Westfälischer Friedenspreis für den jordanischen König Abdullah II.

König Abdullah lächelt in die Kamera

Westfälischer Friedenspreis für den jordanischen König Abdullah II.

Von Oliver Steuck

Der Westfälische Friedenspreis geht dieses Jahr an den jordanischen König Abdullah II. bin al-Hussein. Das wurde am Mittwoch (16.03.2016) in Münster bekannt gegeben. Der König teilt sich den Preis mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

Der jordanische König, Abdullah II. bin al-Hussein, gilt als wichtiges Bindeglied zwischen der europäischen und der arabischen Welt. Der 54-Jährige, der sich auf eine direkte Abstammung vom Propheten Mohammed berufen kann, genießt ein hohes Ansehen in islamischen Ländern, ist aber auch sehr westlich geprägt. Zu der Juryentscheidung sagt der Vorsitzende der preisstiftenden Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, Reinhard Zinkann: „Sein Land ist umgeben von Krisen- und Kriegsgebieten. Er nimmt Flüchtlinge auf, obwohl es auch für sein relativ gesehen kleines Land eine große Belastung ist. Er lebt in einem offenen Austausch der Kulturen und der Demokratien. Aber viel wesentlicher ist es, dass er inmitten dieser Kriegsgebiete sein Volk im Frieden hält.“

Verbündeter im Nahen Osten

König Abdullah und Königin Rania in festlicher Kleidung

König Abdullah und Königin Rania, hier bei Feierlichkeiten in Schweden

Wie verbunden auch Abdullah II. sich Europa fühlt, wurde erst im vergangenen Jahr deutlich. In einer Rede beim Aachener Karlspreis betonte er die gegenseitige Abhängigkeit Europas, des Mittleren Ostens und Nordafrikas: „Was in einer unserer Regionen geschieht. kann sich direkt auf etwas auswirken, das in der anderen geschieht, und das ist häufig auch der Fall. (…) Isolierung ist keine Antwort. Mauern sind keine Antwort. Misstrauen gegenüber dem anderen ist keine Antwort.“ Und vor dem Europäischen Parlament sagte er: "Andere Gesellschaften anzugreifen oder auszuschließen, Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Überzeugungen zu beleidigen, das führt nicht vorwärts. Die Zukunft liegt in Geschlossenheit und Respekt füreinander. Nicht in Teilung und Lagerdenken. Europa ist ein wichtiger Partner bei diesem Kraftakt, gerade wenn es darum geht die globale Islamophobie zu stoppen.“

Jordanien im Umbruch

König Abdullah II , Bundespräsident Gauck, links König Rania

Bundespräsident Gauck zu Gast bei König Abdullah

Abdullah II. ist seit 1999 König von Jordanien, einem islamischen Land auf Reformkurs, dessen Volk sich auch während des so genannten „Arabischen Frühlings“ weitgehend loyal zu seinem König zeigte. Es war auch der König selbst, der wichtige Reformen einleitete. Dass das Parlament 2013 erstmals selbst Premierminister und Regierung wählen durfte, festigte die Macht des Königs. Zeitgleich bemüht sich Abdullah II. um mehr Stabilität und Wohlstand in seinem Land. Einen Schlüssel dazu sieht er im Ausbau der Bildung und in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auch mit europäischen Nationen. Den Westfälischen Friedenspreis wird Abdullah II. am 8. Oktober 2016 in Münster entgegen nehmen. Die Laudatio auf den König wird Bundespräsident Joachim Gauck halten.

Ehrung auch für Aktion Sühnezeichen Friedensdienst

Eine junge Frau mit dunklen Haaren sitzt vor einer Wand. An der Wand hängt die Nationalflagge Israels mit dem Davidstern in der Mitte.

