NRW zeigt sich solidarisch

Elisabeth Schnieders

Gedenken an Pariser Anschlagsopfer

NRW zeigt sich solidarisch

Von Christian Wolf

Die Terroranschläge von Paris sorgen auch in Nordrhein-Westfalen für Fassungslosigkeit. In Kondolenzbüchern können die Menschen ihre Gefühle aufschreiben. Zudem gibt es Trauermärsche und Solidaritätskundgebungen.

In vielen Städten von Nordrhein-Westfalen wird nach den Terroranschlägen von Paris an die Opfer gedacht. Im Bonner Münster wurden am Sonntag (15.11.2015) um 12 Uhr die Glocken als Zeichen der Trauer geläutet. In Köln wurden bei einer Gedenkfeier zum Volkstrauertag in der Kirchenruine Alt St. Alban auch an die Toten von Paris erinnert und damit ein Zeichen der Anteilnahme ausgesandt. Zudem wurde im Rathaus ein Kondolenzbuch ausgelegt, in das sich Bürger eintragen können. Es liegt direkt neben dem Kondolenzbuch für den kürzlich gestorbenen Altkanzler Helmut Schmidt.

Die Veranstaltung in Köln war eigentlich anlässlich des Volkstrauertages geplant. Nach den Anschlägen von Paris lag der Fokus auch auf den Folgen des Terrors. Kölns Erste Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD) versicherte in ihrer Ansprache vor etwa 200 Menschen, dass die Stadt zusammen mit Frankreich trauere. Unter den Gästen war auch Elisabeth Schnieders. Die gebürtige Französin lebt seit 30 Jahren in der Domstadt und hatte eine französische Fahne mitgebracht. Irgendein Zeichen müsse man doch setzen - und zeigen, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Der Schock sitze noch tief. "Nach 'Charlie Hebdo' dachten wir, dass wir nun Ruhe haben", sagte die Französin. Sie habe eine Nichte und einen Neffen in Paris - in der Stadt, die von der blutigen Anschlagsserie überzogen wurde. Den beiden gehe es gut. Aber Schnieders wolle die Fahne ihres Heimatlandes hochhalten. Im Beisein des französischen Honorarkonsuls Jacques Laborde gab es auch eine Schweigeminute mit stillen Gebeten.

Mahnwachen in Köln und Düsseldorf

viele Menschen treffen sich in der Altstadt in Düsseldorf für einen Trauermarsch

Auf dem Burgplatz in Düsseldorf versammelten sich am Sonntag zahlreiche Menschen

Am Nachmittag gab es zudem eine Mahnwache in Köln. Vor dem Dom versammelten sich einige hundert Menschen im stillen Gedenken an die Opfer. Danach zogen die Teilnehmer in einem Trauermarsch durch die Innenstadt zum Rudolfplatz. Dort sangen sie die Marseillaise, die französische Nationalhymne. Aufgerufen dazu hatte ein in Köln lebender Franzose über Facebook. Schon nach den Attentaten auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo im Januar hatte er einen Schweigemarsch initiiert. Und auch in Düsseldorf gab es am Sonntag eine Kundgebung. Auf dem Burgplatz kamen ein paar hundert Menschen zusammen und bildeten ein überdimensionales Peace-Zeichen, wie es nach den Attentaten überall im Internet verbreitet wird. Auch französische Fahnen wurden geschwenkt. Ab Montag wird im Foyer des Düsseldorfer Rathauses ein Kondolenzbuch ausliegen. Für den Abend ist dann auch in Essen auf dem Hirschlandplatz eine Aktion geplant.

Flüchtlinge initiierten Aktion in Arnsberg

In Arnsberg gab es bereits am Samstagnachmittag eine spontane Solidaritätskundgebung. Flüchtlinge der dortigen Unterkunft hätten am Morgen die Idee für den Trauermarsch gehabt, berichtete ein ehrenamtlicher Helfer dem WDR. Über Facebook sei die Aktion dann verbreitet worden. Auf Plakaten standen Botschaften wie "Wir sind Moslems und keine Terroristen". Nach Angaben des Helfers beteiligten sich etwa 150 Flüchtlinge und Bewohner aus Arnsberg an dem einige hundert Meter langen Schweigemarsch zu einer katholischen Kirche. Dort hielten sowohl ein Pfarrer als auch ein muslimischer Flüchtling kurze Ansprachen. In der Gelsenkirchener Arena hielt der ehemalige Fußballspieler Gerald Asamoah vor seinem lange geplanten Abschiedsspiel eine französische Flagge im Stadion.

Rheinischer Präses ruft zum Gebet auf

Der rheinische Präses Manfred Rekowski zeigte sich erschüttert über die Anschläge. "Mit unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei den betroffenen Angehörigen und Freunden sowie bei unserer Partnerkirche Eglise Protestante Unie de France", schrieb er am Samstag in einem Schreiben an die 730 Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland. Er rief die Kirchengemeinden auf, in den Gottesdiensten am Sonntag und in Gebeten das Leid, die Betroffenheit und die Sorge über die Anschläge vor Gott zu bringen.

Eine Frau stellt am 14.11.2015 eine Kerze vor dem französischen Generalkonsulat in Düsseldorf auf.

Trauerkerzen und Blumen vor dem Generalkonsulat in Düsseldorf

Auf der Internetseite des Französischen Generalkonsulats in Düsseldorf wurde eine Rufnummer für Angehörige der Opfer veröffentlicht. Familien und Verwandte können unter 0800 40605 Informationen erhalten. Vor dem Konsulat legten Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Dazwischen ein Zettel mit der Aufschrift: "Pray for Paris" ("Bete für Paris"). Auch vor dem Institut Français in Köln wurde um die Terroropfer getrauert.

Stand: 15.11.2015, 14:46