Ungereimtheiten um bewaffnete Männer

Polizisten untersuchen die Trümmer der Bombenexplosion (Archivbild vom 09.06.2004)

NSU-Anschlag in Kölner Keupstraße

Ungereimtheiten um bewaffnete Männer

Von Oliver Köhler

Zeuge Ali Demir ist sich sicher: Die beiden Polizisten, die vor dem NSU-Untersuchungsausschuss in Berlin aufgetreten sind, waren nicht die beiden bewaffneten Männer, die er nach der Explosion der Nagelbombe in der Kölner Keupstraße gesehen hatte. Jetzt stellt sich die Frage: Wer waren die Männer?

Der Steuerberater Ali Demir saß in seinem Büro auf der Keupstraße, als am 9. Juni 2004 gegen 16 Uhr nur wenige Meter entfernt die Nagelbombe explodierte. Demir warf sich sofort unter seinen Schreibtisch und bedeckte seinen Kopf, so wie es in seiner Ausbildung beim türkischen Militär gelernt hatte.

Als er kurz darauf den Kopf hob, sah er vor seiner Tür einen Mann, der eine Pistole in einem Schulterholster trug. Demir atmete auf, weil er dachte, der Mann sei Polizist und gekommen, um zu helfen. Der Steuerberater ging  zur Tür und fragte den Mann, was passiert sei. Der zeigte auf Metallsplitter am Boden und sagte: "Sie sehen doch, was los ist". Während des kurzen Gesprächs machte ein zweiter Mann von der gegenüberliegenden Straßenseite Handzeichen. Die beiden waren offenbar zusammen in der Keupstraße.

"Zwei Zivilpolizisten", dachte Ali Demir, "denn die Männer trugen keine Uniformen, sondern Sportschuhe, Freizeitjacken, der eine ein kariertes Hemd", erinnert sich Demir. Obwohl der Steuerberater und damalige Vorsitzende der Interessengemeinschaft Keupstraße Ali Demir nach dem Anschlag Nachbarn und Journalisten von den bewaffneten Männern erzählt hatte, habe sich die Ermittlungskommission der Kölner Polizei nicht für seine Beobachtungen interessiert.

"Das waren nicht die zwei Männer vor meiner Tür in der Keupstraße"

Im vergangenen November hatte der WDR erstmals über die bewaffneten Männer berichtet. Das Düsseldorfer Innenministerium und die Kölner Polizei erklärten damals auf Anfrage, nichts von zwei Beamten am Tatort zu wissen. Als sich dann aber Ende vergangenen Jahres der NSU Untersuchungsausschuss des Bundestages einschaltete und Informationen verlangte, meldeten Polizei und Innenministerium zwei Polizisten, die frühzeitig am Tatort in der Keupstraße waren. Diese beiden Beamten hat der Untersuchungsausschuss im Mai in Berlin vernommen. Dem Zeugen Ali Demir hat die Polizei weder Fotos der beiden Männer gezeigt noch ihm diese gegenübergestellt.

Der WDR hat Demir jetzt Videoaufnahmen aus dem Untersuchungsausschuss gezeigt, auf denen die beiden Polizisten zu sehen sind. Ali Demir ist sich zu 100 Prozent sicher, dass er die beiden Polizisten nicht am Tatort gesehen hat. "Die Männer, die ich gesehen habe, waren kleiner und kräftiger als die beiden Polizisten, die im Ausschuss waren. Das waren nicht die zwei Männer vor meiner Tür in der Keupstraße". Die Polizisten hatten im Ausschuss angegeben, dass sie uniformiert gewesen seien. Die beiden bewaffneten Männer in der Keupstraße dagegen trugen keine Uniformen. Außerdem wäre es sehr ungewöhnlich, wenn ein uniformierter Polizist seine Waffe in einem Schulterholster trägt.   

CDU-Antrag: Landtag soll Affäre um bewaffnete Männer aufklären

Ali Demir erwartet, dass die Behörden endlich aufklären, wer die bewaffneten Männer waren und was sie zum Zeitpunkt der Explosion in der Keupstraße zu tun gehabt hatten. Das Düsseldorfer Innenministerium hat auf WDR-Anfrage erklärt, keine Kenntnis von Zivilbeamten zu haben, die während oder unmittelbar nach dem Anschlag in der Keupstraße waren. Der CDU Innenpolitiker Peter Biesenbach will jetzt den Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags einschalten.

Stand: 12.07.2013, 14:49