Gigaset streicht 325 Stellen

Man sieht das Innere einer Produktionshalle bei Gigaset am Standort Bocholt.

Gigaset streicht 325 Stellen

Die rund 980 Mitarbeiter am Gigaset-Standort in Bocholt hatten es befürchtet. Seit der Betriebsversammlung am Montag (07.03.2016) ist nun klar: Der Telefonhersteller wird deutschlandweit 325 Stellen streichen, fast alle in Bocholt.

In der übernächsten Woche wird die Personalabteilung wohl die ersten Kündigungen verschicken. Dann erst wird klar sein, wen genau es treffen wird. Ausgesucht wird - wie immer bei solchen Verfahren - nach sozialen Kriterien. Das Durchschnittsalter der Gigaset-Mitarbeiter in Bocholt liegt nach Angaben des Betriebsrats bei 50 Jahren.

Transfergesellschaft wird gegründet

Man sieht drei Plakate der Firma Gigaset vor ihrem Gelände am Standort Bocholt, zu sehen ist die Aufschrift "Zukunft made in Bocholt"

Bei Gigaset in Bocholt sollen die meisten Stellen wegfallen

Um den vom Stellenabbau betroffenen Menschen bei der Suche nach einem neuen Job zu helfen, wird für die Dauer von zwölf Monaten eine Transfergesellschaft gegründet. Das ist Teil des Sozialplans, den die Betriebsratsvorsitzende in Bocholt, Monika Oschulik, mit ausgehandelt hat: "Die Verhandlungen haben viel Kraft gekostet." Aber man sei nun zu einem Ergebnis gekommen, mit dem man leben könne. Dennoch sei der Wegfall der Arbeitsplätze schmerzhaft. Ausgehandelt wurde auch ein neuer Tarifvertrag: Wer bleibt, muss länger arbeiten und bekommt weniger Geld. Die Wochenarbeitszeit wird nun von 36 auf 38 Stunden erhöht. Der Tarifvertrag soll rückwirkend zum 1. März gelten.

Gigaset-Umsätze sinken

Der Hersteller von Festnetztelefonen sieht sich zum Stellenabbau gezwungen, weil die Umsätze kontinuierlich sinken. Bereits im Dezember hatte Gigaset angekündigt, weltweit fast jeden zweiten Arbeitsplatz zu streichen. Seitdem hatte die Geschäftsführung mit der IG Metall und dem Betriebsrat verhandelt. Allen Beteiligten war dabei klar: Gigaset muss handeln, um weiter bestehen zu können. Der Stellenabbau sei hart, aber es sei gelungen, ein sozialverträgliches und verantwortungsbewusstes Paket für die Mitarbeiter auf den Weg zu bringen, teilte die Unternehmensleitung mit. Nun arbeite man mit vollem Einsatz an der weiteren Entwicklung von Gigaset.

Gewerkschaft mit Ergebnis zufrieden

Eine Frauenhand hält den Hörer eines Festnetztelefons

Festnetz-Telefone sind nicht mehr gefragt

Auch Hans-Joachim Hebing von der Bocholter IG Metall sieht, dass Festnetz-Telefone einfach nicht mehr so gefragt sind. Vielen Kunden reiche heute ein Mobiltelefon. Wenn der gesamte Markt schrumpfe, nütze es auch nichts, dass Gigaset immer noch Marktführer im Bereich der Festnetz-Geräte sei, so Hebing. Auch wenn jetzt viele Mitarbeiter gehen müssen, ist Hebing mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden: Wir haben den Standort Bocholt gerettet. Und das sei für ihn das, was jetzt zähle. Am Dienstag (08.03.2016) wird es noch am Standort in München eine Betriebsversammlung geben. Dann wird den etwa 70 Mitarbeitern dort das Ergebnis der Verhandlungen verkündet.

Stand: 07.03.2016, 20:00