Marit-Inga Zimmermann arbeitete in Israel

Traditionell wird die mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Auszeichnung geteilt. Als Jugendorganisation ehren die Preisstifter diesmal die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“. Ihr Ziel seit ihrer Gründung 1958: die Versöhnung mit Völkern und Menschengruppen, die von den Nazis überfallen, verfolgt und bedroht wurden. Die Auszeichnung mit dem Friedenspreis begründet die Jury: „Die Aktion Sühnezeichen unterhält Friedenscamps, unter anderem in Auschwitz, in Israel oder in Frankreich. Sie ist sehr bemüht um Verständigung, an denen gerade wir Deutsche uns mit großer Schuld beladen haben. Sie suchen den internationalen Austausch und haben dann gemeinsame Projekte.“ Rund 180 junge Erwachsene arbeiten für die Aktion jedes Jahr als Freiwillige. Marit-Inga Zimmermann aus Rheine war 2013/14 für ein Jahr in Israel. Im WDR-Fernsehen berichtete sie von einer Begegnung mit einer 89-jährigen Holocaust-Überlebenden: „Dann hat sie irgendwann angefangen, Deutsch zu sprechen, und hat gesagt, sie redet das erste Mal seit 40 Jahren Deutsch mit mir. Das war für mich ein ganz besonderes Erlebnis.“

Friedenspreis wird zum 10. Mal verliehen

Die Statue des Westfälischen Friedenspreises, ein Pferd

In diesem Jahr wird der Westfälische Friedenspreis zum zehnten Mal vergeben. Die Wirtschaftliche Gesellschaft von Westfalen und Lippe, ein Zusammenschluss von Unternehmern, stiftete ihn erstmals 1998. Damals jährte sich das Ende des 30-jährigen Krieges und der Friedensschluss in Münster und Osnabrück zum 350. Mal.

Die bisherigen Preisträger

In unserer Fotostrecke zeigen wir die bisherigen Preisträger, darunter: der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel, die Altbundeskanzler Helmut Kohl und Helmut Schmidt oder auch der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Vaclav Havel während einer Veranstaltung an der Karlsuniversität in Prag (14.11.2009)

Der erste Preisträger: der Schriftsteller und ehemalige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel. Gemeinsam mit der Jugendorganisation Gesto por la Paz erhielt er 1998 den Preis des Westfälischen Friedens.

Der erste Preisträger: der Schriftsteller und ehemalige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel. Gemeinsam mit der Jugendorganisation Gesto por la Paz erhielt er 1998 den Preis des Westfälischen Friedens.

2000 war Preisträger der Altbundeskanzler Helmut Kohl, zusammen mit dem Ekola-Gymasium und dem Conrad-von-Soest-Gymnasium.

Die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, Carla del Ponte. Sie und die Jugendorganisation Schüler helfen Leben haben den Preis 2002 bekommen.

Im Jahr 2004 wurde der Dirigent Kurt Masur ausgezeichnet.

In diesem Jahr erhielten die Sternsinger für ihr Engagement den Preis für die Jugendorganisation.

Der ehemalige Staatspräsident Frankreichs, Valéry Giscard d'Estaing, erhielt 2006 den Preis. Außerdem wurden die Jugendlichen der Bodelschwinghschen Anstalten für ihre Arbeit geehrt.

Er war Generalsekretär der Vereinten Nationen: Kofi Annan. Für seine Leistung wurde ihm 2008 der Friedenspreis überreicht.

2010 ging der Preis des Westfälischen Friedens an den Dirigenten Daniel Barenboim.

Zusammen mit ihm wurde sein Orchester, das West Eastern Divan Orchestra, ausgezeichnet. In dem Orchester spielen junge Musiker aus Israel und Palästina gemeinsam.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt wurde für seine Arbeit im Jahr 2012 ausgezeichnet. Preisträger bei den Jugendorganisationen war in diesem Jahr Children for a better world.

2014 wurde zum ersten Mal keine Einzelperson ausgezeichnet, sondern die Besatzung der International Space Station, kurz ISS.

Für die ISS kam unter anderem stellvertretend der ehemalige Astronaut Thomas Reiter.

Den Preis erhielt außerdem die Jugendarbeit der Deutschen Kriegsgräberfürsorge. Präsident Markus Meckel hielt die Laudatio.

Stand: 16.03.2016, 20:00