Wegen Gotteslästerung verurteilt

Ein lächelnder Albert Voß steht neben seinem Auto, auf dessen Rückscheibe provokante Sprüche stehen

Wegen Gotteslästerung verurteilt

Albert Voß verließ das Amtsgericht in Lüdinghausen am Donnerstag (25.02.2016) mit einem Lächeln. Die Richterin hatte ihn gerade wegen Gotteslästerung verwarnt. Außerdem muss der pensionierte Lehrer eine Geldbuße von 500 Euro zahlen, weil er immer wieder provozierende Sprüche auf sein Auto geklebt hatte. Voß will in die nächste Instanz gehen.

Passant erstattete Anzeige

Auf der Heckscheibe eines Autos steht ein provozierender Spruch

Provozierende Sprüche auf der Heckscheibe

Über ein Jahr lang war Albert Voß mit seinem „Spruchtaxi“- wie er sein Auto selber nennt - bereits unterwegs, als ein Mann aus Lüdinghausen den Wagen im Oktober 2015 sah. Auf der Heckscheibe stand damals ein abgewandeltes Zitat von Martin Luther: „Wir pilgern mit Martin Luther: Auf nach Rom! Die Papstsau Franz umbringen. Reformation ist geil!“ Das fand der Passant wohl gar nicht geil und erstattete Anzeige. Als die Polizei den beschuldigten pensionierten Mathelehrer deswegen aufsuchte, stand schon ein neuer Spruch auf der Heckscheibe: „Kirche sucht moderne Werbeideen. Ich helfe. Unser Lieblingskünstler: Jesus - 2000 Jahre rumhängen und immer noch kein Krampf!“ Auch die Polizei erstattete deswegen Anzeige.

Nicht von der Kunstfreiheit gedeckt

Richterin Ira Schwefer liest am Richtertisch in einer Akte

Richterin Ira Schwefer: "Das ist eine Beschimpfung der christlichen Kirche"

"Das", urteilte die Richterin heute, "ist eine öffentliche Beschimpfung der christlichen Kirche". Die auf die Heckscheibe geklebten Sprüche seien jedenfalls nicht von der Kunstfreiheit gedeckt. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 67-Jährigen aus Lüdinghausen sogar eine Geldstrafe von 3000 Euro gefordert - wegen eines mutmaßlichen Vergehens gegen den umstrittenen §166 des Strafgesetzbuches, den sogenannten „Gotteslästerungsparagraphen“.

"Offen über alles reden"

Albert Voß hatte dem Prozess gelassen entgegengesehen: „Die Anzeige ist gar nicht schlecht, weil jetzt mal geklärt wird, ob man in dieser Gesellschaft ein Recht hat, seine Meinung zu äußern.“ In der Vergangenheit gab es mehrere Initiativen, den §166 StGB abzuschaffen, weil er die Meinungsfreiheit einschränken würde. Auch Albert Voß sieht das so: „Gotteslästerung ist für mich ein Menschenrecht, das muss sein, damit man alles diskutieren kann. Also Gotteslästerung so verstanden, dass man in der Gesellschaft offen über alles reden kann.“ Eben auch über die Bibel, Luther und Gott.

Nicht der erste Fall im Münsterland

Ein Rosenkranz mit Paragraphen-Zeichen

Vor Gericht wird selten wegen Gotteslästerung verhandelt

Eine Anklage wegen des „Gotteslästerungsparagraphen“ wird selten vor deutschen Gerichten verhandelt. Einer der letzten vielbeachteten Fälle spielte übrigens ebenfalls vor dem Amtsgericht Lüdinghausen. Vor genau zehn Jahren, im Februar 2006, wurde dort ein vorbestrafter Frührentner zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Der Mann hatte die Worte „Koran, der heilige Koran“ auf Toilettenpapier gestempelt, und das hatte er dann an mehrere Fernsehsender, Moscheen und islamische Kulturvereine geschickt.

Stand: 25.02.2016, 20:00