Im Wald hausen die "Dreckspatzen"

Kinder verlassen einen grünen Bauwagen

Alternative zur Kita in Rade

Im Wald hausen die "Dreckspatzen"

Von Petra Dierks

Draußen statt drinnen, Bauwagen statt Kita, Wald statt Sandkasten. In Radevormwald gibt es seit dem vergangenen Sommer einen Waldkindergarten. Die Kita Sprungbrett hat die Gruppe dort eingerichtet. Ein völlig neues Projekt für alle.

Der Bauwagen am Waldrand in Radevormwald, da "wohnen" die "Dreckspatzen" - eine Gruppe von 14 Kindern zwischen drei und fast sechs Jahren. Strom gibt es nicht und auch keine Heizung. Dafür gibt es LED-Laternen, einen gemütlichen Kamin und eine Naturstreutoilette. Der Wohnwagen ist aber nur das "Basislager". Denn wenn alle Kinder morgens da sind, geht es direkt ab in den Wald.

"Wir haben hier keinen Luxus"

Anfangs gab es viel Skepsis in Radevormwald, als die Stadt in den Kindergärten anfragte, ob sich jemand für ein solches Projekt finden würde. "Es ist natürlich durchaus mehr Arbeit. Wir haben hier nicht den Luxus", weiß Ursula Grahl. Sie ist eine der beiden Erzieherinnen im Waldkindergarten. Unter anderem müssten die Toilettenhinterlassenschaften selbst entsorgt, im Herbst und Winter der Ofen morgens vorgeheizt werden. Bei so vielen Kindern kann das dauern.

Waldkindergarten als neue Herausforderung

Frau sitzt neben einem Kind auf dem Waldboden

Gabriela Brocksieper hat sich direkt für das Projekt Waldkindergarten gemeldet

Ursula Grahl kann verstehen, dass das viele abgeschreckt hat. Hinzu käme die vermeintlich größere Verantwortung, auf die Kinder im Wald aufzupassen. Für Grahl war es aber keine Frage. "Ich arbeite so lange als Erzieherin und kenne die Arbeit in der Einrichtung. Aber das war etwas Neues. Das wollte ich mit aufbauen", sagt sie. Auch Erzieherin und Waldpädagogin Gabriela Brocksieper hat nicht lange gezögert. "Ich weiß, dass Kinder im Wald ganz viel lernen können und anders sind, als in der Einrichtung."

Bei Wind und Wetter im Wald

Zwei Kinder mit einem Vergrößerungsglas

Was ist das wohl? Kriechtiere unter der Becherlupe

Der Waldkindergarten bedeute auch für die Eltern eine neue Herausforderung. Sie müssen vor allem im Winter mehr planen. "Die Kinder brauchen definitiv gute Jacken, mehrere Matschhosen, gute, dichte, warme Stiefel, Handschuhe, Mützen“, zählt Grahl auf. Im letzten halben Jahr habe sich aber alles eingependelt. Und für die Kinder sei es kein Problem mehr, bei Wind und Wetter in den Wald zu gehen. Da haben sie nämlich so viel Platz, dass sie alles Mögliche ausprobieren können. Zum Beispiel imaginäre Häuser bauen; Hütten aus Tannenzweigen; oder Krabbel- und Kriechtiere suchen und erforschen.

Kinder bestimmen Konzepte mit

Zwei Jungen sitzen im Wald auf einem Baumstamm

Die Kinder schließen enge Freundschaften

Seit dem Sommer habe sich einiges verändert. Anfangs haben sich die Erzieherinnen einiges einfallen lassen. Jetzt reden auch die Kinder mit. "Sie zeigen, was sie interessiert. Wir kombinieren das mit unseren Konzepten,lassen uns darauf ein", so Gabriela Brocksieper. Auch sonst haben sich die Kinder verändert - sie seien selbstständiger, selbstbewusster und es gebe kaum Aggressionen. "Solche Freundschaften, wie sie hier entstehen, habe ich in der Einrichtung noch nie erlebt", freut sich Ursula Grahl.

Stand: 12.02.2016, 06:00

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