BaFin ordnet Stresstest für deutsche Lebensversicherer ein

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

BaFin ordnet Stresstest für deutsche Lebensversicherer ein

Von Birgit Becker

  • Stresstest zu Robustheit der Lebensversicherungswirtschaft in Extremsituationen
  • Deutsche Lebensversicherungswirtschaft reagiert im europäischen Vergleich stärker auf Dauerniedrigzinsen
  • Deutsche Lebensversicherer gaben in früheren Hochzinsphasen Renditeversprechen mit Garantiezins
  • Mehr Kontrolle: Höchstrechnungszins zuletzt auf 0,9 Prozent festgesetzt
  • Übereinstimmende Meinung: Deutsche Lebensversicherungen sind sicher

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Bonn, BaFin, ordnet die Ergebnisse für deutsche Lebensversicherungen ein. Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen, EIOPA, hat auch 20 deutsche Unternehmen analysiert - kleine, mittlere und große Lebensversicherungen, die insgesamt rund drei Viertel des deutschen Marktes abdecken.

Stresstest: Zwei überspitzte Extremszenarien

Brille und Rechner auf Lebensversicherungsformular

Lebensversicherungen sind sicher, so die Experten

In diesem Stresstest hat die europäische Versicherungs-Ausicht so getan, als träten sehr schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein, deutlich schlechter, als sie heute in Wirklichkeit sind. Die EIOPA hat für ihren Stresstest zwei Szenarien entworfen, erklärt Frank Grund, verantwortlich für die Versicherungsaufsicht der Bundesanstalt für Finanz-Dienstleistungs-Aufsicht, BaFin, in Bonn: "Das eine Szenario bezieht sich auf die Dauer der Niedrigzinsphase. hier hat man so getan, als wenn die Zinsen nochmal niedriger werden und es auch sich dauerhaft nie erholt, das ist das 'low for long szenario', und dann gibt es noch das 'double hit-szenario', dass niederige Zinsen verbunden werden mit einem verfall sämtlicher anlageklassen, beispielsweise Aktien." 

Was wäre wenn...

Dr. Frank Grund im Profil

Dr. Frank Grund, BaFin

Eigentlich, so sagt Frank Grund von der BaFin, seien diese Szenarien unrealistisch. Aber dazu mache man ja Stresstests, um festzustellen, wie es in extremen Szenarien bestellt ist um die Robustheit der Lebensversicherungswirtschaft. Deutsche Unternehmen hätten im europäischen Vergleich gerade unter der ersten Annahme - sehr lange sehr niedrige Zinsen - sehr sensibel reagiert.

"Es war für uns keine Überraschung gewesen, es liegt auf der Linie dessen, was die BaFin  immer gesagt hatte, die Deutsche Lebensversicherungswirtschaft ist natürlich im Vergleich auch mit andern europäischen Ländern gerade auch bei dem 'Low for long-Szenario', wo es um die Fortschreibung einer sehr sehr niederigen Zinsentwicklung ins unendliche hinein geht, deutlicher betroffen als andere Märkte", so Frank Grund.

Garantiezins in Hochzinsphase

Das hängt damit zusammen, dass deutsche Lebensversicherer in früheren Hochzinsphasen Renditeversprechen gemacht haben, den sogenannten Garantiezins, der heute mit Neuanlagen kaum noch zu erwirtschaften ist. Dem trügen der Gesetzgeber und die Versicherungsaufsicht schon seit Jahren Rechnung durch individuelle Maßnahmen, sagt Frank Grund. So setze die BaFin darauf, einzelne Unternehmen besonders eng zu begleiten. "Für die einzelnen Unternehmen setzen wir auf unsere Analysemöglichkeiten, die wir als BaFin seit Jahren haben und schon seit Jahren einsetzen. Wir nennen das intesivierte Aufsicht, insbesondere für Unternehmen, die ja sehr individuell auf die Zinsentwicklung regagieren und intensivierte Aufsicht bedeutet, dass Unternehmen intensiver begleitet werden."

Mehr Kontrolle durch neues Gesetz

Guido Bader im Profil

Dr. Guido Bader

Auch der Gesetzgeber habe schon einiges getan, so Grund, um die Situation der Lebensversicherer zu stärken, dazu gehöre zum Beispiel auch die Einführung des Lebensversicherungsreform-Gesetzes im Jahr 2014. "Die BaFin steht in sehr engem Kontakt mit den einzelnen Unternehmen, um sicherzustellen, dass die Unternehmen, die eingegangenen Verpflichtungen auch dauerhaft erfüllen können", sagt Frank Grund.

Guido Bader ist Mitglied der Deutschen Aktuarvereinigung. Aktuare beschäftigen sich mit Versicherungsmathematik - und berechnen zum Beispiel die wirtschaftlichen Risiken für verschiedene Versicherungsmodelle. Er appelliert an Verbraucher, sich nicht zu sehr von den neuen Zahlen beeindrucken zu lassen. Sie seien unter den neuen Bedingungen des europäischen Aufsichtsregimes 'Solvency II' entstanden. Unter europäischer Aufsicht müssen Lebensversicherungen danach unter anderem transparent machen, wie hoch ihre Sicherheiten sind, mit denen sie ihre Kunden auszahlen.

Experten: Deutsche Lebensversicherungen sind sicher

Der normale Bürger könne mit den neuen Zahlen nichts anfangen, und darin sehe Bader die große Gefahr, dass die Bürger verunsichert werden könnten. Die übereinstimmende Meinung von Aufsicht und Aktuaren: die deutschen Lebensversicherungen sind sicher. Und daher rät Guido Bader zum Sparen und Frank Grund von der BaFin ergänzt dazu: "Nur die Lebensversicherung kann das Alters-Risiko - oder vielleicht die Chance lange zu leben - finanziell absichern."

Stand: 15.12.2016, 19:00