Flüchtlinge in Altena: Herzlich Willkommen!

Mouayad und Nazim wickeln auf einer Baustelle Kabel

Flüchtlinge in Altena: Herzlich Willkommen!

Von Heiko Dolle

Bundeskanzlerin Merkel hat am Mittwoch (17.05.2017) den Nationalen Integrationspreis verliehen - an Altena für seine Flüchtlingsarbeit. Die funktioniert richtig gut, wie ein Streifzug durch die Stadt zeigt.

Mouayad aus Syrien und Nazim aus Afghanistan schleppen Zementsäcke. Sie rollen Kabel aus und schlagen Putz von den Wänden.

Bauarbeiten am neuen Begegnungszentrum in Altena

Bauarbeiten am neuen Begegnungszentrum

In der ehemaligen Kneipe gibt es viel tun. Schließlich soll in den Räumen bald das neue Begegnungszentrum für Flüchtlinge eröffnet werden. Dachdecker sind zurzeit dabei, das Dach zu sanieren, Elektriker verlegen neue Leitungen. Mouayad und Nazim, beide Mitte 20, packen mit an.

"Sehr nett, sehr höflich"

Für die beiden Bürgerkriegsflüchtlinge ist Altena zur zweiten Heimat geworden: "Altena ist super. Ist eine kleine Stadt. Die Leute helfen mir aber zum Beispiel, wenn ich Probleme mit dem Sozialamt habe."

Auch Mouayad ist sehr angetan: "Ich komme hier nach Altena, weil ich habe gehört, dass die Leute hier sehr nett und sehr höflich zu uns sind." Aktuell fokussieren sich die beiden ganz auf die Renovierungsarbeiten. Parallel gehen sie zur Schule, um Deutsch zu lernen.

Oft bereits Jobs gefunden

Fahad Al Azzawi sitzt auf einem Balkon und liest

Fahad Al Azzawi paukt Deutsch

Auch Fahad Al Azzawi drückt die Schulbank, damit seine Mediziner-Ausbildung anerkannt wird. Der 28-Jährige kommt aus dem Irak und wohnt jetzt seit anderthalb Jahren in Altena. "Das Zertifikat muss anerkannt werden. Und dann darf ich hier arbeiten. Ich bin ganz entschlossen, hier in Deutschland erfolgreich zu sein."

Die "Kümmerer"

Bürgermeister Andreas Hollstein

Bürgermeister Andreas Hollstein

Ein Grund, warum sich die Flüchtlinge in Altena so wohl fühlen, seien die "Kümmerer", erklärt Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU). Jede Flüchtlingsfamilie bekam einen solchen Ansprechpartner zugeteilt. Außerdem wurden die Flüchtlinge nicht in Turnhallen oder Containern untergebracht, sondern in normalen Wohnungen. Ehrenamtliche bieten Deutschunterricht an oder helfen bei der Renovierung von Wohnungen.

Bereits in September 2015 - zu einer Zeit, als besonders viele Asylbewerber nach Deutschland kamen - hatte die Stadt bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt: Da kündigte der Bürgermeister an, freiwillig 100 Flüchtlinge mehr in Altena aufzunehmen, als der Stadt zugewiesen wurden.

Auch diese gelebte Mitmenschlichkeit überzeugte die Jury, die Altena am Freitag (12.05.2017) den Nationalen Integrationspreis zusprach. Er wurde erstmalig verliehen.

Statement gegen Fremdenfeindlichkeit

Stadtzentrum und Burg Altena

Für viele Flüchtlinge längst zweite Heimat: Altena

Hollstein gibt sich aber bescheiden. Auch in vielen anderen Kleinstädten würden Flüchtlinge herzlich aufgenommen. Für Hollstein und die Stadt ist der Integrationspreis "eine Hommage an all die, die ins Rad gepackt haben. Die gesagt haben, wir stehen nicht für Fremdenfeindlichkeit."

Hollstein betont: "Wir stehen für eine herzliche Aufnahme. Wir stehen aber auch für klare Regeln. Und wir versuchen, mit den Menschen klar zu kommen. Und diese Ängste, die bei einigen Mitbürgern da ist, durch Taten abzubauen." Das sei "ganz gut gelungen" - nicht nur in Altena übrigens, ergänzt Hollstein, sondern in der ganzen Bundesrepublik.

Stand: 17.05.2017, 12:56