Schwer verletzte Kandidatin Reker gewinnt OB-Wahl

Wahlentscheidung in Köln

Schwer verletzte Kandidatin Reker gewinnt OB-Wahl

  • Henriette Reker gewinnt absolute Mehrheit bei Kölner OB-Wahl
  • Erstmals wird eine Frau an der Stadtspitze in Köln stehen
  • Urnengang wurde von Messer-Attentat auf Reker überschattet

Die bei einer Messer-Attacke schwer verletzte Henriette Reker hat die Oberbürgermeister-Wahl in Köln gewonnen. Die parteilose Politikerin, die unter anderem von CDU, FDP und Grünen unterstützt wird, gewann am Sonntagabend (18.10.2015) deutlich vor dem SPD-Bewerber Jochen Ott. Reker bekam 52,7 Prozent der Stimmen. Ott kam auf knapp 32,0 Prozent. Mark Benecke (DIE PARTEI) erreichte mit 7,2 Prozent den dritten Rang. Da Reker bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit holte, ist kein zweiter Wahlgang mehr nötig. Damit wird erstmals eine Frau im Kölner Rathaus regieren. Die Wahlbeteiligung betrug laut Stadt Köln 40,28 Prozent. Bei der letzten OB-Wahl 2009 hatten noch 49 Prozent der Kölner ihr Kreuz gemacht.

 Archivbild:  Henriette Reker

Henriette Reker wird neue Oberbürgermeisterin von Köln (Archivbild)

SPD-Kontrahent Jochen Ott beglückwünschte Reker zum Sieg: "Ich gratuliere ihr ganz herzlich und reiche ihr die Hand zur Zusammenarbeit." Zahlreiche Politiker gratulierten Reker ebenfalls zur Wahl. "Eine couragierte und mutige Frau hat gewonnen und noch dazu eine Parteilose, das hat Strahlkraft und Auswirkungen für das Land", sagte der NRW-Vorsitzende der Grünen, Sven Lehmann. "Ich glaube, dass sie aus Überzeugung gewählt wurde, nicht aus Mitleid."  FDP-Parteichef Christian Lindner betonte, Reker werde OB, weil sie "glaubhaft einen Neuanfang für Köln verkörpert, der alte Seilschaften überwindet." Die CDU hoffe nun auf einen schnellen Politikwechsel, sagte der Bundesvize und NRW-Parteichef Armin Laschet.

Messer-Attacke einen Tag vor der OB-Wahl

Oberbürgermeister-Kandidat Jochen Ott (SPD) schaut sich bei der Eröffnung des Wahlabends am 18.10.2015 im Rathaus in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf die Leinwand, auf der gleich Teilergebnisse der Wahl dargestellt werden sollen

Wahl verloren: OB-Kandidat Jochen Ott (SPD) am Wahlabend im Kölner Rathaus

Ein Messerangriff auf die 58-jährige Kölner Sozialdezernentin Reker überschattete die Oberbürgermeisterwahl. Reker war am Samstagmorgen (17.10.2015) beim Wahlkampf auf einem Kölner Wochenmarkt mit Messerstichen schwer verletzt worden, ein Stich traf sie im Halsbereich. Auch vier weitere Menschen wurden verletzt, der Angreifer wurde noch am Tatort festgenommen. Die Parteien beendeten am Samstag vorzeitig den Wahlkampf um die Nachfolge des 66-jährigen scheidenden Amtsinhabers Jürgen Roters (SPD).

Gegen den 44-jährigen Angreifer wurde am Sonntag Haftbefehl erlassen. Ihm droht eine Anklage wegen versuchten Mordes. Der Mann habe ausgesagt, in den 1990er Jahren in der rechten Szene aktiv gewesen zu sein, Details habe er aber nicht genannt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Köln mit. Wann Reker ihr neues Amt antreten kann, ist noch völlig unklar. Seit der Tat vom Samstag liegt Reker schwer verletzt auf der Intensivstation des Kölner Uniklinikums. Sie konnte nicht an der Oberbürgermeisterwahl teilnehmen.

Die behandelnden Ärzte teilten unterdessen mit, dass sich Rekers Gesundheitszustand positiv entwickele. Die Uniklinik Köln betonte aber auch: "Der Heilungsverlauf nimmt bei einer Verletzung dieser Art üblicherweise eine gewisse Zeit in Anspruch." Reker wurde in ein künstliches Koma versetzt.

Verlegung wegen Stimmzettel-Panne

Weitere Kandidaten bei der Oberbürgermeister-Wahl waren Hendrik Rottmann (AfD), Sabine Neumeyer und Marcel Hövelmann (beide Einzelbewerber) sowie Kevin Krieger (Republikaner). In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des WDR hatte Reker vor sechs Wochen bei 51 Prozent gelegen. Der Kölner SPD-Chef und Landtagsabgeordnete Ott kam damals laut der repräsentativen Erhebung auf 36 Prozent.

Eigentlich sollte schon Mitte September in der viertgrößten deutschen Stadt gewählt werden. Die Bezirksregierung Köln hatte aber die Stimmzettel beanstandet, weil bei der ersten Auflage des Zettels die Namen der Parteien zu groß gedruckt worden waren. Der Wahlgang musste deshalb um fünf Wochen verschoben werden.

Stand: 19.10.2015, 11:29