Pokémon-Jäger stürmen Allwetterzoo Münster

Hunderte Menschen stehen vor der Kasse des Zoos in Münster

Pokémon-Jäger stürmen Allwetterzoo Münster

Von Petra Brönstrup

Weit über 3.000 Pokémon-Jäger nutzten am Donnerstagabend (04.08.2016) die Gelegenheit, zwei Stunden lang im Allwetterzoo Münster kleine Monster zu jagen. Der Zoo hatte dazu eingeladen, eine Reaktion auf den aktuellen Wirbel um die kleinen digitalen Wesen.

Jonas Belt aus Warendorf ist ein Pokémon-Jäger der ersten Stunde. Seit Anfang Juli hat der 22-Jährige schon 764 virtuelle Monster mit seinem Smartphone eingefangen, in Warendorf, Ahlen, Paderborn. Auch in Münster war Jonas Belt schon auf der Jagd, am Aasee und in der Innenstadt, aber noch nie im Zoo. "Das ist tatsächlich mein erster Zoo-Besuch hier. Ich bin total gespannt!"

Menschen-Schlangen vor der Zookasse

Ein Smartphone mit einem Pokemon im Display

Plötzlich ist ein Pokémon da - und wird gefangen

Jonas Belt steht zusammen mit seinen drei Freunden Maik Scharton, Anne-Marie Kuczera und Leonie Voita vor dem Eingang zum Allwetterzoo Münster inmitten der Menschenmenge und wartet, dass sich die Türen öffnen. Der Eintritt kostet fünf Euro, das Geld soll Artenschutzprojekten in Asien zugute kommen. Weit über 3.000 Menschen sind gekommen, um an diesem Abend zwei Stunden lang Pokémons im Zoo zu jagen, das sind soviele Besucher wie sonst an einem ganzen Tag. Darunter einige Kinder mit ihren Eltern. Die Mehrzahl aber sind junge Leute im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Sie alle halten ein Smartphone in der Hand und checken vorab, wo im Zoo sich die kleinen virtuellen Monster versteckt halten. Dann endlich ist es soweit. Die Türen zum Zoo öffnen sich. Die Jagd beginnt, doch anfangs gibt es technische Probleme...

Pokémon-Jäger anfangs ohne Empfang

Vier junge leute stehen zusammen und blicken auf ihre Handys

Diese vier jungen Warendorfer sind echte Profis bei der Pokémon-Jagd

"Mist! Kein Netz!" Die 19-jährige Anne-Marie Kuczera fährt mit dem rechten Zeigefinger über das Display ihres Smartphones. "Nichts, gar nichts!" Auch der 22-jährige Maik Scharton kämpft mit dem Empfang. "Das gibt es doch gar nicht! Sonst funktioniert es bei mir immer!" Bei mehr als 3.000 Menschen, die gleichzeitig an einem Ort ihr Smartphone benutzen, sind die Netze völlig überlastet. "Was für ein Reinfall!", schimpft eine junge Frau, die den Freunden aus Warendorf am Gehege mit den Kamelen entgegenkommt. "Blöd!" Kaum hat die Pokémon-Jagd im Zoo begonnen, gibt es auch schon lange Gesichter.

Entdeckungen am Wegesrand

Doch die Pokémon-Jäger geben sich nicht geschlagen. Sie versuchen es immer und immer wieder, bis es endlich klappt. "Ja!" Jonas Belt schaut aufs Display. Er hat soeben seinen ersten Pokémon im Zoo gefangen. "Ein Kabutops, den sieht man nicht oft!" Die vier Freunde aus Warendorf spazieren über die Wege im Zoo, von der Bärenanlage zur Vogelvoliere und dann weiter, über den Kinderspielplatz zu den Pelikanen, der Blick stets aufs Smartphone gerichtet, um kein Pokémon zu verpassen.

Ein junger Mann steht vor dem Geparden-Gehege

Jonas Belt freut sich auch über echte Tiere

Und dann entdeckt Jonas Belt in einem Gehege plötzlich einen Geparden. "Was für ein Tier!" Der 22-Jährige vergisst für einige Sekunden die kleinen virtuellen Monster auf seinem Smartphone. Er beobachtet den Geparden, wie der leichtfüßig durchs Gehege läuft. "Klasse!" Auch bei den Giraffen und den Kapuzineraffen machen Jonas Belt und seine Freunde Halt, um sich die Tiere anzuschauen.

 Aktion gegen unorganisierte Jäger

Darauf hatte Münsters Zoodirektor Thomas Wilms gehofft, als er zur Pokémon-Jagd aufrief, dass Menschen wie Jonas Belt, die noch nie zuvor im Allwetterzoo Münster waren, an Spaß an realen Tieren finden und wiederkommen. Für den Zoo ist die Pokémon-Jagd Werbung in eigener Sache, gewissermaßen eine Besucher-Jagd. Aber es gibt auch einen ernsten Hintergrund: Zoodirektor Wilms berichtet von Pokémon-Jägern, die sich vor ein paar Tagen nachts illegal Zugang zum Zoo verschafft haben, um dort virtuelle Monster zu jagen. Das will er unterbinden. Auch deshalb hat er zur öffentlichen Pokémon-Jagd eingeladen. Mit Erfolg.

"Ich finde das total witzig zu sehen, was für Leute hier unterwegs sind und dass alle gemeinsam spielen", meint die 21-jährige Leonie Voita aus dem Freundeskreis von Jonas. Und: Leonie hat nach zwei Stunden im Allwetterzoo Münster immerhin fast 30 Pokémons gefangen, einige von diesen hatten sogar ein bisschen Ähnlichkeit mit den echten Tieren gleich nebenan.

Stand: 05.08.2016, 06:57