Aus für Moor und Heide?

Ein brauner Moorfrosch zwischen Gräsern, Moos und welkem Laub

Aus für Moor und Heide?

  • Gebiet ist als "Nationales Naturerbe" eingestuft
  • Bima verhandelt über Verkauf
  • Naturschützer befürchten Quarzsandabbau

Still und idyllisch liegt der ehemalige Truppenübungsplatz in Haltern seit dem Abzug der Briten vor knapp zwei Jahren. Manchmal quakt und raschelt es, manchmal ziehen Rehwildherden vorbei. Eine Wildschweinfamilie mit vier Frischlingen sucht Futter.

Porträt Frau

Annette Schulte-Bocholt, Biolog. Station Recklinghausen

"Das Gebiet ist einzigartig", sagt Annette Schulte-Bocholt von der Biologischen Station Recklinghausen, "hier gibt es noch ein Moor und Heide und Tierarten, die man nirgendwo anders mehr findet, zum Beispiel den Moorfrosch oder die Schlingnatter. Ein Sandabbau auf diesem Gelände wäre das Ende. Das Moor würde austrocknen und aussterben."

Es geht um eine Fläche, so groß wie 1.500 Fußballfelder. Jahrzehntelang war hier militärisches Sperrgebiet. Seltene Tier- und Pflanzenarten haben sich in dieser Zeit angesiedelt. Doch nur etwa ein Fünftel des Gebiets soll nach aktuellem Stand dauerhaft geschützt werden.

Fläche ist "Nationales Naturerbe"

Kleiner Bach zwischen Gräsern

Einmaliges Moorgebiet

Der größte Teil der ökologisch wertvollen Fläche gilt als "Nationales Naturerbe" und ist in öffentlichem Besitz. Doch die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben denkt trotz des hohen Schutzwertes an einen Verkauf und verhandelt zur Zeit mit Interessenten. Dabei ginge es auch um Sandabbau. Den Namen des oder der Interessenten aber nennt die Behörde nicht.

Türschild mit Aufschrift "Herzog von Cry Verwaltungen"

Kaufinteressent hält sich bedeckt

Vor den 30er Jahren gehörte der Familie von Croy aus Dülmen das gesamte Areal. Nach dem Abzug der Streitkräfte wird ihnen ein kleiner Teil zurück gegeben. Der Herzog von Croy bestätigt das Interesse, das gesamte Gelände zu erwerben. Ob das Areal zum Sandabbau genutzt werden soll, lässt der Herzog offen. Anträge auf Probebohrungen der Quarzwerke Haltern liegen jedoch bereits vor.

Die aktuellen Verkaufsverhandlungen bringen Kommunalpolitiker und Naturschützer auf die Barrikaden. Es handele sich ausgerechnet um das Herzstück des Gebietes, so die Naturschützer.

"Verkaufsverhandlungen sind ein Skandal"

Porträt Mann

Thomas Krämerkämper, BUND NRW

"Die Bundesregierung hat sich nach dem Truppenabzug der EU gegenüber, verpflichtet, das Naturschutzgebiet zu erhalten", sagt Thomas Krämerkämper, stellvertretender BUND-Leiter NRW. Dass der Bund nun mit Privatinteressenten über einen Verkauf verhandelt, sei ein Skandal.

"Das Gebiet muss in öffentlicher Hand oder in der Hand einer Stiftung bleiben", meint auch Annette Schulte-Bocholt. Wirtschaftliche Nutzung und Naturschutz ließen sich auf diesem Gelände nicht vereinbaren. "Wenn wir das Gebiet nicht erhalten, ist die Chance, ein einmaliges Naturreservat zu schaffen, verpasst".

Stand: 21.04.2017, 10:12