Ermittlungen gegen Ex-Bankchef aus Münster gehen weiter

Metallbuchstaben auf dunkelgrauem Steinblock

Ermittlungen gegen Ex-Bankchef aus Münster gehen weiter

Von Detlef Proges

Fast ein Jahr nach der Entlassung des früheren Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank Münster wird weiter gegen Enrico Kahl ermittelt. Und offenbar werden die Ermittlungen noch ausgeweitet.

Es war ein schwarzer Freitag für den Bank-Chef und ausgerechnet der 13. November 2015, als die Vertreterversammlung der Sparda-Bank Münster seine fristlose Entlassung wegen Spesenbetrugs beschloss. Seitdem ist Enrico Kahl aus der Öffentlichkeit abgetaucht. Für die Staatsanwaltschaft allerdings scheint der Fall an Bedeutung zu gewinnen.

Spezialabteilung der Justiz übernimmt Fall Enrico Kahl

Vor einigen Tagen hat die Staatsanwaltschaft Münster die Akten an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld übergeben. Die Schwerpunktabteilung übernimmt allgemein dann Ermittlungen, wenn sie einen besonders großen Umfang haben.

Hintergründe bleiben unklar

Allerdings bestätigt die Staatsanwaltschaft in Bielefeld nur, dass sie den Fall Kahl übernommen hat. Zu den genauen Hintergründen, warum das passiert ist, äußert sie sich nicht. Es heißt, die Ermittlungen könnten sonst gefährdet werden. Klar ist: In Bielefeld arbeiten auf Wirtschaftskriminalität und Korruption spezialisierte Staatsanwälte gemeinsam mit Wirtschaftsreferenten, Informatikern und Buchhaltern. Üblicherweise landen dort keine kleine Fälle.

Auch zum Stand der Ermittlungen gegen Enrico Kahl sagt die Bielefelder Justiz nichts. Bevor solche oft sehr aufwändigen Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, geben Staatsanwaltschaften üblicherweise keine Auskünfte darüber, was bislang ermittelt worden ist.

Weitere Personen im Visier der Ermittler?

Der Rechtsanwalt von Enrico Kahl äußert sich jetzt zum ersten Mal öffentlich zu dem Fall in einem Interview mit dem WDR. Die Vorwürfe könne er wegen der laufenden Ermittlungen nicht kommentieren, sagt Dr. Ingo Minoggio. Er hält die Übertragung auf die Schwerpunktstaatsanwaltschaft aber für überzogen. Die Ermittlungen gegen seinen Mandanten, den Ex-Bank-Manager, seien noch kein großer Fall. Das könnte auch eine normale Staatsanwaltschaft wie in Münster übernehmen. Der Rechtsanwalt spekuliert, dass möglicherweise noch gegen weitere Personen ermittelt werde, und das deswegen die Spezialabteilung der Justiz eingeschaltet worden sei. Und nach WDR-Informationen gibt es neben Enrico Kahl tatsächlich noch mindestens eine weitere Person, gegen die in diesem Verfahren um mutmaßlichen Spesenbetrug und Untreue ermittelt wird.

Schwere Vorwürfe gegen damaligen Bank-Chef

Eingang und Gebäude der Sparda-Bank

Spesenbetrug in großem Stil?

Schon vor einem Jahr gab es schwere Vorwürfe gegen den damaligen Bank-Chef. Enrico Kahl wurde Spesenbetrug in großem Stil vorgeworfen. Von mindestens 100.000 Euro ist die Rede. Nach dem, was damals bekannt wurde, soll er unter anderem hohe Kosten für private Feiern und Opernbesuche in Bayreuth über die Bank abgerechnet haben.

Zu den von der Sparda-Bank Münster bezahlten Parties zählten eine Geburtstagsfeier seiner Frau und Enrico Kahls Feier, als er die Präsidentschaft seines Rotary-Clubs übernahm. Allein diese beiden Veranstaltungen sollen zusammen rund 67.000 Euro gekostet haben. Neben anderen Vorwürfen soll der ehemalige Bankmanager außerdem Karten für Opernbesuche in Bayreuth bekommen haben, weil er mindestens 40.000 Euro teils von der Sparda-Bank nach Bayreuth gespendet haben soll. Auch die Kosten der exklusiven Opernbesuche mit Begleitungen soll die Bank bezahlt haben.

Kahl wehrte sich gegen Vorwürfe

Portrait eines Mannes in Anzug vor einer weißen Wand.

Enrico Kahl weht sich gegen Vorwürfe

Damals bei seiner Entlassung im November 2015 wehrte sich der Beschuldigte vehement gegen die Vorwürfe. Die Bank sei über die Ausgaben informiert gewesen. Außerdem kündigte Kahl am 13. November 2015 an, er werde gegen seine Kündigung klagen. Doch das ist bis heute nicht passiert.

Stand: 27.10.2016, 20:00