Muss der Nikolaus einen Rauschebart tragen?

Nikolaus in NRW

Muss der Nikolaus einen Rauschebart tragen?

Von Nina Giaramita

  • Am Sonntag (06.12.2015) ist Nikolaustag
  • Bistum Köln führt Nikolaus-Schulungen durch
  • Nikolaus-Gehilfe Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß

Stefan Lesting hatte in den letzten Wochen viel zu tun. Der Kölner hat in diesem Jahr im Auftrag des Erzbistums Köln 70 Nikoläuse ausgebildet, die nun landesweit im Einsatz sind. Innerhalb eines Tages wird in der Schulung vermittelt, was einen echten Qualitäts-Nikolaus ausmacht. Dabei spielen neben der gebotenen Freundlichkeit Äußerlichkeiten durchaus eine große Rolle. "Da der reale Nikolaus ein Bischof war, müssen die Nikolaus-Darsteller alle wichtigen Insignien dieses Amtes mit sich tragen", stellt Stefan Lesting fest. Dazu zählen vor allem die Kopfbedeckung, die sogenannte Mitra, und der lange Bischofsstab, den der Nikolaus in seiner Hand hält. Außerdem unverzichtbar: Der Bischofsring und ein Brustkreuz.

Vorsicht mit Rot

Über die Farbe der Nikolaus-Kleidung lässt sich streiten. Denn das inzwischen dominierende Rot sei längst nicht durch traditionelle Überlieferung begründbar, sagt Stefan Lesting. "Ein Nikolaus kann sehr gut in Weiß oder Violett, der Bischofsfarbe, auftreten." Rot sei dagegen die Farbe der Kardinäle und daher nicht unbedingt anratbar. Nach Ansicht von Lesting geht es im Übrigen auch ohne Bart. "Das macht keinen Nikolaus aus", meint der Experte. Ähnlich sieht es auch Volkskundlerin Katrin Bauer vom Bonner LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte. "Der Rauschebart ist vor allem mit der bildlichen Darstellung des Nikolaus im neunzehnten Jahrhundert dazu gekommen", erzählt sie. "So hat er sich dann langsam im kollektiven Gedächtnis eingebrannt."

Knecht Ruprecht ist out

Und was ist eigentlich mit Knecht Ruprecht? Der ist lange Zeit als Gehilfe des Nikolaus aufgetreten und war mit seiner Rute für die bösen Kinder zuständig. Er sei im neunzehnten Jahrhundert zunehmend populär geworden, erklärt Volkskundlerin Katrin Bauer. "In der Zeit hat der Nikolaus zusammen mit Knecht Ruprecht eine ganz starke pädagogische Funktion erlangt." Inzwischen aber verzichten viele Nikoläuse lieber auf den dunklen Gehilfen. "Der Nikolaus ist ein Freund, er soll keine Angst machen" so Stefan Lesting. "Und außerdem ist es auch unmöglich, etwas hinzubiegen, was Eltern 365 Tage im Jahr nicht hinbekommen."

Nikolaus bleibt männlich

Nikolaus-Bräuche unterliegen also auch eindeutig dem Wandel der Zeiten. Dennoch steht eins fest: Das Business am 6. Dezember wird weiter fest in Männerhand bleiben. Diese Erfahrung hat Stefan Lesting jedenfalls im Lauf der Jahre gemacht. "Das liegt an den Kindern", sagt er fast kleinlaut. "Die wollen einfach lieber einen Mann."

Stand: 06.12.2015, 09:00