Die Geschichte des WDR Funkhausorchesters - Teil 3

Hermann Hagestedt

Die Geschichte des WDR Funkhausorchesters - Teil 3

01. September 1947. Das WDR Funkhausorchester wird gegründet. Der erste Dirigent heißt Hermann Hagestedt. Proben finden auch im Gemeindehaus von St. Agnes statt.

Hermann Hagestedt war kein Unbekannter in Köln. Der Absolvent der Kölner Musikhochschule gründete ein eigenes Quartett und wirkte als Konzertmeister im Kölner Philharmonischen Orchester.  Hagestedt vertrat den Dirigenten Leo Eysold häufig bei öffentlichen Veranstaltungen und wurde so tageweise für das Westdeutsche Kölner Kammerorchester engagiert.

Bald bekam er den Auftrag ein Orchester zusammenzustellen. Rasch wurde Hermann Hagestedt fündig. Allerdings arbeitete er zunächst auf freiberuflicher Basis und bezahlte sein Hermann-Hagestedt-Orchester von 18 Musikern deshalb selbst. Was bedeutete, dass jeder Musiker einen gesonderten Vertrag für den jeweiligen Auftrag abgeschlossen bekam. Und so schickte man reichlich Papier mit vielen Unterschriften  hin- und her, sein Orchester erlangte Popularität und der Papieraufwand war kaum zu bändigen…

Hermann Hagestedt wurde schließlich gefragt, ob er nicht permanent für den WDR arbeiten möchte und so wurden am 01. September 1947 Festanstellungsverträge für die inzwischen 26 Musiker unterzeichnet. Die Geburtsstunde des „WDR Rundfunkorchesters Köln“ war gekommen.

Um richtig durchstarten zu können, musste jedoch ein großes Hindernis bewältigt werden: Es mangelte im Jahre 1947 an Proberäumen. Der einstige Sendesaal in der Dagobertstrasse war zerstört. Man suchte Behelfs-Aufnahmestudios. Und diese fand man an recht ungewöhnlichen Orten, wie beispielsweise den Gemeindesaal von St. Agnes in der nördlichen Neustadt oder den Saal des „Niehler Ballhauses“, einer Gaststätte am nördlichen Stadtrand.

Die Technik der Stunde Null war gerade mal so funktionsfähig. Dennoch konnte man teilweise während einer Sendung Spatzen tschilpen oder Regenwasser auf das Dach des Ballhauses prasseln hören. Vom heutigen tontechnischen Standpunkt aus eine Katastrophe, aber so mancher damaligen Aufnahme verlieh diese „Atmo“ einen besonderen Charme.

Großer Sendesaal

Außergewöhnliche Arbeits-Bedingungen hatten auch die Musiker. Sie spielten in Räumen deren Bandbreite der Temperatur von Eiskeller bis Sauna reichte. Vor allem montags konnte es passieren, dass die Musiker mit klammen Fingern die Instrumente bedienten, weil der Wirt die vom Sender gelieferte Kohle bereits am Wochenende fürs Tanzvergnügen verfeuert hatte. Ab 1950 nutzten die Musiker mit besseren Arbeitsbedingungen bereits den Großen Sendesaal am Wallraffplatz, der jedoch offiziell erst am 21. Juni 1952 eingeweiht wurde.

Franz Marszalek

Nicht unerwähnt bleiben soll aus dieser Zeit Hermann Hagestedts Kollege Franz Marszalek. Er unterstützte ihn seit 1949 besonders in der leichten Muse und besaß den Ruf  „der Operette den Staub aus den Noten zu pusten“. Der gebürtige Breslauer wurde vom WDR-Intendanten Hanns Hartmann vom RIAS Berlin abgeworben. Besonders beliebt waren Marszaleks Operetten-Konzerte. Er produzierte für den WDR an die 70 Operetten. Der „Radio-Operettenkönig“ ging 1965 in Pension. Hagestedt legte 1968 den Taktstock nieder. 21 Jahre verbrachte er im Dienst des WDR und das von ihm geleitete Ensemble erfreute sich großer Beliebtheit. Hans Hagestedt verstarb 1969. Sein Nachfolger wurde Curt Cremer. Eine neue Ära beginnt…

Curt Cremer

Stand: 10.08.2017, 14:08

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