Sparkasse muss das Überleben sichern

Außenansicht Sparkassenfiliale am Rudolfplatz in Köln

Sparkasse muss das Überleben sichern

  • Merkel, Gabriel, Kraft - Politprominenz am Mittwoch (27.04.2016) beim Sparkassentag in Düsseldorf
  • Wie überlebt die Sparkasse die Negativzinsen? Wie erzielt die Targobank gleichzeitig Gewinne?
  • Fragen an WDR-Wirtschaftsexperte Uli Ueckerseifer

WDR: So viel Polit-Prominenz beim Sparkassentag - soll da ein Zeichen gesetzt werden?

Ueckerseifer: Nicht unbedingt. Es ist durchaus üblich, dass Politgrößen zu Gast sind. Mal kommt der Finanzminister, mal der Wirtschaftsminister und dieses Jahr eben die Bundeskanzlerin. In der deutschen Bankenszene ist es einer der bedeutendsten Termine des Jahres. Immerhin haben die Sparkassen neben den Volksbanken und den privaten Banken den größten Marktanteil.

WDR: Trotzdem dünnen die Sparkassen ihr Filialnetz aus. Erwischt es nach den privaten Banken jetzt auch den einstmals sicheren Hort für Kleinanleger?

Der WDR-Redakteur Ulrich Ueckerseifer

WDR-Wirtschaftsredakteur und Finanzexperte Ulrich Ueckerseifer

Ueckerseifer: Die Sparkasse erwischt es, weil es alle erwischt. Die große Basis des Geldverdienens der Banken ist der Zins – und der wird immer geringer seit einigen Jahren. Die Sparkasse hat die Kundengelder hauptsächlich in einstmals gut verzinsten Staatsanleihen angelegt, die jetzt nach und nach auslaufen. Die neuen bringen nicht mehr den entsprechenden Zins. Und wenn die Gewinne schrumpfen, weil die Einnahmen sinken, müssen die Kosten gesenkt werden.

WDR: Allerdings erfüllen die Sparkassen auch einen öffentlichen Auftrag. Gehört ein entsprechendes Filialnetz nicht dazu?

Ueckerseifer: Trotzdem muss auch eine Sparkasse wirtschaftlich arbeiten. Keiner möchte ja im Vergleich der Kreditanbieter beispielsweise doppelt so viele Zinsen zahlen, um das Unternehmen zu stützen und Filialen zu erhalten, auch die Sparkassenkunden nicht. Was Nordrhein-Westfalen angeht, ist die Grundversorgung nicht wirklich gefährdet, weil es ein dicht besiedeltes Land ist. Und die ländlichen Sparkassen sind zumeist noch recht gut aufgestellt. Die Deutsche Bank verfolgt übrigens viel radikalere Schließungspläne für das kommende Jahr.

WDR: Auf der anderen Seite meldet eine Targobank jüngst Millionengewinne. Wie passt das zusammen?

Ueckerseifer: Auch Banken können in einer Niedrigzinsphase Gewinne machen. Das gilt vor allem für Direktbanken, denn die haben eben nicht diesen großen Kostenblock. Es sind deutlich weniger Immobilien und Personal nötig, weil alles telefonisch oder im Internet passiert. Dabei sind bei Direktbanken wie der ING Diba durchaus gut ausgebildete Bankkaufleute beschäftigt. Die Beratung ist genauso gut, nur preisgünstiger. Das macht den Unterschied aus, der Spardruck bei den Sparkassen ist darum ungleich größer.

WDR: Wie sollten sich die Sparkassen denn im Rahmen der Sparmaßnahmen verhalten?

Älterer Mann mit einem Sparbuch

Der Spar-Klassiker: Das Sparbuch bringt keine Zinsen mehr

Ueckerseifer: Vor allem sollten sie weiter auf einen guten Kundenkontakt achten und besondere Qualitäten erhalten. Beispielsweise hat die Sparkasse Lemgo noch ein Kassenhäuschen mit älterem Herrn mit grauen Haaren als Kassierer. Das dürfte bald eine der meist gefilmten Filialen werden, weil es das sonst nirgendwo mehr gibt. Andere Tätigkeitsfelder der Sparkassen, die im Hintergrund erledigt werden und die der Kunde nicht sieht, müssten längst zentralisiert werden. Bisher passiert das nur in Ansätzen. Experten schätzen das  Einsparpotenzial auf 500 Millionen Euro. Und nach wie vor machen die Sparkassen in der Summe auch noch zwei Milliarden Gewinn pro Jahr. Jetzt müssen die Verantwortlichen nur aufpassen, was sie mit dem Gewinn machen wollen. Die Kämmerer sind heiß auf Ausschüttungen für die Gemeinden, gleichzeitig ist eine höhere Rücklage nötig. Das wird das Spannungsfeld der nächsten Monate sein.

WDR: Angesichts der ungewissen Zukunft von Banken und Sparkassen: Welche Strategien sollten Geldanleger verfolgen?

Ueckerseifer: Die NRW-Sparkassen liegen bundesweit bei Festgeldzinsen noch weit vorne. Auch wenn 0,1 oder 0,2 Prozent nicht der Rede wert sind. Aber im Moment braucht es bei der Geldanlage auch nicht unbedingt Zinsertrag, wenn man den Realzins betrachtet. Also der Vergleich von Zinsertrag und Inflationsverlust. Weil zurzeit keine Inflation herrscht, ist die Not also nicht ganz so groß. Da sollte niemand hektisch werden.  

Stand: 27.04.2016, 06:00