NRW und die Suche nach bezahlbarem Wohnraum

Neubau einer Mehrfamilienhaus-Wohnanlage Andreasquartier

NRW und die Suche nach bezahlbarem Wohnraum

Von Ingo Neumayer

In NRW fehlen bezahlbare Wohnungen und Häuser, vor allem in Städten. Und wenn mal ein Neubauviertel entsteht, wie derzeit in Düsseldorf, können sich das nur wenige leisten.

Wohnraum ist begehrt, gerade in den Innenstädten NRWs. In Düsseldorf feiert am Mittwoch (11.10.2017) das Andreas-Quartier seine Eröffnung - mitten in der Altstadt. Über 300 Wohnungen wurden hier errichtet, dazu kommen ein Hotel, ein Konferenzzentrum sowie mehrere Restaurants und Cafés. Als "Wohnzimmer Düsseldorfs" beschreibt der Investor Frankonia den Komplex, und verkündet auf der Homepage des Projekts: "Hier können Sie auch wohnen."

Das stimmt - zumindest theoretisch. Über die einschlägigen Immobilenportale sind tatsächlich noch Wohnungen in dem Quartier zu finden. Die muss man sich allerdings erst einmal leisten können. Ein Einzimmer-Appartment mit einer Wohnfläche von 42 Quadratmetern kostet 457.000 Euro, die Dreizimmerwohnung mit Fußbodenheizung und Balkon knapp 1,2 Millionen Euro. Und auch die umliegende Gastronomie zielt auf betuchte Gäste: Der Cheeseburger mit Pommes im Steakhouse Mash kostet 22 Euro, das Fleisch vom japanischen Kobe-Rind 95 Euro - pro hundert Gramm, wohlgemerkt.

Mieten, Hauspreise: Alles steigt

Das Andreas-Quartier mag ein Extremfall sein, doch auch in anderen Großstädten in NRW wird das Wohnen immer teurer. Laut NRW.Bank lag 2015 der mittlere Preis für ein Einfamilienhaus in Bonn, Köln, Düsseldorf und Münster bei über 350.000 Euro. Das ist nahezu das Doppelte dessen, was man für ein vergleichbares Haus in den Kreisen Heinsberg, Euskirchen, Olpe, Herford oder Höxter zahlen muss. Zum Vergleich: Der Landesdurchschnitt liegt bei 247.000 Euro - ein Plus von 3,7 Prozent im Vergleich zu 2010.

Auch die Mietpreise in NRW sind deutlich gestiegen. Lag der Mittelwert für Erstvermietungen im Jahr 2006 noch bei knapp unter sieben Euro pro Quadratmeter, waren es zehn Jahre später bereits 9,28 Euro.

Ein Eigenheim für acht Jahreseinkommen

Neubauwohnungen in Siegburg

Neubauwohnungen in Siegburg

Das Preisgefälle zwischen Großstädten und ländlichem Raum wird auch deutlich, wenn man den Anteil der Wohn- und Baukosten am Einkommen vergleicht. Wer in manchen Gemeinden in den Kreisen Höxter, Euskirchen, Olpe, Lippe oder im Hochsauerlandkreis ein Eigenheim kaufen will, muss dafür drei Jahreseinkommen auf den Tisch legen. In Köln, Düsseldorf, Bonn oder Münster sind es dagegen über acht.

Bauministerin will Baurecht vereinfachen

Der Run auf die Städte ist ungebrochen, und dazu kommt, dass NRW 2015 hauptsächlich aufgrund des Flüchtlingszuzugs um 227.000 Einwohner gewachsen ist. Man braucht also dringend neuen Wohnraum.

Das hat auch die schwarz-gelbe Landesregierung erkannt. Sie hat angekündigt, das Baurecht zu vereinfachen und Baugenehmigungen zu beschleunigen.

Als eine ihrer ersten Amtshandlungen hat Landesbauministerin Ina Scharrenbach (CDU) die noch von der rot-grünen Regierung beschlossene neue Landesbauordnung auf Eis gelegt. Diese sah unter anderem Auflagen für behindertengerechtes Bauen vor.

Wenn 16 Prozent Steigerung immer noch zu wenig sind

Wie das statistische Landesamt mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 47.160 neue Wohnungen in NRW fertiggestellt - ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit zwölf Jahren. Mietervertreter und Eigentümerverbände werteten das unisono als gutes Signal.

Ob das reicht, scheint allerdings fraglich. Nach Schätzungen der NRW.Bank müssten in NRW bis 2020 jedes Jahr eigentlich rund 80.000 Wohnungen entstehen, um den Bedarf zu decken - und nicht knapp die Hälfte.

So wohnen wir - die Zahlen

Knapp 200.000 Verheiratete wohnen in NRW in getrennten Wohnungen – meist weil die Arbeitsstelle zu weit weg ist zum Pendeln. Unsere Grafiken veranschaulichen die Entwicklung der Immobilienpreise und Wohnungsgrößen - und die Wohnwünsche der Menschen in NRW.

Grafik Imobilienpreise

Ein Einfamilienhaus von rund 120 Quadratmetern kostet in NRW im Schnitt 247.000 Euro. Doch das hängt natürlich wesentlich von der Lage ab. Am günstigsten ist es in Höxter: Durchschnittspreis dort ca. 119.000 Euro. Drei bis fünfmal soviel zahlt man im Rheinland: in Düsseldorf durchschnittlich 550.000 Euro, in Köln und Bonn immerhin noch 400.000 Euro.

Ein Einfamilienhaus von rund 120 Quadratmetern kostet in NRW im Schnitt 247.000 Euro. Doch das hängt natürlich wesentlich von der Lage ab. Am günstigsten ist es in Höxter: Durchschnittspreis dort ca. 119.000 Euro. Drei bis fünfmal soviel zahlt man im Rheinland: in Düsseldorf durchschnittlich 550.000 Euro, in Köln und Bonn immerhin noch 400.000 Euro.

Vor siebzig Jahren teilten sich vier Menschen knapp vierzig Quadratmeter. Das waren zehn Quadratmeter für jeden. Die Wohnungen sahen damals noch ganz anders aus als heute: Es gab ein kleines Schlafzimmer und eine Wohnküche. Ein Badezimmer hatte längst nicht jeder.

Heute leben im Durchschnitt nur noch zwei Menschen auf neunzig Quadratmetern. Das sind 45 Quadratmeter für jeden. Damit hat heute jeder gut viermal so viel Platz wie unsere Großeltern noch vor siebzig Jahren.

Fragt man danach, was den meisten in ihrer Wohnung am wichtigsten ist – so kommt an erster Stelle die Einbauküche. Interessanterweise ist ein Gäste-WC für viele genauso wichtig wie der eigene Garten. An dritter Stelle dann ein Balkon.

Die Frage der Sicherheit ist den meisten Menschen bei der Wahl der richtigen Wohnung sehr wichtig. Aber auch die Nachbarn - und die Lautstärke. Ruhe ist für viele ein entscheidendes Kriterium.

2015 Jahr zogen 12.000 Menschen von Köln hinaus ins Umland. Und nur 9.000 zogen aus dem Umland nach Köln. Damit war Köln 2015 die Stadt in Nordrhein-Westfalen, die am meisten Einwohner an den Speckgürtel verlor.

Stand: 11.10.2017, 13:47