FlixBus schluckt Postbus

FlixBus schluckt Postbus

Die Fernbus-Linie Postbus wird von dem Marktführer FlixBus übernommen. Die ersten Linien der Fernbus-Sparte der Deutschen Post sollen ab November in das FlixBus-Netz integriert werden. Das teilte die FlixBus-Geschäftsführung am Mittwoch (03.08.2016) mit.

Zum Kaufpreis machte FlixBus keine Angaben. Der Deal werde aber zusätzliche Einnahmen von 15 bis 20 Millionen Euro jährlich bringen. Postbus war 2013 als Kooperation mit dem ADAC an den Start gegangen. Ab Ende 2014 betrieb die Post das Geschäft alleine weiter.

Angebot soll optimiert werden

In einem ersten Schritt komme es nun darauf an, die Fahrpläne beider Anbieter anzupassen und das Streckennetz zu verbessern, sagte Geschäftsführer Schwämmlein. Bislang parallel fahrende Linien auf Verbindungen wie etwa München–Berlin sollen zugunsten neuer Ziele reduziert werden. "Wir wollen zum Beispiel die Küste häufiger anfahren und den grenzüberschreitenden Verkehr ausbauen, vor allem aber die Regionen stärken." Profitieren würden Kleinstädte, die bisher noch nicht an das Fernbus-Netz angeschlossen sind.

"Ein Produkt für alle Altersgruppen"

FlixBus will mit der Übernahme auch neue Kundengruppen gewinnen. "Während wir durch unsere Positionierung vor allem ein junges, online-affines Publikum ansprechen, hat die Post durch Offline-Vertriebskanäle auch Senioren oder Familien erreicht", erklärte Schwämmlein. "Wir möchten jetzt ein Produkt für alle Alters- und Zielgruppen bieten."

Auch Zusammenarbeit in der Logistik interessant

Darüber hinaus wollen FlixBus und Post in der Logistik zusammenarbeiten. Derzeit testet das Bonner Unternehmen einen Express-Kurierservice zwischen Hamburg und Berlin, bei dem DHL-Pakete taggleich mit dem Fernbus versendet werden. "Wir prüfen, wie wir diesen Service gemeinsam mit FlixBus ausweiten", sagte der Geschäftsführer von Deutsche Post Mobility.

Ende Juni hatte FlixBus bereits den britischen Konkurrenten Megabus übernommen und damit seine europaweite Expansion vorangetrieben. Anfang des Jahres besaß das im Februar 2013 gegründete Unternehmen nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Iges in Deutschland einen Marktanteil von 71 Prozent. Derzeit fährt FlixBus 900 Ziele an, rund 450 davon im deutschsprachigen Raum. Postbus bietet Verbindungen zu 112 Zielen an, etwa 85 davon in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Kartellamt bremst die Fusion nicht aus

Die Fusion wird nicht am Kartellamt scheitern. Die Behörde sei bereits vorab von beiden Unternehmen über die Pläne informiert worden, sagte ein Sprecher. Der Zusammenschluss sei zu klein für eine Prüfung durch die Wettbewerbshüter. Die dafür nötigen Umsatzschwellen würden von den Bus-Unternehmen nicht erreicht. Diese sehen vor, dass mindestens eine der Firmen im Inland einen Mindestumsatz von 25 Millionen Euro erreicht oder die beteiligten Unternehmen einen weltweiten Umsatz von 500 Millionen Euro erwirtschaften.

Stand: 03.08.2016, 07:21