Wer den Teller nicht leer isst, muss zahlen

Wer den Teller nicht leer isst, muss zahlen

Von Heinz Krischer

Ein bunt umrahmtes Schild direkt im Eingang weist seit ein paar Tagen deutlich daraufhin: Wer im Restaurant Himalaya in Menden seinen Teller nicht leer isst – der muss zahlen. Die ungewöhnliche Aktion des Restaurants schlägt hohe Wellen.

Von „großartig – weiter so!“ bis zu „das ist reine Abzocke – ich werde nicht mehr kommen“, reichen die Kommentare auf Facebook. Yifeng Zhao, Chef des Asia-Restaurants in Menden, hat nicht damit gerechnet, dass seine Aktion solche Reaktionen auslösen würde. Wer 100 Gramm oder mehr Essen auf seinem Teller übrig und zurück gehen lässt, der muss dafür 2 Euro extra zahlen. Ihm sei es vor allem darum gegangen, dass die Gäste verantwortlich mit den Lebensmitteln umgehen, sagt er im Gespräch mit dem WDR.

Tafel weist auf Aufpreis hin

Freundlich informiert das Restaurant seine Gäste

Buffet: Teller zu voll

Sein Restaurant, das „Himalaya“ ist ein Buffet-Restaurant: In den Selbstbedienungs-Theken stehen die Speisen und die Gäste können sich davon so viel holen, wie sie möchten. Doch nicht alle nutzen das Angebot maßvoll, hat Yifeng Zhao beobachtet: „Ich sehe jeden Tag, wie die Gäste bei uns sich ihre Teller vollpacken, und es dann nicht schaffen, alles aufzuessen.“ Dann müssen halbvolle Teller abgeräumt werden. Die Lebensmittel wandern in den Müll. Zhao fänd es besser, wenn seine Gäste erstmal kleinere Portionen nehmen, probieren, ob es ihnen schmeckt, und dann nochmal etwas nachholen. „Dann kann man sich ja gern den Teller voll packen.“

Meist positive Reaktionen

Mit seiner Aktion ist das Mendener Restaurant zwar noch die Ausnahme - aber nicht ganz allein. Auch in Dortmund und Oberhausen beispielsweise gibt es in Buffet-Restaurants eine ähnliche Regelung. Wie ist die Reaktion der Gäste nach den ersten Tagen? „Die meisten Leute sehen das positiv, aber es gibt auch einige, die finden das nicht gut“, sagt Zhao. Das kann man auf der Facebook-Seite des Restaurants nachlesen. Dort geht es darum, ob die Aktion Abzocke ist – oder etwas mit der Wertschätzung von Lebensmitteln zu tun hat.

Zu viele Lebensmittel im Müll

Restaurantchef Zhao steht vor Büffet

Chef Zhao ärgert sich über Lebensmittelvergeudung

„Nein, Abzocke ist das in meinen Augen nicht“, sagt Matthias Meißner, Ernährungsexperte bei der Umweltorganisation WWF im Gespräch mit dem WDR. „Ich finde das ist eine gute Form, die Menschen zum Nachdenken zu bringen.“ Seit einiger Zeit bereits kämpft der WWF gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Dazu gehört auch zu schauen, wie wird in den Küchen von Restaurants mit Lebensmitteln umgegangen, wie wird geschält, gekocht etc. Darauf zu achten, dass sich die Gäste nicht zu viel auf die Teller packen sei zwar nur eine der Stellschrauben gegen Lebensmittelverschwendung. Aber um etwas zu erreichen, müsse man eben kreativ sein. "Und das hier ist eine spannende Möglichkeit“, glaubt Mathias Meißner.

Einpacken kaum gefragt

Dass sich Gäste das Essensreste einpacken lassen, das ist bei Buffet-Restaurants ausgeschlossen. Sonst könnte man ja, wenn man satt ist, tatsächlich den Teller nochmal voll machen und quasi umsonst noch ein weiteres Essen mit nach Hause nehmen. In Restaurants, in denen Menüs auf der Speisekarte stehen, ist das hingegen anders. Dort bieten immer mehr an, übrig gebliebenes Essen einzupacken und mit nach Hause zu geben. Auch dadurch werden Lebensmittel wert geschätzt und nicht verschwendet. Und die Restaurants sparen sogar noch an den Entsorgungskosten. Doch richtig gut angenommen wird das Angebot mit den Einpack-Kartons noch nicht. Seit einigen Monaten beteiligt sich beispielsweise das Naturhotel Steinberg in Sundern an solch einer Aktion, weist Gäste offensiv darauf hin, dass man die Rest mitnehmen kann. „Doch das machen nur relativ wenige“, sagt Carmen Teasdale vom Naturhotel Steinberg. „Ich vermute, das ist vielen einfach noch unangenehm.“

Yifeng Zhao vom Mendener Himalaya-Restaurant jedenfalls glaubt, dass er mit seiner Aktion auf dem richtigen Weg ist und er und seine Kunden so verhindern können, dass Lebensmittel verschwendet werden.

Stand: 14.03.2016, 08:46