Nach Air-Berlin-Pleite: Ist Fliegen jetzt teurer?

Flugzeuge der Air Berlin stehen am Terminal des Düsseldorfer Flughafens

Nach Air-Berlin-Pleite: Ist Fliegen jetzt teurer?

Von Andreas Poulakos und Frank Menke

  • Preise für Inlandsflüge gestiegen
  • Air-Berlin-Jets stehen im Depot
  • Lage der Mitarbeiter ungeklärt

Teure Inlandsflüge, mageres Angebot: Nach dem Aus von Air Berlin hat sich der deutsche Luftverkehr noch lange nicht normalisiert. Wie geht es weiter? Fragen und Antworten.

Nach dem Aus für Air Berlin gab es Befürchtungen, dass Ticketpreise insgesamt steigen könnten. Hat sich das bestätigt?

Ja und nein: Seitdem Air Berlin vor gut zwei Wochen den Flugbetrieb eingestellt hat, sind die Ticketpreise auf bestimmten innerdeutschen Strecken gestiegen. Besonders teuer sind derzeit zum Beispiel Flüge von Düsseldorf nach München oder nach Nürnberg, die bisher mehrmals täglich von Air Berlin bedient wurden. Auch Ferienflüge nach Mallorca sind im Dezember meist nicht zu den gewohnten Schnäppchenpreisen erhältlich.

Allerdings bleibt das Fliegen insgesamt so billig, wie noch nie zuvor. Das zumindest ist das Ergebnis einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, die Ende Oktober veröffentlicht wurde. Demnach fiel der durchschnittliche Ticketpreis im Sommerflugplan 2017 im Zuge des verschärften Wettbewerbs zwischen Billigfliegern auf einen historischen Tiefstand: Für Europaflüge mussten Kunden demnach nur zwischen 35 und 97 Euro zahlen. Dieser allgemeine Trend wird durch die aktuellen Engpässe nur geringfügig beeinflusst.

Aber hatte Lufthansa-Chef Spohr während der Übernahme-Verhandlungen für Air Berlin nicht ausdrücklich stabile Ticketpreise versprochen?

Doch. Hatte er. Allerdings hatte Carsten Spohr damals ausdrücklich von einem "langjährigen Trend" gesprochen, der sich nicht umkehren werde. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung begründete er nun die aktuellen Preisschwankungen mit der Übergangsphase im deutschen Luftverkehr. Nach dem Air-Berlin-Aus fehlten aktuell jeden Tag 60.000 Sitzplätze - eine Lücke, die kurzfristig nicht gefüllt werden könne.

Wann wird sich die Situation im Luftverkehr wieder normalisieren?

Das ist noch unklar. Lufthansa will mit den nicht insolventen Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen beträchtlichen Teil des Air-Berlin-Flugbetriebs mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Wettbewerbshüter müssen das Geschäft noch genehmigen. Die Kommission hat nach der Anmeldung des Deals vor knapp zwei Wochen 25 Arbeitstage Zeit, um das Geschäft abzuklopfen. Wenn es keine Bedenken gibt, dann könnte eine Entscheidung bereits Ende November fallen.

Haben die Wettbewerbshüter allerdings Zweifel, könnten sie vertieft prüfen. Dann wären es noch einmal 90 Arbeitstage. Bis zum Abschluss liegt das Geschäft auf Eis. Doch auch nach einem Okay aus Brüssel dürfte es noch einige Zeit dauern, bis alle Jets wieder in der Luft sind. Neben den komplizierten organisatorischen Vorarbeiten gibt es dafür auch ganz banale Gründe: Die Maschinen brauchen zum Beispiel einen neuen Anstrich.

Wird das Angebot an NRW-Flughäfen stabil bleiben?

Auch das weiß man noch nicht. Dass die alten Air-Berlin-Verbindungen vollständig wieder aufgenommen werden, gilt jedoch als ausgeschlossen. Das liegt vor allem daran, dass Eurowings bereits jetzt auf vielen ehemaligen Air-Berlin-Strecken ab Düsseldorf aktiv ist und sich selbst wohl keine Konkurrenz machen wird.

