Duisburg und der letzte Kampf um "Pegida"

Aufmarsch vor dem Duisburger Hauptbahnhof

Rechte Montags-Demos in NRW

Duisburg und der letzte Kampf um "Pegida"

Von Martin Teigeler

  • Laut Polizei rund 300 "Pegida"-Anhänger am Montagabend in Duisburg
  • Rechtsaußen-Marschierer in Düsseldorf geben angeblich vorerst auf
  • Duisburg wird zum Symbol für Anhänger und Gegner von "Pegida"

Bei der "Pegida"-Kundgebung am Montagabend (14.12.2015) in Duisburg konnten Zuhörer tatsächlich einen ganz kurzen Moment der Wahrheit erleben: Einer der Redner räumte verklausuliert ein, dass für die selbsternannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" der Westen der Bundesrepublik kein leichtes Pflaster ist. Man müsse die politischen Hoffnungen wohl auf "Mitteldeutschland" richten. Dort seien die Menschen noch nicht so "satt", behauptete der Redner und klang frustriert. Die wohl ungewollte Kapitulationserklärung, in NRW im Grunde gescheitert zu sein, wurde aber sofort wieder übertönt von deutschnationalem Kampfgeschrei gegen "Volksverräter", "Antifa" und "Lügenpresse".

Marschieren trotz Scheitern

Aufmarsch vor dem Duisburger Hauptbahnhof

"Pegida"-Aufmarsch vor dem Duisburger Hauptbahnhof

Egal ob Aachen, Köln, Bonn, Bielefeld oder Düsseldorf - in Nordrhein-Westfalen schaffen es die völkischen Montagsmarschierer einfach nicht, größere Menschenmengen anzulocken. Auch an diesem Montagabend vor dem Duisburger Hauptbahnhof waren es nach Polizeiangaben wieder nur 300 "Pegida"-Demonstrationsteilnehmer. Dennoch will das Bündnis aus braunen Hooligans, rechtsextremen Parteifunktionären und Neonazis weitermachen in Duisburg. Die Nazigegner lassen ebenfalls nicht locker. Am Montag waren es laut Polizei zwar nur etwa 120 Gegendemonstranten. In der vergangenen Woche hatte es allerdings eine landesweite Mobilisierung von zahlreichen Antifa-Gruppen nach Duisburg gegeben. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und linken Demonstranten. Beide Seiten warfen sich gegenseitig gewalttätige Übergriffe vor. An gestrigen Montagabend gab es nach vorläufigen Polizeiangaben keine körperlichen Auseinandersetzungen.

"Kleines Dresden mitten im Ruhrgebiet"?

Längst ist Duisburg zum Symbol geworden: Bleibt "Pegida" ein dauerhaftes, wenn auch - im Vergleich zu Ostdeutschland - minimales Phänomen in NRW? "Das kleine Dresden mitten im Ruhrgebiet", hieß es unlängst im "Störungsmelder"-Blog von ZEIT Online über "Pegida" in Duisburg. Einige Vertreter der Lokalpresse scheinen nur noch genervt zu sein von allen Demonstranten, die montags im Duisburger Bahnhofsviertel für Polizeiabsperrungen und gespenstisch leere Straßen sorgen. Ein Kommentator der WAZ warf den linken Gegendemonstranten Anfang Dezember sogar vor, "ein Wettrüsten" in Gang zu setzen, das "Pegida" nur noch mehr motiviere.

Einfach ignorieren?

Aufmarsch vor dem Duisburger Hauptbahnhof

Laut Polizei kamen rund 300 "Pegida"-Anhänger

Für Journalisten stellen sich ähnliche Fragen wie für alle anderen Staatsbürger: Soll man den mickrigen "Pegida"-Trupp in NRW einfach ignorieren? Sollten Medien und Demokraten wegschauen, wenn sich ein Bahnhofsviertel an einem Montagabend im Ausnahmezustand befindet, wenn Ladenbesitzer verängstigt in ihren weitgehend leeren Geschäften sitzen und Anwohner zur Sicherheit lieber in ihren Häusern bleiben? Soll es uns egal sein, wenn aggressive Neonazis am Duisburger Hauptbahnhof dunkelhäutige Menschen hasserfüllt anpöbeln (wie am Montagabend geschehen)? Und noch eine Frage stellt sich: Warum beißt sich "Pegida" eigentlich ausgerechnet in Duisburg fest? Ein profaner Erklärungsversuch: Die Stadt ist verkehrstechnisch gut zu erreichen für die rechten "Pegida"-Touristen aus Dortmund bis Aachen.

Fortsetzung am 4. Januar 2016

Wie geht es weiter bei "Pegida" in Nordrhein-Westfalen? In Düsseldorf haben die "Dügida"-Marschierer vorerst aufgegeben. Zuletzt waren nur etwa zwei Dutzend rechte Aktivisten in der Landeshauptstadt auf die Straße gegangen. Die frühere Pro-NRW-Funktionärin und "Dügida"-Organisatorin Melanie Dittmer rief vor wenigen Tagen via Facebook dazu auf, künftig in Duisburg mitzulaufen. Ob der Demo-Verzicht in Düsseldorf von Dauer ist, bleibt abzuwarten.

Extremismusforscher bewerten die Montagsdemonstranten in NRW seit Monaten als marginalisiertes Häuflein am rechten Rand - ohne Ausstrahlungskraft in die bürgerliche Mitte. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) ließ erklären, dass die Demos von Rechtsextremisten gesteuert würden. Einiges spricht dafür, dass sich das Rechtsaußen-Bündnis 2016 in NRW ganz auf Duisburg konzentriert. Für den 4. Januar wurde vor dem Duisburger Hauptbahnhof der nächste Aufmarsch angekündigt.

Stand: 15.12.2015, 06:00

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