Die schwere Suche nach einem guten Azubi

Unternehmen Hegenscheid in Erkelenz

Die schwere Suche nach einem guten Azubi

Viele Unternehmen in NRW können ihre Lehrstellen nicht mehr besetzen - so auch die Firma Hegenscheidt aus Erkelenz. Personalchef Michael Königs erklärt, wie schwierig die Suche nach geeigneten Auszubildenen ist.

Unternehmen in Nordrhein-Westfalen finden immer schwieriger gute Auszubildende. Landesweit waren zum Stichtag Ende September 2016 6.964 Plätze offen, so viele wie seit 2009 nicht mehr. Das geht aus dem am Mittwoch (05.04.2017) veröffentlichten Berufsbildungsbericht 2017 hervor.

Das Industrieunternehmen Hegenscheidt aus Erkelenz zählt zu den Betroffenen. Das familiengeführte Unternehmen, das Spezialwerkzeugmaschinen herstellt, hat im Durchschnitt 50 Auszubildende. In diesem Jahr sind erstmals noch nicht alle Lehrstellen besetzt, wie Personalchef Michael Königs im WDR-Interview schildert.

WDR.de: Wie stark sind Sie von dem Bewerbermangel betroffen?

Michael Königs, Personalchef des Unternehmens Hegenscheidt

Michael Königs, Personalchef des Unternehmens Hegenscheidt (M.)

Michael Königs: Es ist ein schleichender Prozess. Es gibt angesichts der Demografie immer weniger Bewerber. Aber auch die Qualität hat dermaßen nachgelassen, dass es uns immer schwerer fällt Ausbildungsplätze zu besetzen. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal im April immer noch eine Lehrstelle als Zerspanungsmechaniker offen. In den letzten 20 Jahren hatten wir bereits vor Weihnachten alle Ausbildungsstellen für das Folgejahr besetzt.

WDR.de: Zerspanungsmechaniker klingt aber auch sehr kryptisch. Vielleicht ist der Berufszweig einfach zu unbekannt.

Königs: Daran wird es nicht in erster Linie liegen. Zerspanungsmechaniker sind Dreher oder auch Fräser. Wir als Unternehmen weisen auf die verschiedenen Berufsbereiche aktiv hin. Auch die Arbeitsagenturen preisen die verschiedenen Bereiche an.

WDR.de: Eine Stelle ist noch offen. Ist das Problem denn wirklich so groß?

Königs: Es ist eine von zehn neuen Ausbildungsstellen. Die Quantität und Qualität haben in den vergangenen Jahren immer mehr nachgelassen. Jetzt stehen wir an einer Stelle, wo wir es wirklich zu spüren bekommen. Früher hatten wir 150 Bewerbungen für eine gewerbliche Ausbildung. Jetzt sind wir bei 40 bis 50 angelangt.

WDR.de: Und dabei hat auch noch die Qualität nachgelassen, wie Sie sagen. Woran liegt das?

Jugendliche bei der Agentur für Arbeit

Hegenscheidt wirbt auf Jobbörsen

Königs: Das kann ich auch nicht genau erklären. Die Schulen scheinen in den letzten Jahren in der Ausbildung etwas anders zu machen als früher. Unser Einstellungstest ist vom Inhalt her seit Jahren gleich geblieben. Das Ergebnis hat sich hier erheblich verschlechtert. Vor Jahren wurden noch 70 bis 75 Prozent des Tests erreicht, heute schaffen viele Bewerber nur noch 50 Prozent. Dabei muss man Mathematik und räumliches Denken einfach beherrschen.

WDR.de: Können Sie nicht einfach mal ein Auge zudrücken?

Königs: Wir haben das schon mal gemacht. Sie müssen dann als Unternehmen aber umso mehr investieren, um die Bildungslücken aufzufangen. Sie müssen dann nicht nur das berufsspezifische Wissen beibringen sondern auch das, was in der Schule versäumt wurde. Irgendwann gelangt man an die Grenzen.

WDR.de: Welche Wege gehen Sie denn, um potenzielle Interessenten zu erreichen?

Königs: Wir unternehmen sehr viel. Wir sind auf lokalen Ausbildungsbörsen präsent. Außerdem gehen wir aktiv auf Schulen zu. Unsere Auszubildenden halten an Schulen in Erkelenz und Umgebung Referate in den Abschlussklassen und erklären die unterschiedlichen Ausbildungsberufe.

WDR.de: Reicht das aus?

Königs: Wir versuchen, den Jugendlichen die Perspektive bei Hegenscheidt aufzuzeigen. Dabei geht es um die Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung, Stationen im Ausland und Karrieremöglichkeiten.

WDR.de: Denken Sie, dass ein sicherer Arbeitsplatz für einen 16-Jährigen wirklich ausschlaggebend ist?

Königs: Es ist immer die Frage: Was interessiert einen 16-Jährigen? Wir versuchen jedenfalls, immer die langfristige Perspektive aufzuzeigen. Ob das ankommt, können wir schwer messen.

WDR.de: Andere Unternehmen finanzieren den Führerschein oder stellen ein Auto oder E-Bike zur Verfügung.

Königs: Sicherlich kann man damit jemanden erreichen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das Ködern mit Geld der richtige Weg ist. Wenn man schon mit Auszubildenden anfängt, weiß man nicht, wie sich das im weiteren Arbeitsleben potenziert. Ich schließe aber nicht aus, dass wir auch irgendwann ähnliche Wege gehen müssen.

Das Interview führte Fabian Wahl.

Stand: 05.04.2017, 17:37