Die Geschichte des WDR Funkhausorchesters - Teil 2

Auferstanden aus Ruinen

Die Geschichte des WDR Funkhausorchesters - Teil 2

Dass der Kölner Dom von den Bomben verschont blieb, war für viele Kölner ein Wunder und das Zeichen dafür, dass es nach dem Krieg nur besser werden konnte. Wer allerdings in jenen Tagen in Köln unterwegs war, konnte die Stadt kaum wieder erkennen, denn 45 Prozent der Gebäude waren zerstört.

Die Hohenzollernbrücke genauso wie die unmittelbare Umgebung des Doms. Auch die Dagobertstrasse als Sendezentrum des Reichssenders hat den Krieg nicht im besten Zustand überstanden. Aber in Köln findet man für alles eine Lösung. Et hätt noch immer jot jejange. Notdürftig wird hier geschraubt, da repariert und gegen Ende 1946 sendet der Sender wieder.

Großer Sendesaal in der Dagobertstraße

Bei der musikalischen Unterhaltung ist Improvisation angesagt, denn die Musiker der Vorkriegszeit waren in alle Windrichtungen verstreut. Und Musiker, die 1946 Geld verdienen wollten, spielten nicht im Funk, sondern in den Clubs der Besatzungsmächte. Die Gage: „Lucky Strike“ oder „Camel“ als Zigarettenwährung. Eine Zigarette = 10 Reichsmark (umgerechnet wären das heute an die 36 Euro). 

Zum Wortprogramm des Kölner Senders gab es dennoch auch bald wieder Musik. Und die sogar LIVE! Die Tanzkapelle Otto Gerdes bereicherte den WDR-Hörfunk, 15 Musiker wurden tageweise engagiert, teilweise lieh man sich vom Kölner Gürzenich-Orchester die Streicher aus, so dass die Kapelle auf 34 Musiker wuchs. Otto Gerdes war der Dirigent, seine Tanzkapelle formierte unter dem Namen „Kölner Rundfunk-Tanzorchester“. Im Herbst 1947 löste sich diese Formation wieder auf. Gerdes ging zum heutigen Südwestfunk und später zur Deutschen Grammophon. 

Hans Bund Orchester

Doch Musik war für das Programm des Kölner Hörfunks unverzichtbar. Und man wollte auch an den Glanz der Vorkriegszeit anknüpfen. Daher berief man nicht nur einen, sondern gleich zwei Musiker für den Aufbau neuer Kapellen an die Dagobertstrasse. Zwei Männer, die gegensätzlicher nicht sein konnten: Hans Bund und Hermann Hagestedt.

Hans Bund bot mit seinem Ensemble absolut heitere Kost - 35 festangestellte Musiker sorgten dafür, dass die Zuhörer den Alltag vergaßen. Aber das reichte nicht aus. Unterhaltung und Bildung waren schon damals Aufgaben der Rundfunksender. Darum sollte neben der Tanzmusik auch klassische sinfonische Musik im Rundfunk zu hören sein. Das Unterhaltungsorchester wurde aufgelöst zugunsten des Bildungsauftrags. Hans Bund ging und Hermann Hagestedt kam ... er sollte für die musikalischen Belange des Senders zuständig sein und bekam aus dem Orchester den Grundstock für das Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester. Es bleibt spannend!

Hermann Hagestedt
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