Siegen: Was tun, wenn der Arzt verschwindet?

Hand auf Krankenakten

Siegen: Was tun, wenn der Arzt verschwindet?

Im Herbst 2015 war ein Kinderneurologe in Siegen plötzlich abgetaucht. An die Krankenakten sind die betroffenen Eltern im März 2017 immer noch nicht heran gekommen.

Ohne Vorwarnung hatte der Kinderneurologe seine Praxis verlassen. Er soll sich nach WDR-Informationen noch in Siegen aufhalten, ist aber für die Eltern seiner jungen Patienten nicht mehr erreichbar. Die kassenärztliche Zulassung ist dem Mann inzwischen entzogen worden. Ein Insolvenzverfahren und eine Räumungsklage sind anhängig.

Zum Glück gibt es in Siegen eine Kinderklinik - hier werden inzwischen mehr als Hundert Patienten des abgetauchten Arztes weiter behandelt. Eine Mutter aus Lennestadt dagegen wartet seit vier Monaten auf einen Termin bei einem anderen Facharzt. Ihre Tochter leidet unter epileptischen Anfällen. Sie sei "enttäuscht, dass er sich nicht mal abgemeldet hat", sagt die Frau über den Siegener Arzt.

Krankenakten vorerst unerreichbar

Sie hat noch ein anderes Problem - wie alle anderen betroffenen Eltern: Sie kommt nicht an die Krankenakte heran. Deshalb müssen viele Untersuchungen wiederholt werden, auch wenn das medizinisch völlig unsinnig ist.

Die Akten sind Eigentum des Arztes. Wenn die Praxis noch im Frühjahr 2017 zwangsgeräumt wird, will der Vermieter die Krankenakten bei dem Kinderneurologen abliefern. Der hätte dann die Möglichkeit, sie von der Ärztekammer oder einem Rechtsanwalt aufbewahren zu lassen und den Eltern Akteneinsicht zu gewähren. Dann hätten die Eltern zumindest eine sehr umständliche Möglichkeit, Untersuchungsberichte einzusehen.

Stand: 20.03.2017, 13:55