Zu viele Einsätze: Rettungswagen in Siegen-Wittgenstein brauchen zu lange

Rettungsassistenten im Rettungswagen

Zu viele Einsätze: Rettungswagen in Siegen-Wittgenstein brauchen zu lange

Von Mike Külpmann

  • Immer mehr Einsätze für Rettungsdienste
  • Dadurch werden sie im Schnitt langsamer
  • Hauptübel ist Missbrauch der Notrufnummer 112

Kevin Viktor zieht seinen Gurt straff. Soeben hat der Rettungsassistent einen Einsatz im Siegener Stadtteil Geisweid zugewiesen bekommen. Von einer "Messerverletzung am Ohr" ist über Funk die Rede. Kollege Christian Krämer gibt Gas. Mit Blaulicht geht es durch die Innenstadt.

Fast 30 % mehr Alarmierungen

Es Freitagabend und allein für Kevin Viktor ist dies schon der sechste Einsatz seiner Schicht. Nicht alle waren wirklich ein Fall für den Rettungsdienst. Erst vor zwei Stunden hat er einen Mann mit Fieber und Blasenentzündung ins Krankenhaus gebracht. Seine Frau hatte Bedenken ein Taxi zu nehmen – Alltag für Kevin Viktor und seine Kollegen.

Rettungsassistent spricht mit der Einsatzzentrale

Kevin Viktor spricht mit der Einsatzzentrale

Doch solche Einsätze stellen das komplette Rettungswesen vor enorme Probleme. Denn allein in Siegen ist die Zahl der Alarmierungen in den vergangenen fünf Jahren um fast 30 Prozent gestiegen; in den vergangenen zehn Jahren hat sie sich sogar verdoppelt. Die Folge: Immer häufiger sind alle verfügbaren Wagen im Einsatz, und es muss Hilfe aus den Nachbarkommunen angefordert werden.

Acht-Minuten-Frist überschritten

Doch so wird das Einhalten der gesetzlich vorgeschriebenen Erreichzeiten, also der maximalen Frist vom Anruf bis zum Eintreffen der Retter, zum Glücksspiel. In nur 75 Prozent der Fälle schaffen die Siegener die geforderten acht Minuten. Erst ein Wert von 90 Prozent gilt als akzeptabel. Was tun? Aufrüsten.

Drei Rettungswagen in einer Halle

Häufig sind alle Rettungswagen im Einsatz

Laut neuem Rettungsdienstbedarfsplan für Siegen-Wittgenstein soll die Bereitschaftszeit einiger Fahrzeuge erhöht, der Standort von anderen verlegt werden. Mindestens vier neue Planstellen sind dafür erforderlich, die Kosten belaufen sich auf rund 800.000 Euro.

Fehlentwicklung im Gesundheitswesen

Als Ursachen für die gestiegenen Einsatzzahlen sehen Experten neben einer älter werdenden Bevölkerung organisatorische Probleme beim Notdienst der Hausärzte und lange Wartezeiten bei den Fachärzten. "Wir müssen entscheiden, wieviel Geld uns diese Fehlentwicklung auf lange Sicht Wert ist", sagt Matthias Ebertz, als Chef der Feuerwehr in Siegen für den Rettungsdienst zuständig.

Eigentlich wollte der zuständige Kreisgesundheitsausschuss am Mittwoch (08.03.2017) den neuen Rettungsdienstbedarfsplan diskutieren, doch das Thema wurde kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Es müsse noch nachgebessert werden, heißt es aus dem Kreishaus. Im Sommer könnte es zur Wiedervorlage kommen.

Rettungsassistent Kevin Victor im Einsatzwagen

Rettungsassistent Kevin Viktor im Einsatzwagen

Kevin Viktor ist übrigens in sechs Minuten bei der Messerverletzung eingetroffen. Ein guter Wert für das nur leicht verletzte Opfer, und ein Pluspunkt für die Statistik.

Stand: 07.03.2017, 10:07