Teures Wohnen im Flüchtlingsheim

Vier Männer sitzen vor einem Container auf dem Geländer einer Flüchtlingsunterkunft

Teures Wohnen im Flüchtlingsheim

  • Anerkannte Flüchtlinge zahlen Miete
  • Kosten für die Unterkünfte teilweise enorm hoch
  • Flüchtlingsrat NRW fordert Ermäßigungen

„Wie soll ich leben? Das ist Riesenproblem“. Boundiala Doumnaoya versteht es nicht: Fast 240 Euro soll er plötzlich zahlen für sein 20 Quadratmeter großes Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft in Coesfeld, 66 Euro waren es bisher. Eine Mieterhöhung um 400 Prozent, für Boundiala viel zu viel. „Ich mach Ausbildung, kann ich das nicht bezahlen, wovon soll ich leben?“

Boundiala kommt aus Nigeria, vor anderthalb Jahren ist er als Flüchtling nach Coesfeld gekommen. Inzwischen hat er einen Ausbildungsplatz als Metallbauer, bekommt dafür 500 Euro im Monat. Weil er selbst verdient, werden die Kosten für sein Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft nicht mehr vom Sozialamt übernommen. Die Miete für das ärmlich möblierte Zimmer ist viel zu hoch, findet Boundialas Betreuer, Ludger Schulte Rohling.

Miete für einen Raum in einer Männer-Unterkunft

„Das sind 12 Euro pro Quadratmeter, etwas mehr,  das ist absolut top für Coesfeld für den Mietspiegel. Es gibt wenige Luxuswohnungen, die diese Miete erreichen, das kann ich nicht nachvollziehen.“ Dabei hat Boundiala noch Glück. Er lebt seit kurzem alleine in seinem Raum in einer reinen Männerunterkunft, andere wohnen zu dritt oder viert in einem Zimmer, die Stadt Coesfeld kassiert dann 720 beziehungsweise 960 Euro pro Raum: „Das ist keine Miete, sondern Unterkunftsgebühr“, sagt Dr. Thomas Robers, Sozialdezernent in Coesfeld, die Erhöhung habe sich nicht vermeiden lassen.

„Wir decken die Kosten ab, die auch entstehen, nicht mehr und nicht weniger, das ist gesetzlich vorgegeben, dass man kostendeckend kalkuliert. Wir haben alle Kosten für alle Unterkünfte geteilt. Da sind alle Kosten drin, auch Kosten für die Herrichtung von Küchen, Möbel, aber auch Hausmeisterkosten, wir sind mit den Kosten in der gleichen Größenordnung wie andere Kommunen auch.“

Unterkunftskosten bis zu 25 Euro pro Quadratmeter

Tatsächlich sind die Kosten für die Unterkünfte oft enorm hoch. Beispiel Ibbenbüren: Bis zu 25 Euro pro Quadratmeter zahlen hier Flüchtlinge, Birgit Naujocks vom Flüchtlingsrat NRW hält das für einen Skandal.

„Grundsätzlich ist das völlig in Ordnung, wenn Flüchtlinge, die arbeiten, für ihre Unterbringung in einer Unterkunft Miete zahlen, die Frage ist nur inwiefern die Miete angemessen ist und das ist in Gemeinschaftsunterkünften häufig ein Problem, beispielweise in Lüdenscheid sind es 28 Euro pro Quadratmeter kalt ohne Wasser, in Troisdorf sind es sogar 32 Euro pro Quadratmeter inklusive  Nebenkosten, in Würselen gibt es eine Unterkunft wo die Gebühr insgesamt über 500 Euro beträgt, da müssen Lösungen gefunden werden, dass Menschen einen ermäßigten Satz bekommen, weil das sonst außerhalb jeglichen Verhältnisses ist und die Unterkünfte oft nicht Standards erfüllen, wie sie in einer Privatwohnjung vorzufinden sind“, so Naujocks.

Der Traum: eine eigene kleine Wohnung

Eine eigene Wohnung, das ist es, wovon viele Flüchtlinge nur träumen, auch Boundiale Doumnaoya würde gerne ausziehen aus seinem Zimmer in der Coesfelder Flüchtlingsunterkunft. „Ich möchte gerne eine Wohnung haben, das ist wichtig, ich will hier leben.“

Bislang hat er nichts gefunden, so wird er weiterzahlen für sein Zimmer: 240 Euro, viermal so viel wie bisher. In Coesfeld will die Flüchtlingsinitiative die erhöhten Gebühren für die Flüchtlingsunterkünfte von einem Rechtsanwalt prüfen lassen, Ergebnis noch offen.

Teures Wohnen im Flüchtlingsheim

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen | 14.11.2017 | 03:37 Min.

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Stand: 14.11.2017, 08:08