neue Pilgerherberge mitten in der Altstadt eröffnet. Sechs Betten in einer engen Dachkammer; ohne Bettwäsche, nur Matratzen; ein Platz für Isomatten für die Pilger, denen selbst das Bett noch zu viel Komfort ist. Frühstück gibt es nicht. Dafür ist die Übernachtung in der Herberge kostenlos. Nur ein kleines Sparschwein für Spenden will der Verein Lennep Offensiv aufstellen.

Ein weiter Weg

Grau-brauner Gut auf gelben und blauen Servierten mit Muschel

Weist den Jakobspilger aus: Die Jakobsmuschel

Den Schlüssel zur Herberge gibt es im Lennep-Laden - dafür muss man sich als Pilger ausweisen. Durch den Pilgerpass oder die Muschel am Hut, die das Symbol des Jakobswegs ist. Und der führt nicht nur durch Spanien, sondern auch quer durch das Bergische Land - von Wuppertal Beyenburg durch die Lenneper Altstadt und weiter bis Santiago de Compostela. Von Lennep aus sind es allerdings noch fast 2000 Kilometer.

Pilgern im Bergischen

Straßenlaterne mit Pilgerweg-Aufkleber an einer Straße

Der Jakobsweg führt mitten durch die Lenneper Innenstadt

Doch es muss ja auch nicht direkt die ganze Strecke sein. Den Jakobsweg kann man auch in Etappen gehen. Oder man nimmt sich erst mal ein Ziel vor, das deutlich näher liegt. Den Altenberger Dom zum Beispiel. Und wer es mit dem Komfort nicht ganz so eng sieht, der bekommt in so manchem Hotel entlang des Wegrandes sogar Pilgerrabatt.

Stand: 10.02.2016, 06:00

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