Es gibt Hinweise, dass eher die kleineren Flughäfen in NRW profitieren werden: Die Rede ist von Dortmund und Weeze, möglicherweise auch Paderborn und Münster. Das innerdeutsche Angebot dürfte sich schnell erholen, wenn Eurowings wie versprochen 1.000 neue nationale Flüge im Monat anbietet. Am Dienstag (14.11.2017) kündigte die Gesellschaft an, im kommenden Jahr unter anderem die Strecke Düsseldorf-München neu anzubieten. Eurowings will zudem ab Düsseldorf auch Stuttgart, Bologna, Florenz, Kopenhagen und Sylt anfliegen. Damit macht sie ihrer Mutter Lufthansa direkte Konkurrenz.

Wie ist die Situation für die ehemaligen Air-Berlin-Mitarbeiter?

Es könnte besser sein. Von den 3.000 Air-Berlinern in NRW sind laut der Gewerkschaft Verdi bisher nur 450 Mitarbeiter durch die Übernahme der Air-Berlin-Tochter LG Walter durch Eurowings relativ sicher versorgt. Doch auch dieses Geschäft könnte noch scheitern, wenn die Gerichte einer Klage der Pilotenvereinigung Cockpit gegen das Geschäft stattgeben. Hinzu kommen rund 180 Mitarbeiter von Air-Berlin-Technik am Standort Düsseldorf, die von den Unternehmen Nayak und Zeitfracht übernommen werden sollen. Laut der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) sind die Verhandlungen allerdings ins Stocken geraten, weil die Bieter weitere Tarifanpassungen nach unten erreichen wollen.

Alle anderen Mitarbeiter aus NRW müssen sich selbst um neue Stellen bemühen. Zwar hat Lufthansa angekündigt, im Jahr 2018 insgesamt 8.000 neue Jobs zu schaffen. Die Air-Berliner haben dabei gute Chancen auf eine Anstellung, nach Verdi-Angaben müssen sie sich aber auf schlechtere Konditionen einstellen. Ob angesichts der großen Konkurrenz auch ältere Menschen zum Zuge kommen, sei völlig unklar.

Wie verkraftet der Düsseldorfer Flughafen die Air-Berlin-Pleite?

Laut Düsseldorfer Flughafen läuft die Umstellung "geordnet" ab. Zuletzt hatte Air Berlin ein Drittel des Verkehrs in Düsseldorf abgewickelt und etwa 40 Prozent der Langstrecken. Die Airport-Leitung ist "sehr zuversichtlich, dass die durch die Air-Berlin-Insolvenz entstandenen Lücken im Flugplan ab Düsseldorf schnellmöglich durch das Engagement der Eurowings und anderer Fluggesellschaften wieder geschlossen werden." Der Düsseldorfer Flughafen will daher die Lufthansa unterstützen, damit möglichst bald alle von den Passagieren nachgefragten Strecken wieder angeboten werden können.

Der Flughafen räumt allerdings ein, dass die Übernahme dieser Flugverbindungen eine gewisse Übergangszeit im verkehrsärmeren Winter in Anspruch nehmen wird. Unterm Strich sei der Bedarf nach Flügen ab Düsseldorf in der Region jedoch ungebrochen hoch.

In dieser Hinsicht sieht sich der Düsseldorfer Airport dank zahlreicher neuer Streckeneröffnungen auf einem guten Weg. Alleine in den vergangenen Tagen seien mehrere neue Strecken oder Frequenzerhöhungen verkündet worden - wie etwa von Hop! Air France nach Bordeaux, Flybe nach Leeds, Condor und Eurowings in die Karibik sowie Singapore Airlines viermal wöchentlich nach Singapur.

Eurowings: Wohin mit den 50 Air-Berlin-Fliegern?

WDR 2 | 13.11.2017 | 02:55 Min.

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Stand: 14.11.2017, 14:52