Wildblumen ersetzen Maisfelder

Wildblumen ersetzen Maisfelder

Eine ökologische Alternative zum Maisanbau wird jetzt im Münsterland getestet: Auf Versuchsfeldern wachsen Wildblumen für Biogasanlagen. Weniger Gift und mehr Pflanzenvielfalt sind das Ziel.

Die heimischen Wildblumen auf dem Acker von Franz Josef Schulze Thier aus Billerbeck sehen nicht nur schön aus – sie können auch was. So zumindest die Hoffnung des Bauern. Und nicht nur er erwartet einiges von den Pflanzen: Auch Prof. Dr. Tillmann Buttschardt von der Universität Münster und Martin Schmid von der Landwirtschaftskammer NRW sind gespannt, ob ihre Idee "GrünSchatz" Früchte trägt. Und darum geht es: Auf Versuchsfeldern im westlichen Münsterland und im Lipperaum werden Wildblumenmischungen ausgesät. Dann wird untersucht, ob sie alternativ zu Maispflanzen als Substrat für Biogasanlagen genutzt werden können.

Mehr Blüten heißt mehr nützliche Insekten

vier Männer stehen auf einer großen, mit Blumen bepflanzten Wiese und sehen sich Pläne an

Bauer Schulze Thier, links, stellt sein Projekt vor

Doch es geht nicht nur um die wirtschaftliche Nutzung. Die Wildwiesen haben gegenüber den Maisfeldern auch deutliche ökologische Vorteile: Es müssen weniger Unkrautvernichtungsmittel gespritzt werden. Und: Die höhere Blütenvielfalt lockt mehr Insekten an, die wiederum größeren Tieren als Nahrung dienen. Außerdem wachsen die Wildpflanzen nach dem Mähen schnell wieder nach. Während die Maisfelder im Winter frei liegen, wird seltenen Tierarten auf den Versuchsfeldern auch in der kalten Jahreszeit Deckung und Schutz geboten. Bauer Schulze Thier, der auch passionierter Jäger ist, hat vor ein paar Tagen zum Beispiel eine Fasanenmutter mit ihren Jungen zwischen den Blumen herumlaufen sehen. Fasane hatte er auf seinem Maisfeld schon lange nicht mehr gesichtet.

Weniger Gewinn beim Biogas

ein Feld mit Wildblumen, davor ein Schild, auf dem für die Wildblumen als Maisalternative geworben wird

Die Wildpflanzen eignen sich auch für die Biogasanlage.

Bauer Schulze Thiers Blumenacker ist jetzt schon im dritten Jahr des Versuchs. Insgesamt werden zur Zeit acht Hektar Land für das Projekt bestellt. Allen bisherigen Erfolgen zum Trotz ist aber auf Dauer wohl trotzdem eine finanzielle Unterstützung für die Landwirte nötig, damit das Projekt Wildwiese ausgeweitet werden kann. Die Wildpflanzen können zwar zur Biogas-Gewinnung verwendet werden. Die gleichen Erträge wie beim Mais wird es aber wohl nicht geben: Ersten Schätzungen zufolge muss mit etwa 30 Prozent weniger Gewinn gerechnet werden.

Stand: 11.08.2016, 20:00