Was der Lufthansa/Air-Berlin-Deal für NRW bedeutet

Was der Lufthansa/Air-Berlin-Deal für NRW bedeutet

  • Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin.
  • 1.500 Neueinstellungen in NRW geplant.
  • Land könnte Transfergesellschaft für Beschäftigte fördern.

Die Lufthansa hat ihre Ankündigung wahrgemacht und am Donnerstag (12.10.2017) große Teile von Air Berlin übernommen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kündigte an, dass der Konzern 81 Flugzeuge von Air Berlin übernehmen und 3.000 Mitarbeiter neu einstellen wolle - die Hälfte davon in NRW.

Air Berlin ist in NRW an den Standorten Köln, Paderborn und vor allem in Düsseldorf vertreten. Von der Insolvenz sind 8.000 Mitarbeiter betroffen, davon 3.000 in NRW.

Lufthansa kauft Teile von Air Berlin

WDR Aktuell | 12.10.2017 | 10:00 Min.

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Kritik von Gewerkschaften

Von Gewerkschaftsseite stieß die Ankündigung auf Kritik. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle forderte die Lufthansa auf, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen.

Auch Verdi-NRW-Sprecher Günter Isemeyer bemängelte den Umgang mit den Beschäftigten. "Offensichtlich ist geplant, dass sich die entlassenen Air-Berlin-Mitarbeiter auf ihre eigenen Jobs, die nun bei der Lufthansa sind, neu bewerben sollen. Die alten Verträge und Bedingungen spielen dabei keine Rolle mehr, und das ist ein Problem", sagte er am Donnerstag dem WDR.

Transfergesellschaft gefordert

Die Lufthansa-Ankündigung, in NRW 1.500 neue Stellen zu schaffen, höre sich zwar gut an, so Isemeyer weiter. Allerdings müsse man wissen, dass von der Air-Berlin-Insolvenz allein in NRW 3.000 Beschäftigte betroffen sein.

Für die Air-Berlin-Mitarbeiter, die nicht von der Lufthansa übernommen werden, fordert Verdi die Einrichtung einer Transfergesellschaft. An dieser müssten sich der Bund sowie die Bundesländer Bayern, Berlin sowie Nordrhein-Westfalen finanziell beteiligen.

Air Berlin: Was bedeutet der Deal?

WDR 5 Morgenecho - Interview | 13.10.2017 | 04:52 Min.

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Land stellt etwas Geld in Aussicht

Das NRW-Arbeitsministerium befürwortet grundsätzlich, eine Transfergesellschaft für entlassene Air-Berlin-Mitarbeiter einzurichten. Das sagte eine Ministeriumssprecherin dem WDR am Donnerstag. Allerdings könne das Land in diesem Fall nur die Beratungs- und die Verwaltungstätigkeit direkt fördern - und dieser Bereich mache nur etwa zehn Prozent der Kosten einer Transfergesellschaft aus.

Der "Hauptkostenblock" einer Transfergesellschaft seien aber die Sozialversicherungsbeiträge - und die müsse das betroffene Unternehmen selbst aufbringen. Das Ministerium äußerte die Hoffnung, dass sich auch Lufthansa an der Finanzierung einer Transfergesellschaft beteiligen wird. Dazu verpflichtet ist der Käufer nicht.

Steigen die Ticketpreise?

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG

Carsten Spohr

Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr werde das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. Er gehe von weiter sinkenden Preisen aufgrund eines verschärften Wettbewerbs aus, sagte er der "Rheinischen Post". Allerdings werde es noch sechs bis neun Monate dauern, bis ein stabiler Flugbetrieb möglich sei. Bis dahin müsse man mit "Ruckeleien" rechnen.

Michael Garvens, Chef des Köln/Bonner Flughafens, hält steigende Ticketpreise dagegen durchaus für möglich. Er könne sich Auflagen durch das Kartellamt vorstellen, was Frequenzen und den Preis der Tickets betrifft, sagte er dem Kölner "Express".

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft betont in diesem Zusammenhang die marktüblichen Schwankungen bei den Flugpreisen, gerade aufgrund ihrer starken Abhängigkeit vom Ölpreis. Verbandssprecher Ivo Rzegotta: "Es stimmt, dass seit der Liberalisierung im Flugverkehr die Ticketpreise in der Gesamtheit sinken. Ob das aber auf jeder Strecke der Fall ist, lässt sich nicht seriös voraussehen."

Stand: 12.10.2017, 15:22